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© Peter Nadolski / iStock / Thinkstock
Etwa jeder fünfte Patient, dessen Beschwerden durch inhalative Kortikosteroide plus LABA nicht ausreichend zu kontrollieren sind, hat ein (hyper)-eosinophiles Asthma.
 
Pulmologie 11. April 2014

Hoffnungen bei schwerem Asthma bronchiale

Zukunftsvision personalisierte Therapie mit Biologika.

Bei Patienten mit schwerem beziehungsweise therapierefraktärem Asthma bronchiale ruhen die Hoffnungen auf einer personalisierten Asthmatherapie mit Biologika, angepasst an den Phänotyp des einzelnen Patienten. Derzeit ist dies allerdings noch eine Zukunftsvision.

Ob Asthma bronchiale einmal so gut zu phänotypisieren ist, dass es eine spezifische Therapie geben wird, ist unklar, sagte Prof Dr. Christian Virchow aus Berlin beim Symposium „Personalisierte Asthmatherapie – nur teuer oder auch effektiv?“.

Erfolgreiche Ansätze

Bei der personalisierten Asthmatherapie mit oralen Biologika gibt es jedoch erfolgreiche Ansätze, insbesondere bei Patienten mit eosinophilem Asthma. Vielversprechend sind Interleukin (IL)-5-Antikörper wie Mepolizumab, Reslizumab und Benralizumab, die gegen eosinophile Monozyten gerichtet sind, so Prof. Dr. Roland Buhl aus Mainz. In klinischen Studien mit Anti-IL-5-Blockern bei Patienten mit eosinophilem Asthma wurde eine Halbierung der Exazerbationsrate erreicht; die Wirkungen auf Lungenfunktion und Lebensqualität waren allerdings weniger deutlich. Ähnliche Effekte wurden auch in klinischen Studien mit IL-4-Blockern (Dupilumab) und IL-13-Blockern (Lebrikizumab, Tralokinumab) erzielt.

Wichtig sei die Auswahl der Patienten, betonte Buhl. Etwa jeder fünfte Patient, dessen Beschwerden durch inhalative Kortikosteroide (ICS) plus langwirksame Beta-2-Sympathomimetika (LABA) nicht ausreichend zu kontrollieren seien, hätte ein (hyper)-eosinophiles Asthma. Oft trete bei diesen Patienten das Asthma erst spät auf und es gebe keine relevanten Allergien, die Symptomatik sei stark ausgeprägt und es komme regelmäßig zu Exazerbationen, so Buhl. Bester Labormarker für ein gutes Ansprechen auf IL-Blocker ist der Nachweis einer Eosinophilie im Blut (› 3 x 109 Leukozyten pro Liter). Eine Sputumeosinophilie (› 3%) sei deutlich weniger aussagekräftig, betonte Prof. Dr. Marek Lommatzsch aus Rostock. Haben die Patienten Nasenpolypen, einen hohen NO-Anteil in der Ausatemluft (FeNO › 50 ppb) und häufige Exazerbationen (= 3 pro Jahr), deutet dies auf ein gutes Ansprechen hin.

Alternativen zur Inhalation

Virchow wünschte sich mehr Alternativen zur inhalativen Asthmatherapie. Es würden so viele Fehler bei der Benutzung von Inhalationsdevices gemacht. „Es wäre wünschenswert, wenn ein Asthma mit Tabletten und/oder Injektionen in vierwöchigen Abständen zu kontrollieren wäre.“ Orale Leukotrien-Antagonisten als Ergänzung zu ICS oder LABA bieten nach Angaben von Virchow nur wenig Zusatznutzen. Als gute Zusatzoption bezeichnete er den oralen Phosphodiesterase-4-Hemmer Roflumilast, durch den Allergen-induzierte Entzündungsreaktionen verringert werden können. Ob orale Antagonisten von CRTH2 (Chemoattractant receptor-homologous molecule expressed on Th2-cells)-Rezeptoren, welche die Immunantwort auf Prostaglandin D2 aktivieren und Asthmasymptome triggern, eine wertvolle Ergänzung des therapeutischen Spektrums sein können, muss sich erst noch zeigen. Einige Wirkstoffe befinden sich in der klinischen Entwicklung.

 

Quelle:

Symposium „Personalisierte Asthmatherapie – nur teuer oder auch effektiv?“, 28.3.2014, 55. Kongress der DGP und 36. Jahrestagung der GPP, Bremen

springermedizin.de/IS, Ärzte Woche 16/2014

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