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Pulmologie 21. März 2014

Starke Non-Compliance

COPD- und Asthmapatienten in ihrer Therapietreue stärken

Inhalative Arzneimittel sind für viele Patienten mit Asthma bronchiale und chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) ein wesentlicher Bestandteil der Therapie. Geradezu typisch für beide Erkrankungen ist allerdings eine besonders niedrige Compliance.

Deutlich unter 40 Prozent schätzt Dr. Harald Mitfessel, Pneumologe in Remscheid in Nordrhein-Westfalen die Compliance bei Asthma bronchiale und COPD. Verglichen mit anderen Krankheiten sei die Therapietreue bei Menschen mit obstruktiven Atemwegserkrankungen trotz des oft sehr hohen Leidensdrucks besonders problematisch. Schulungen und kontinuierliche Information und Motivation können zu einer Besserung der Situation beitragen. Zusammenarbeit ist gefragt!

Grundvoraussetzung für die Einhaltung der Therapie ist das Verständnis für die Krankheit. Ein Punkt, der zusätzlich zum fehlenden Krankheitsverständnis die Compliance bei Asthmatikern mindern kann, ist die immer noch zu beobachtende Angst vor Kortison, die allerdings rückläufig zu sein scheint. Das aufklärende Gespräch über die rein lokalen Wirkungen inhalativer Steroide erhöht deren Akzeptanz bei den Patienten.

Herausforderung: richtiges Inhalieren

Die Akzeptanz einer Medikation reicht freilich nicht aus, wenn gravierende Fehler bei der Inhalationstechnik dazu führen, dass ein Großteil der verordneten Medikamente gar nicht erst in die Lunge gelangt. Asthma- und COPD-Schulungen können diese Defizite bessern, müssen aber konsequent angeboten und wahrgenommen werden. Darüber hinaus ist es wichtig, die Botschaft über verschiedene Kanäle an den Patienten zu bringen. Hier ist die Zusammenarbeit der Gesundheitsberufe ebenso wichtig wie die Bereitstellung unterschiedlicher Schulungsinstrumente, wie schriftliche aber auch multimediale Unterlagen. Mehrere Studien bestätigen, dass Schulungsangebote in der Apotheke effektiv sind.

Für weitere Möglichkeiten, Apotheken-basiert die Compliance zu verbessern bieten die Niederlande gute Beispiele. Dort kann man mithilfe der EDV in den Apotheken leicht ermitteln, ob der Arzneimittelgebrauch des einzelnen Patienten vom Üblichen abweicht, ob zum Beispiel sehr viel kurzwirksame Betasympathikomimetika benutzt werden und ob Asthma-Patienten zusätzlich Glukokortikoide erhalten. Wenn nicht, werden die Patienten zu einer Beratung in die Apotheke eingeladen. Vielerorts arbeiten in den Niederlanden Apotheken in entsprechenden Projekten mit Hausärzten und lokalen Patientenorganisationen zusammen.

COPD häufig sehr spät diagnostiziert

Bei COPD-Patienten sei die Compliance-Problematik größer als bei Asthmatikern, so Mitfessel. Sie hätten nicht dieses „Aha-Erlebnis“, von dem ein gut eingestellter Asthmatiker berichten könne. Die meist nikotinabhängigen Patienten gehen in einem Krankheitsstadium zum Arzt, in dem längst irreversible Organschäden vorliegen. Dann wächst der Leidensdruck. Mitfessel: „Man kann COPD-Patienten sehr helfen, wenn man an erster Stelle Suchtberatung und Entwöhnungsbehandlung anbietet.“

Mit dem Vorwurf „Solange du rauchst, wird es schlechter werden“ treibe man die Patienten eher weg. Nötig seien noch mehr Aufklärung und eine frühere Diagnostik als bislang mit routinemäßigen Lungenfunktionstests in Primärarztpraxen.

Springermedizin.de

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