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© UKL/ Stefan Straube
Das Leipziger Ärzte- und Schwesternteam schnuppert vor der Abreise Höhenluft auf der Hubschrauberlandeplattform des Uniklinikums.
 
Pulmologie 25. Oktober 2013

Ultraschall am Himalaya

Forschungsexpedition untersucht Auswirkungen extremer Höhe auf den menschlichen Organismus.

Ein deutsch-schweizerisches Medizinerteam startete am 25. September zu einer höhenmedizinischen Forschungsexpedition nach Nepal. Die über 100 Personen starke Expedition will aufklären, wie sich Organe und Kreislauf in großer Höhe verändern und die noch bestehenden Geheimnisse um die Höhenkrankheit lüften. Dafür sind aufwendige medizinische Messungen an 42 freiwilligen Probanden geplant, unter anderem weltweit erstmals Ultraschalluntersuchungen in 7.000 Höhenmetern. Die Erkenntnisse sollen lungen- und anderen schwerkranken Patienten zu Gute kommen.

Ein Medizinerteam vom Uniklinikum Leipzig (UKL) traf sich am 24. September in Zürich mit Schweizer Forscherkollegen. Tags darauf ging es gemeinsam nach Nepal. Am 27. September folgten die 42 Testpersonen. „Die Probanden sind ausnahmslos gut trainierte Freizeitsportler, einige sogar Höhen-Bergsteiger“, erklärt der Intensivmediziner Dr. Ludger Mende, der das UKL-Team leitet.

Sauerstoffmangel in der Höhe vergleichbar mit Intensivstation

Beim beschwerlichen Aufstieg auf den über 7.000 Meter hohen Himlung Himal planen die Mediziner bei den Probanden regelmäßige Blutentnahmen, Belastungs- und Leistungstest, und – in dieser Art weltweit erstmals – auch umfangreiche Ultraschalluntersuchungen an Herz, Lunge, Gehirn und Venen- und Kapillarsystem. „Wir suchen beispielsweise nach Anpassungsvorgängen im Schädelinneren und nach Hinweisen dafür, dass der Aufenthalt in großer Höhe und der damit verbundene Sauerstoffmangel im Gehirn möglicherweise nachweisbare Veränderungen mit sich bringen“, erklärt Mende. „In unserer täglichen Arbeit versorgen wir Patienten mit schweren Organerkrankungen, z. B. Herzinfarkten, Schlaganfällen und schweren Infektionen. Am Ende dieser lebensbedrohlichen Erkrankungen steht nahezu immer die mangelnde Sauerstoffversorgung der Organ- und Zellsysteme“, begründet Mende das große Interesse an der Medizin in dünner Luft.

Logistische Meisterleistung unter Extrembedingungen

Der riesige Tross von über 100 Expeditionsteilnehmern – bestehend aus Ärzten, Schwestern, Bergführern, Probanden und zahlreichen Sherpas – wird zeitversetzt den Berg erklimmen, insbesondere die Probanden werden in zwei Gruppen aufsteigen. Der Aufstieg erfolgt in Etappen und nach einem festgelegten Muster von Aufstiegen, Abstiegen und Akklimatisierungsphasen. „Wir Mediziner müssen immer vor den Probanden an der jeweiligen Teststation sein“, so Mende. Schon im Vorfeld haben sich die Expeditionsteilnehmer des UKL umfassend vorbereitet. Alle fünf sind leidenschaftliche Sportler – Triathleten und Kletterer.

Die Geräte und das Untersuchungsmaterial werden von 30 erfahrenen Sherpas auf den Berg gebracht und damit vier medizinische Messstationen aufgebaut, je eine an den drei Höhenlagern des Himlung Himal (Basislager 4.800m, Camp I 5.400m, Camp II 6.100m) und eine Station direkt unter dem Gipfel (6.900 m).

Für die Forschung wurden insgesamt 1,3 Tonnen Material in 85 Gepäckstücken auf die Reise geschickt: unter anderem vier Stromgeneratoren, Computer und Spirergometrie-Systeme, Ultraschallgeräte, Zentrifugen und Mikroskope.

Um an mehrere tausend relevante Datensätze zu kommen, nehmen die Mediziner auch vor und nach der Expedition Tests vor. So gab es zuletzt im Juli und August umfassende Voruntersuchungen der Probanden in Bern, um Vergleichsdaten im Flachland (540 m) zu erheben. Unter anderem wurden MRT-Untersuchungen des Gehirns durchgeführt. Nachuntersuchungen werden Ende November/Anfang Dezember stattfinden. Ist die Fülle der Daten einmal ausgewertet, wofür die Forscher ein bis zwei Jahre veranschlagen, sollen alle Resultate auch der breiten Öffentlichkeit zu präsentiert werden.

Schweizer Bergerfahrung

Geplant wurde die Forschungsexpedition vom Schweizer Verein „Swiss-Exped“, und ist bereits die vierte ihrer Art. Die Hauptverantwortung ruht auf den Schultern des Schweizer Sport- und Notfallmediziners Dr. Urs Hefti, der bereits zahlreiche Expeditionen angeführt hat. Für die Logistik zeichnet der mehrfache Everest-Bezwinger Kari Kobler verantwortlich. Die wissenschaftliche Gesamtleitung liegt bei Dr. Tobias Merz und Dr. Jaqueline Pichler vom Berner Inselspital.

Gipfelsturm

Laut letzter Pressemitteilung vom 23. Oktober ist die Expedition erfolgreich verlaufen: 50 Forscher, Probanden und Sherpas sind gesund vom 7.050m hoch gelegenen Forschungslabor (Camp 3) zurückgekommen und im Basislager auf 4.800m willkommen geheissen worden. Die meisten von Ihnen waren auch auf dem Gipfel des Himlung Himal. Ein großer Teil des Forschungsprogramms konnte trotz tiefer Temperaturen von rund -30 Grad umgesetzt werden. Ein Teil der Alpinisten ist bereits auf dem Rückweg Richtung Kathmandu.  

Laufend aktuelle Berichterstattung über die Expedition auf: www.pichler.ch/enc.

idw/Swiss-Exped/CL, Ärzte Woche 43/2013

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