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Fruchtaromen verführen vor allem Jugendliche zum derzeit besonders beliebten Rauchen von Shishas. Sie ebnen bei Jugendlichen aber das typische Rauchverhalten, von dem es schwer ist, wieder loszukommen.
 
Pulmologie 5. Mai 2014

Gefährliche Lungenzüge

Zum Welt-Asthma-Tag am 6. Mai warnen Lungenexperten: Rauchen führt bei Jugendlichen häufig zu Asthma.

Jede und jeder Vierte im Alter von 15 Jahren raucht zumindest einmal wöchentlich. Österreich ist also nach wie vor ein Land der jugendlichen Raucherinnen und Raucher. Das bleibt nicht ohne gesundheitliche Folgen, warnt nun die Österreichische Gesellschaft für Pneumologie.

Laut einer OECD Studie von 2013 rauchen 25 Prozent der 15-jährigen ÖsterreicherInnen zumindest ein Mal pro Woche. Betrachtet man allein die Gruppe der 15-jährigen Mädchen, sind es sogar 29 Prozent. Somit liegt Österreich klar an führender Stelle der OECD-Länder; gefolgt von Tschechien und Ungarn. Der Einstieg in die „Raucherkarriere“ erfolgt in vielen Fällen schon sehr früh und kann in weiterer Folge zu einer ganzen Reihe von lebensbedrohlichen Lungenerkrankungen wie COPD und Lungenkrebs führen. „Vielleicht nicht ganz so bekannt ist aber“, warnt Doz. Dr. Felix Wantke, stellvertretender Arbeitskreisleiter für Asthma und Allergie der österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP), anlässlich des Welt-Asthma-Tages am 6. Mai, „dass auch Asthma bronchiale zu den gefährlichen Folgeerscheinungen des Rauchens zählt.“

„Raucherkarrieren“ beginnen häufig im Jugendalter

Asthma bronchiale ist eine Erkrankung, die hauptsächlich bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen vorkommt. „Rauchen ist zwar ein Problem, das alle Altersstufen betrifft, vom ungeborenen Kind bis zum hochbetagten Menschen, aber wer einmal raucht, gehört einer Risikogruppe an, die leichter Allergien und Asthma bronchiale entwickelt“, so Wantke. Und somit sind ganz besonders jugendliche RaucherInnen gefährdet, an Asthma bronchiale zu erkranken. Ist einerseits die Vorbildwirkung der Eltern eines der bestimmenden Momente für den Lebensstil, den Jugendliche entwickeln, so bewegen andererseits Gruppenzwang, das Gefühl, dazugehören zu müssen, viele junge Menschen zum Rauchen. Gerade bei jungen Mädchen führt oft auch der allgegenwärtige Schlankheitswahn zum Griff zur Zigarette, denn sie meinen, durch Nikotinkonsum ihren Appetit dämpfen zu können.

Verführerische E-Shishas

Aber auch Modetrends tragen dazu bei, dass Jugendliche mit dem Rauchen beginnen. In diesem Zusammenhang sind in letzter Zeit die sogenannten E-Shishas in den Fokus der Kritik geraten. Die kleinen, tragbaren elektronischen Wasserpfeifen verdampfen ein aromatisiertes Liquid mittels Heizmodul. Der Rauch schmeckt süßlich nach verschiedenen Früchten und zielt somit gerade auf ein junges Publikum ab. Ein gefährlicher Trend, so Wantke, denn zum einen ist keineswegs geklärt, ob die verdampften Inhalationsstoffe der E-Wasserpfeifen, die unter anderem damit beworben werden, dass sie kein Nikotin freisetzen, tatsächlich ungiftig sind. Zum anderen verankert auch der Gebrauch von Shishas eindeutig Raucherverhalten, das nur schwer wieder abgewöhnt werden kann. „Auf diese Weise wird bei vielen Jugendlichen in dieser Prägephase des Lebens das Tor zu einer Raucherkarriere aufgestoßen“, warnt Wantke.

