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Pulmologie 24. Februar 2015

E-Zigarette als Verführerin

Kampagnen gegen das Rauchen eröffnen Nischen für bedenkliche Produkte.

Sie sind bunt, lässig und liegen auf den Schulhöfen schwer im Trend. E-Zigaretten und E-Shishas boomen unter Jugendlichen. Pädiater und Pulmologen fordern, den Verkauf der Life-Style-Produkte an Minderjährige völlig zu unterbinden.

In Deutschland hat Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) vor dem Familienausschuss ein Verkaufsverbot von E-Zigaretten an unter 18-Jährige angekündigt. Dafür will sie falls nötig auch das Jugendschutzgesetz novellieren. Unterstützung erhält sie dafür auch vom Koalitionspartner CSU, sowohl Agrarminister Christian Schmidt als auch die Drogenbeauftragte Marlene Mortler wollen dazu beitragen, die Gesetzeslücke zu schließen, die es Minderjährige ermöglicht, die neuen, teilweise auch nikotinhaltigen Produkte frei zu erwerben.

Auch ÖGP besorgt

Die mit Preisen von wenigen Euro auch für Kinder und Jugendliche erschwinglichen Produkte in vielen Geschmacksrichtungen führten dazu, dass die jungen Menschen etwas inhalieren, also ein falsches Verhaltensmuster einüben.

Und das ist nicht nur im Nachbarland ein Problem. Die Österreichische Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) warnte bereits vor Monaten nicht nur vor der Zigarette, sondern auch vor ihrem elektronischen Pendant. Es sei kein Zufall, dass alle namhaften Tabakkonzerne mittlerweile in die Produktion und Vermarktung von E-Zigaretten involviert sind. Die E-Zigaretten und die neuerdings auf den Markt drängenden E-Shishas produzieren ein ultrafeines nikotinhaltiges Aerosol durch Verdampfen aromatisierter Lösungen. Dabei präsentieren die Marketingabteilungen die E-Zigarette perfide als „gesunde“ Alternative zum Glimmstängel. Tatsächlich fallen hier die schädlichen Verbrennungsschadstoffe zwar weg, jedoch gibt es keine seriösen Voraussagen, wie sich der Konsum von E-Zigaretten langfristig auswirkt.

Diese sind vor allem dahingehend gefährlich, da sie eine Harmlosigkeit vorspiegeln, letztlich jedoch den Weg der Jugendlichen zum Rauchen ebnen. Laut ÖGP hatte ein Drittel der jugendlichen E-Zigaretten-Raucher zuvor keine Tabakwaren konsumiert. Der Trend zur oralen Überspielung von Unsicherheiten könne die Präventionsbemühungen bei der Verringerung des Tabakkonsums zunichte machen.

Der Trend zu den elektronischen Mini-Verdampfer von Flüssigkeiten mit und ohne Nikotin wird trotz Kampagnen gegen das Rauchen immer stärker. Eine noch unveröffentlichte Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in Deutschland kommt Medienberichten zufolge zu dem Ergebnis, dass jeder fünfte 12- bis 17-Jährige schon einmal eine E-Shisha probiert hat, immerhin jeder Zehnte auch die nikotinhaltigen E-Zigaretten. Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg hat untersucht, dass etwa zehn Prozent der 16- bis 19-Jährigen zumindest einmal E-Shishas ausprobiert haben. Diese Entwicklung hat die Deutsche Krebshilfe auf den Plan gerufen. Sowohl nikotinfreie als auch nikotinhaltige Flüssigkeiten beständen aus einem Chemikaliengemisch, das Atemwegsreizungen auslöse, vermelden die Experten der Krebshilfe. Die Minipartikel, die durch das Ziehen an den elektronischen Geräten in die Lunge gelangen, sind ebenfalls nicht ohne. Die Substanz sei gesundheitlich bedenklich und könnte letztlich in die Nikotinsucht führen.

Lungenveränderungen drohen

Die Partikeldosis, die das tiefe Lungengewebe erreicht, sei höher als bei Zigarettenrauch, sagte Martina Pötschke-Langer vom DKFZ. Sie könnten oxidativen Stress und Entzündungsreaktionen auslösen. Bei jungen Menschen seien langfristig Lungenveränderungen daher nicht auszuschließen. Etwa 100 Millionen Euro setzten die Hersteller mit dem neuen Life-Style-Produkt bereits um, sagte Pötschke-Langer. Die Industrie bewirbt E-Zigaretten und E-Shishas ähnlich wie Alkopops und süße Schnäpse, geht aus einer DKFZ-Publikation hervor. Sehr bewusst spreche die Werbung Kinder und Jugendliche an, so Pötschke-Langer. Raucher, die ihr Laster ablegen wollten, fühlten sich dagegen von dem „Schischi“ aus bunten Verpackungen und Strassbesatz nicht angesprochen.

Als Entwöhnungshilfe scheinen die E-Zigaretten die ihnen eigentlich zugedachte Rolle nur bedingt zu spielen. Eine Cochrane Studie spricht zumindest von leichter Hoffnung, dass ein kleiner Teil der Zigarettenraucher umsteigt.

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