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Pulmologie 3. Juni 2014

Nicht-onkologische Patienten haben das Nachsehen

Bei COPD-Patienten wird der Bedarf an Palliativmedizin im Vergleich oft zu spät erkannt.

COPD-Patienten leiden schon zwei bis drei Jahre vor ihrem Lebensende an Atemnot. Palliativmedizin könnte hier helfen.

Patienten mit nicht-onkologischen Erkrankungen haben noch selten Zugang zu palliativmedizinischer Versorgung. Darauf wies Prof. Claudia Bausewein, Leiterin der Klinik für Palliativmedizin der Ludwig Maximilians Universität München, beim 120. DGIM-Kongress in Wiesbaden hin. So würde der Bedarf an palliativmedizinischer Betreuung überwiegend anhand onkologischer Patienten geschätzt.

„Jeder Vierte stirbt an Krebs. Das heißt umgekehrt aber auch: Drei von vier sterben an anderen Erkrankungen“, betont Bausewein. Überschlagen hätten etwa zwei Prozent der Bevölkerung einen Bedarf an palliativmedizinischen Leistungen, davon seien rund 80 Prozent Patienten, die nicht an Krebs leiden.

Ein Grund, warum nicht-onkologische Patienten bei der Palliativversorgung meist noch durchs Netz fallen, sei, dass sich die Prognose oft nicht so genau abschätzen lasse. Bausewein erinnert daran, dass sich der Zustand von Krebspatienten vor allem in den letzten zwei bis drei Monaten sehr rasch verschlechtert, sodass zu diesem Zeitpunkt eine palliativmedizinische Betreuung relativ klar angezeigt sei.

Im Vergleich bauen Patienten mit Herz-Lungen-Erkrankungen, etwa COPD, langsam, aber kontinuierlich ab, immer wieder unterbrochen von Phasen der Exazerbation, in denen es zu einer zeitweisen rapiden Verschlechterung komme.

Ärzte könnten aber nicht vorhersehen, welche Exazerbation letztlich zum Tod führe, so Bausewein. Daher werde der palliativmedizinische Bedarf meist zu spät erkannt. Sie plädierte deshalb dafür, den Beginn palliativmedizinischer Maßnahmen nicht an Diagnose oder Prognose festzumachen, sondern an den Bedürfnissen der Patienten. COPD-Patienten litten etwa schon zwei bis drei Jahre vor ihrem Lebensende an Atemnot. Palliativmedizin könne hier helfen, die Beschwerden zu lindern.

„Die Palliativversorgung muss aber parallel zur kausalen Behandlung erfolgen und sollte zeitweise intensiviert werden, wenn dies aus Sicht des Patienten nötig ist“, sagt Bausewein. Um sich an den Bedürfnissen orientieren zu können, müssten diese aber regelmäßig erfasst werden. Dafür sei es nötig, Fachärzte anderer Disziplinen für die rechtzeitige palliativmedizinische Versorgung zu sensibilisiere. Nur so könnten nicht-onkologische Patienten mit palliativmedizinischem Bedarf rechtzeitig erkannt werden.

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