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Eine ICS-Therapie in der Kindheit könnte eventuell die Knochendichte im Schulalter reduzieren.
 
Pulmologie 10. Februar 2014

Asthma beim Kleinkind

Sind inhalative Kortikoide doch Knochenfresser?

Die Anwendung von inhalativen Kortikosteroiden in der frühen Kindheit geht möglicherweise zulasten der Knochendichte im Schulalter.

Als Asthmatherapeutika der ersten Wahl sind inhalative Kortikosteroide (ICS) auch im Kindesalter unverzichtbar. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass Kortikosteroide unabhängig von der Art der Applikation den Knochenstoffwechsel schädigen können. So ist der Gebrauch von ICS in der Kindheit mit vorübergehenden Wachstumsverzögerungen in Verbindung gebracht worden, auf die Körperlänge nach Abschluss des Skelettwachstums scheint er sich jedoch nicht oder nur geringfügig auszuwirken. Zum Einfluss auf die Knochendichte gibt es widersprüchliche Studiendaten. Auch die Ergebnisse einer jüngst publizierten Studie aus Finnland sind nicht ganz eindeutig, legen aber einen Zusammenhang von früher ICS-Therapie und Knochendichteverlust nahe.

Dosis-Wirkungs-Beziehung nur am Oberschenkelhals

Die Studie war ursprünglich aufgesetzt worden, um die gesundheitliche Entwicklung von Kindern zu verfolgen, die vor ihrem dritten Lebensjahr wegen Wheezing stationär aufgenommen worden waren. 31 von 100 Kindern hatten direkt nach dem Krankenhausaufenthalt für 16 Wochen ein ICS erhalten, bis zum medianen Alter von zwölf Jahren waren insgesamt 68 Kinder mit ICS behandelt worden (mittlere kumulative Dosis 31–1813 mg Budesonid-Äquivalente). Zu dieser Zeit wurde bei 89 Kindern die Knochendichte per Dual-Röntgen-Absorptiometrie (DXA) bestimmt.

Am Oberschenkelhals zeigte sich, nach Abgleich anderer Einflussfaktoren, eine signifikante, wenn auch schwache Korrelation zwischen steigenden kumulativen ICS-Dosen und sinkender Flächendichte sowie volumenbezogener Knochendichte. Kein Zusammenhang zwischen ICS-Gesamtdosis und Knochendichte fand sich dagegen an der Lendenwirbelsäule.

Kritische Phase vor dem sechsten Lebensjahr

Dabei spielte es offenbar eine Rolle, wann die ICS angewendet worden waren. Jene zwölf Kinder, die nur vor dem sechsten Lebensjahr und zwar für mehr als sechs Monate behandelt worden waren, hatten an der LWS eine signifikant niedrigere Knochendichte als die 21 Kinder, die niemals ICS verordnet bekommen hatten. Eine ähnliche, aber etwas schwächere Assoziation bestand für den Oberschenkelhals. Dagegen hatten diejenigen mit ICS-Therapie ausschließlich zwischen sechstem und zwölftem Lebensjahr gegenüber den Nieanwendern keine verminderte Knochendichte.

Die Studienautoren um Dr. Virpi H. Sidoroff von der Universität Kuopio schließen aus ihren Beobachtungen, eine ICS-Therapie in der Kindheit könne die Knochendichte im Schulalter reduzieren. „Dabei gibt es möglicherweise eine kritische Phase, die im Alter unter sechs Jahren liegt.“ Auch wenn es sich um vorläufige Daten handle, würden sie die Notwendigkeit unterstreichen, bei Kindern mit Asthma die niedrigst mögliche ICS-Dosis zu verwenden, mit der noch eine adäquate Asthmakontrolle erreicht werde.

 

Originalpublikation:

Sidoroff VH et al.: Inhaled corticosteroids and bone mineral density at school age: A follow-up study after early childhood wheezing; Pediatr Pulmonol 2013, online 17. Dezember

springermedizin.de, Ärzte Woche 7/2014

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