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Prof. Dr. Carl-Peter Criée Vorsitzender der Deutschen Atemwegsliga.
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Die altersabhängige Variabilität der Lungenfunktionsparameter kann bei älteren Patienten zu falsch positiven Ergebnissen führen.

 
Pulmologie 11. April 2014

Spirometrie in Diskussion

Die neuen altersabhängigen Referenzwerte sollen in Leitlinien berücksichtigt werden.

Die Spirometrie ist eine verbreitete diagnostische Methode zur Prüfung der Lungenfunktion. Gegenstand heftiger Debatten des diesjährigen Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin in Bremen waren die auf internationaler Ebene entwickelten neuen Referenzwertempfehlungen. Es stellt sich die Frage, ob die empfohlenen Referenzwerte in neuen Leitlinien berücksichtigt werden sollen.

Die Spirometrie ist eine im Vergleich zur Bodyplethysmografie in der pneumologischen Facharztpraxis weit verbreitete diagnostische Methode zur Prüfung der Lungenfunktion. Die spirometrisch gewonnen Parameter Vitalkapazität (VC) und die Sekundenkapazität (FEV1) werden zur Beurteilung des Schweregrades einer Lungenerkrankung herangezogen und bestimmen die medikamentöse Therapie mit. Eine Ende 2012 von einer Taskforce der European Respiratory Society (ERS) veröffentlichte integrative Auswertung vorhandener Studien mit über 97.000 Spirometrien führte auf internationaler Ebene zu neuen Referenzwertempfehlungen. Ob die empfohlenen Referenzwerte in neuen Leitlinien berücksichtigt werden sollen, war Gegenstand heftiger Debatten des diesjährigen Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP).

Falsch positive Ergebnisse bei älteren Patienten

Bisher gängige Praxis war es, einen Lungenfunktionswert dann als pathologisch anzusehen, wenn er weniger als 80 Prozent des Sollwertes beträgt. Dieses Vorgehen berücksichtigt aber nicht die altersabhängige Variabilität der Lungenfunktionsparameter und kann bei älteren Patienten zu falsch positiven Ergebnissen führen. Abhilfe könnte hier der so genannte „Z-Score“ schaffen, der die Grenze zwischen „normal“ und „pathologisch“ alters- und geschlechtsunabhängig angibt.

Demzufolge wäre die Definition der COPD nach den GOLD-Leitlinien pathophysiologisch falsch, da sie die Altersabhängigkeit nicht berücksichtigt und damit zu einer Überschätzung der COPD-Diagnosen in der älteren Bevölkerung führt. Deshalb steht derzeit zur Diskussion, ob die lungenfunktionellen GOLD-Kriterien in die neue Fassung der COPD-Leitlinie der Deutschen Atemwegsliga übernommen werden sollen, so Prof. Carl-Peter Criée, Vorsitzender der Deutschen Atemwegsliga.

Lungensportgruppen auf Youtube

Lungenkranke Patienten, insbesondere mit COPD, fühlen sich durch die Dyspnoe oft in ihrer körperlichen Aktivität limitiert. „Aus Angst vor Atemnot kommt die Bewegung immer mehr zu kurz und die Patienten erfahren eine fortschreitende Dekonditionierung“, so Dr. Antje Hammers-Reinhard, Homburg. Als niedergelassene Pneumologin sieht Hammers-Reinhard täglich in ihrer Praxis, dass die medikamentöse Therapie allein meist nicht ausreicht, um eine Verschlechterung der körperlichen Situation von COPD-Patienten aufzuhalten.

Aufbauend auf den Erfolgen körperlichen Trainings im Rahmen der stationären pulmonalen Rehabilitation bei COPD hat Hammers-Reinhard deshalb vor elf Jahren eine Lungensportgruppe gegründet. Dort trainieren die Patienten unter Anleitung von speziell ausgebildeten Übungsleitern in definierten Übungseinheiten mit einer individuell an die Bedürfnisse und Leistungsfähigkeit der Patienten angepassten Intensität. Die Mitgliederzahl der Lungensportgruppe wächst kontinuierlich bei geringer Fluktuation, so dass bereits eine zweite Gruppe initiiert wurde.

Wie Sport in einer Lungensportgruppe abläuft und welchen individuellen Nutzen Patienten durch Lungensport erzielen können zeigt der neue Film „Lungensport - ein Informationsvideo“ der Deutschen Atemwegsliga. In dem Video schildern Patienten der Lungensportgruppe Homburg/Saar wie sie zum Lungensport gekommen sind und wie sie von körperlichem Training profitieren. Das Video soll Patienten mit Atemwegserkrankungen wie Asthma oder COPD motivieren, sich einer Lungensportgruppe anzuschließen und ist im YouTube-Kanal der Deutschen Atemwegsliga abrufbar unter www.youtube.com/atemwegsliga zu sehen.

Mukoviszidose-Video in Arbeit

Nach der durchweg positiven Resonanz auf die Anwendungs- und Informationsvideos der Deutschen Atemwegsliga für Patienten mit Asthma oder COPD ist es für Prof. Wolfram Windisch, Köln konsequent, das Videoangebot auf andere Indikationen auszuweiten. Die bereits existierenden Videos zur korrekten Anwendung aller gängigen Inhalationsgeräte bei Asthma und COPD, zur Lungenfunktionsdiagnostik und zur nicht-medikamentösen Therapie wurden allein bei YouTube bereits mehr als 212.000-mal angeklickt, wobei die Gesamtbetrachtungszeit bei über 217.000 Minuten lag. Zurzeit werden deshalb Videos zu Inhalationsdevices gedreht, die vornehmlich bei der Behandlung der Mukoviszidose eingesetzt werden. Wie bei den anderen Videos auch, soll ein Plakat für die Arztpraxis mit Abbildungen der Inhalationsgeräte und QR-Codes Arzt und Patient den direkten Abruf des individuell verordneten Devices erleichtern, so Windisch.

Früherkennung beim Hausarzt

Etwa 40 Prozent der Patienten, die in Österreich wegen COPD hospitalisiert werden, haben noch nie zuvor einen Lungenfunktionstest gemacht. Um die Früherkennung zu verbessern, fordert die Österreichische Ärztekammer die verstärkte Einbindung der Hausärzte: Auch die Gebietskrankenkassen in Wien und Kärnten sollten endlich die Kosten der „kleinen Spirometrie“ beim Hausarzt übernehmen, meint Gert Wiegele, Leiter der Bundessektion Allgemeinmedizin (siehe Artikel Zu spät zum Facharzt).

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