Rauch und Jugend verträgt sich doppelt schlecht

Klar belegt ist: Rauchen, sowohl aktiv als auch passiv, erhöht das Risiko an einer allergischen Erkrankung und an Asthma bronchiale zu erkranken. Das betrifft vor allem Kinder, die Passivrauch ausgesetzt sind, aber natürlich auch Jugendliche und Erwachsene. Doch der junge Organismus reagiert empfindlicher auf Rauch als der ältere. Das betrifft einerseits das Immunsystem, welches bei Rauchexposition die Weichen in Richtung Allergieentwicklung stellt, andererseits die empfindliche Schleimhaut der Bronchien, die mitunter irreversiblen Schaden nimmt. Und so kann einerseits bei kindlichen oder jugendlichen Passiv- oder Aktivrauchern Asthma bronchiale ausgelöst werden und andererseits der Grundstein für weitere schwere Lungenerkrankungen in späteren Jahren wie COPD oder Lungenkrebs gelegt werden. Wantke betont: „Es ist dabei vollkommen gleichgültig, ob Zigaretten oder die in letzter Zeit in Mode gekommene Wasserpfeife oder E-Shisha als Einstieg in die Raucherkarriere geraucht werden. Wer einmal zu rauchen beginnt, wird das Rauchen fast nicht mehr los und schädigt sich und andere.“

Rauchen behindert erfolgreiche Asthmabehandlung

An Asthma Erkrankte leiden an Husten, pfeifendem Atemgeräusch und anfallsartigen Atemnotattacken. Unzureichend behandeltes Asthma führt zu einer fortschreitenden Verschlechterung der Lungenfunktion, unbehandeltes Asthma kann unter Umständen sogar zum Tod führen. Wantke erläutert: „Die heutige Asthmatherapie zielt auf maximale Beschwerdefreiheit ab, Lungenfachärzte sprechen von Asthmakontrolle. Mit den heutigen Medikamenten ist eine optimale Asthmakontrolle auch problemlos zu erreichen. Ein gut behandelter Asthma-Kranker ist weitgehend beschwerdefrei, leistungsfähig und voll in den Alltag und das Berufsleben integriert. Wenn es da nicht das Rauchen gäbe. Geschätzte 30 Prozent der Asthmapatienten rauchen trotz ihrer Krankheit weiter. Ein Raucher hat immer eine schlechtere Asthmakontrolle als ein Nichtraucher, da wichtige Medikamente zur Asthmakontrolle durch das Rauchen ihre Wirksamkeit verlieren“, so Wantke. Daraus resultiert, dass rauchende Asthmapatienten nicht nur an vermehrter Atemnot, sondern auch häufiger an Atemwegsinfekten leiden. Eine schlechte Asthmakontrolle führt auch zu einer schlechteren Lungenfunktion.

Frauen sind doppelt betroffen

Frauen leiden häufiger an Asthma als Männer. Alarmierend ist zusätzlich, dass rauchende Frauen ein deutlich höheres Asthmarisiko als Frauen, die nicht rauchen, aufweisen. Frauen haben somit ein doppeltes Risiko, Asthma zu entwickeln. Hinzu kommt: Rauchen in der Schwangerschaft ist ein massiver Risikofaktor für das ungeborene Kind, es kommt bereits „mit schlechten Karten“ zur Welt – etwa Untergewicht und unreifer Lunge (fetales Tabaksyndrom).

Schutz des Ungeborenen gefordert

Um dem Rauchen gezielt entgegenzuwirken, fordert die österreichische Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) bereits seit Jahren ein striktes, österreichweit exekutiertes Rauchverbot und einen umfassenden Schutz des ungeborenen Kindes vor Aktiv- und Passivrauch. Wantke: „Da rauchbedingte Gesundheitsschäden in der Kindheit und Jugend besonders schwerwiegend sind, müssten bereits an den Grundschulen effektive Antirauchkampagnen durchgeführt werden. Und wenn Jugendliche bereits rauchen, ist eine frühzeitige Raucherentwöhnung unerlässlich, um die Einzelperson, aber auch die Umgebung vor Rauch zu schützen, Jedes rauchfreie Jahr ist ein Gewinn!“  

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