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© Maurizio Milanesio / fotolia.com
 
Pulmologie 12. November 2013

Lungenkrebs wird dokumentiert

Das erste Lung Cancer Audit in Österreich ist gestartet.

Es gibt Menschen, die haben ein besonders hohes Risiko für Lungenkrebs, obwohl sie nie geraucht haben. Verschiedene genetische Mutationen wurden bereits als Risikofaktoren identifiziert, zuletzt das sogenannte ROSS-I-Gen, das bei etwa einem Prozent der Patienten nachweisbar ist. Zielgerichtete Therapien sind hier wirkungsvoll.

Prof. Dr. Michael STUDNICKA, ÖGP-Vizepräsident und Leiter der Klinik für Pneumologie, PMU Salzburg, berichtet von einer 38-jährigen Patientin, Nie-Raucherin, mit Adenokarzinom, bei der dieses Gen nachgewiesen wurde. Eine zielgerichtete Therapie gegen ROSS I zeigte daraufhin gute Wirkung. „Es wäre schön, wenn wir bei allen Lungenkrebspatienten eine molekulargenetische Typisierung durchführen könnten“, so Studnicka. „Denn zielgerichtete Therapien haben Ansprechraten von 50 bis 70 Prozent, während wir mit Chemotherapie nur bei etwa 20 Prozent Erfolg haben.“

Lungenkrebs ist, gemessen an Inzidenz und Mortalität jene Krebserkrankung, die in Österreich am häufigsten zum Tod führt. 2012 erkrankten 3.864 Personen an Lungenkrebs, im selben Jahr verstarben 3.388 Patienten an dieser Erkrankung (Statistik Austria 2012). Die Fünf-Jahres-Überlebensrate des Lungenkarzinoms liegt mit 15% deutlich unter den Fünf-Jahres-Überlebensraten bei Darm- (61%), Mamma- (86%) und Prostata- (96 %) Karzinomen.

Um die Behandlung von Lungenkrebspatienten in Zukunft optimieren zu können, wurde kürzlich die Austrian Lung Cancer Group, eine Tochtergesellschaft der ÖGP, gegründet, die als erstes Projekt das österreichische Lung Cancer Audit in Angriff genommen und gestartet hat.

Was ist ein Audit?

„Ein Audit ist keine klassische epidemiologische Studie im engeren Sinn, sondern die standardisierte Sammlung von klinischen Daten durch prospektiven Einschluss von klinischen Patienten“, erklärt Studnicka. „Sechs Monate lang werden an 30 Kliniken alle Neuerkrankungen dokumentiert.“ Das Ziel des Audits: „Wir wollen unsere Diagnostik und Behandlung überprüfen, und etwaige Schwachstellen der medizinischen Versorgung aufdecken.“ Unter anderem sollen auch die eingangs erwähnten molekulargenetischen Typisierungen bei etwa 1.000 Lungenkrebspatienten durchgeführt werden.

Auch für das österreichische Gesundheitswesen eröffnet diese erste systematisierte Lungenkrebs-Datenerhebung in dieser Form Möglichkeiten, nämlich: die Versorgungssituation der betroffenen Patienten zu evaluieren und daraus Verbesserungsvorschläge für die Versorgung abzuleiten. Es gehe schließlich, so Studnicka, auch um den Einsatz von sehr teuren diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten, wie PET-CT und Targeted therapy durch Tyrosinkinase Inhibitoren, die seit wenigen Jahren zur Verfügung stehen. Sie sollten zielgerichtet bei jenen Karzinompatienten eingesetzt werden, deren Krankheitsbild dies notwendig macht, um ihre Lebenszeit zu verlängern und/oder Lebensqualität zu verbessern.

Über die Austrian Lung Cancer Group (ALCG)

Die ALCG ist eine Tochtergesellschaft der ÖGP unter Einbindung der pneumologisch tätigen Onkologen in Österreich in Form des Scientific Boards. Die ALCG wurde von der ÖGP gegründet, um landesweit mehr Patienten die Teilnahme an onkologischen Studien – und damit den früheren Zugang zu neuen Medikamenten – zu ermöglichen. Gründungsväter der ALCG sind Prof. Dr. Otto Burghuber und Prof. Dr. Michael Studnicka.

Quelle: Mediengespräch zur Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP), Wien, 21. Oktober 2013

C. Lindengrün, Ärzte Woche 46/2013

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