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Kardiovaskuläre Komorbiditäten sollten so behandelt werden, als hätte der Patient gar keine COPD.
 
Pulmologie 17. Februar 2015

Keine Angst vor Betablockern

Komorbiditäten bei COPD-Patienten sollten ausreichend behandelt werden.

Die meisten COPD-Patienten leiden an weiteren chronischen Erkrankungen. In der Regel sollte dies dies weder die Therapie der COPD noch der Begleiterkrankung verändern. Das gilt auch bei indizierter Betablockade.

Die Prognose von COPD-Patienten hängt weniger von der Lungenerkrankung selbst als von deren Begleiterkrankungen ab. Ihrer Diagnose und Behandlung ist daher in der Leitlinie der Global Initiative for COPD (GOLD) ein eigenes Kapitel gewidmet.

Kardiale Komorbiditäten sind die häufigsten

Die wahrscheinlich häufigsten Komorbiditäten sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Prävalenz wird mit 30 bis 70 Prozent angegeben, das Erkrankungsrisiko ist damit zwei- bis fünfmal so hoch wie bei Lungengesunden. Ein Grund für die hohe Rate an ischämischen Herzerkrankungen bei COPD-Patienten ist sicher der gemeinsame Risikofaktor Rauchen. Hinzu kommt der krankheitsbedingte Bewegungsmangel. Außerdem geht man inzwischen davon aus, dass die chronische Entzündung bei COPD nicht auf die Lunge begrenzt ist. COPD-Exazerbationen wirken offenbar als systemische „Entzündungsbooster“, die das Herzinfarktrisiko nach oben treiben.

Bei kardiovaskulären Erkrankungen empfiehlt die GOLD-Leitlinie, „so zu behandeln, als hätte der Patient keine COPD“. Das gilt –anders als bei Asthma – auch dann, wenn eine Betablockade indiziert ist. Sie ist laut GOLD als sicher anzusehen, etwaige Risiken würden vor allem nach Herzinfarkt und bei Herzinsuffizienz durch den Nutzen bei Weitem überwogen. Es wird allerdings empfohlen, kardioselektiven Wirkstoffen wie Bisoprolol den Vorzug zu geben.

Sogar während der akuten Exazerbation unbedenklich

Einem Cochrane-Review zufolge werden weder die Lungenfunktion noch die Symptome der COPD durch selektive Betablocker verschlechtert. Ihre Anwendung scheint selbst während einer akuten Exazerbation unbedenklich zu sein. Inzwischen gibt es sogar Hinweise, wonach Betablocker den Verlauf einer COPD vorteilhaft beeinflussen könnten; sie werden derzeit in Studien überprüft.

Im Alltag scheint die Angst vor Betablockern trotzdem verbreitet zu sein: In einer britischen Untersuchung hatte über die Hälfte der COPD-Patienten nach einem Herzinfarkt keinen Betablocker erhalten. Im Vergleich zu Patienten mit kardioselektivem Betablocker war ihr Sterberisiko in den folgenden drei Jahren fast verdoppelt. Umgekehrt sollte das Vorliegen von (kardialen) Komorbiditäten die Behandlung der COPD nicht verändern.

Die Befürchtung, lang wirksame Betamimetika oder Anticholinergika könnten die Entstehung von Tachykardien, Myokardischämien oder Schlaganfällen fördern, wird zumindest durch randomisierte Studien nicht erhärtet.

Unter Alltagsbedingungen wurden jedoch in den ersten Wochen einer bronchialerweiternden Therapie vermehrt Klinikeinweisungen wegen akuter Koronarsyndrome und wegen Herzinsuffizienz beobachtet. Zu Beginn der Therapie sowie bei fortgeschrittener Herzinsuffizienz wird daher eine engmaschige Überwachung der Patienten empfohlen. Bei instabiler Angina wird von sehr hohen Betamimetika-Dosen abgeraten.

Osteoporose, Pneumonien, Angst

Eine weitere häufige und zudem häufig übersehene Komorbidität der COPD ist die Osteoporose. Weil systemische Kortikosteroide das Risiko erhöhen, empfiehlt die GOLD-Leitlinie, ihren wiederholten Einsatz möglichst zu vermeiden. Inhalative und systemische Kortikosteroide fördern zudem die Entstehung von Pneumonien. Bei wiederkehrenden Lungenentzündungen sollte diese Möglichkeit durch Absetzen geprüft werden. Gerade bei jüngeren Patienten, Frauen und niedrigem FEV1 ist die COPD häufig mit Angst und Depressionen assoziiert. Sie beeinträchtigen Lebensqualität und Prognose.

Behandeln wie ohne Begleiterkrankung

Der Rat, zu behandeln wie ohne Begleiterkrankung, gilt auch, wenn metabolisches Syndrom oder Diabetes und COPD zusammentreffen. Bei schwerer COPD ist aber von einer Gewichtsabnahme auf einen BMI unter 21 abzuraten.

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