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Krafttraining ist bei COPD-Patienten besonders beliebt, weil es ventilatorisch weniger belastet.
 
Pulmologie 17. Oktober 2014

Intervall, Kraft und Vibration

Welche Sportarten für COPD-Patienten gut geeignet sind.

Für Patienten mit schwerer COPD eignet sich am besten ein Intervalltraining, weil es durch den Wechsel von Belastungs- und Erholungsphasen zu weniger Atemnot und Beinermüdung kommt als beim Dauertraining.

Patienten mit COPD leiden nicht nur unter der Erkrankung der Lunge, sondern auch unter sekundären Krankheitsmanifestationen wie einer eingeschränkten Herz-Kreislauf-Funktion, pulmonaler Kachexie und muskulärer Dysfunktion. Wie Dr. Rainer Glöckl, Schön Klinik Berchtesgadener Land, beim 45. Deutschen Sportärztekongress erläuterte, lässt sich bei den Betroffenen durch eine Trainingstherapie das geschädigte Lungengewebe zwar nicht beeinflussen, wohl aber die Skelettmuskulatur: „Das körperliche Training wirkt der muskulären Dysfunktion und Atrophie entgegen, steigert so die Leistungsfähigkeit, verringert die Atemnot und trägt zu einer Verbesserung der Lebensqualität bei.“

Individuell angepasste Trainingsmethoden

Viele Patienten versuchen allerdings eine körperliche Belastung zu vermeiden, weil sie darunter rasch an Atemnot leiden. Außerdem können die Patienten die für einen Trainingseffekt erforderlichen hohen Belastungsreize oft nicht ausreichend lang bewältigen. „Aus diesem Grund brauchen COPD-Patienten Trainingsmethoden, die an ihre individuelle respiratorische und kardiovaskuläre Situation angepasst sind“, stellt Glöckl fest.

Unter den konventionellen Trainingsformen für Patienten mit schwerer COPD am besten geeignet ist ein intensives Intervalltraining, weil es durch den Wechsel von Belastungs- und Erholungsphasen ein wirksames Ausdauertraining ermöglicht. „Im Vergleich zu einer Dauermethode leiden die Patienten weniger stark unter Atemnot und weniger an Beinermüdung“, berichtet Glöckl. Geeignet sei das Intervalltraining für COPD-Patienten mit schwerer Obstruktion (forcierte exspiratorische Einsekundenkapazität < 40 %), niedriger Leistungsfähigkeit (< 60 % Wattmax/Soll), starkem Abfall der pulsoximetrisch gemessenen Sauerstoffsättigung (SpO2 < 85 %) und sehr starker Dyspnoe bei der Ausübung einer Dauermethode.

Krafttraining

Bei den Patienten beliebter, weil es ventilatorisch weniger stark belastet, ist Glöckl zufolge das Krafttraining. „Es bringt für die Patienten einen großen Nutzen bei Alltagsaktivitäten wie z. B. beim Aufstehen vom Stuhl, Treppensteigen oder beim Anheben von Gegenständen. Wichtig zu wissen ist, dass ein lokales Krafttraining auch in der akuten Exazerbation sicher und effektiv ist“, sagt Glöckl.

Vibrationstraining bringt zusätzliche Leistungssteigerung

Neben den konventionellen Methoden Kraft- und Ausdauertraining, die Glöckl zufolge bei allen COPD-Patienten eingesetzt werden sollten, gibt es alternative Methoden, wie z. B. Nordic Walking, Atemmuskeltraining, Aquatraining und Vibrationstraining, die den Patienten – je nach Indikation – ergänzend angeboten werden können. Mit dem Training auf einer Vibrationsplatte lassen sich von der Muskellockerung bis hin zum Muskelaufbau verschiedene Ziele erreichen. „Das Training unterstützt andere Maßnahmen zur Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit optimal und verursacht keine Nebenwirkungen“, so der Sportwissenschaftler. Ergänzend sollte versucht werden, die Langzeitcompliance der Patienten für körperliche Aktivität zu fördern.

springermedizin.de, Ärzte Woche 43/2014

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