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Pulmologie 21. Oktober 2013

ÖGP 2013: Lungenkrebsbehandlung in Österreich - Gewichtsprobleme bei COPD

Deutliche Fortschritte bei manchen Patienten.


Die moderne Medizin mit ständig diffiziler werdenden Therapien macht die Analyse von Stand und Angepasstheit der Versorgung von Kranken an die aktuellen Leitlinien immer wichtiger. Die österreichischen Lungenspezialisten starten daher einen "Audit" mit rund 30 Kliniken in Sachen Lungenkarzinom, hieß es Montag bei einer Pressekonferenz der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie in Wien.



Der Hintergrund: Vom 24. bis 26. Oktober findet in der Bundeshauptstadt die Jahrestagung der ÖGP statt. Dabei geht es auch um Diagnose und Therapie bei Patienten mit Lungenkarzinomen. In Österreich erkrankten im vergangenen Jahr 3.864 Menschen an Lungenkrebs. Die Zahl der Todesopfer betrug 3.388. Nur 15 Prozent der Patienten leben noch nach fünf Jahren, bei den Brustkrebspatientinnen sind es hingegen beispielsweise 86 Prozent (Dickdarmkrebs: 61 Prozent; Prostatakarzinom: 96 Prozent).

Individuell abgestimmte medikamentöse Behandlung

Doch am Horizont zeichnet sich ein Hoffnungsschimmer ab: die gezielte und auf Genmerkmale der Tumorerkrankung individuell abgestimmte medikamentöse Behandlung. Michael Studnicka, künftigter Präsident der Pneumologen-Gesellschaft: "Wir haben zum Beispiel eine 38-jährige Nichtraucherin als Patientin mit einem Adenokarzinom der Lunge. Wir haben in Wien eine Gensequenzierung durchführen lassen. Es liegt eine sogenannte ROS1-Mutation vor. Das zielgerichtete Medikament Critozinib sollte hier speziell wirken. Und nach acht Wochen haben uns die Radiologen gefragt, wo denn der Tumor sei." Im Vergleich zur herkömmlichen Chemotherapie ließe sich die Ansprechrate auf die verwendeten Medikamente von 20 bis 30 Prozent auf 50 bis 70 Prozent erhöhen.

Entscheidend für die Versorgung der Patienten auf einem derart fortgeschrittenen Niveau mit sich ständig ändernden und immer schwieriger werdenden Diagnose- und Therapieschritten ist die Bestimmung von Status und Leitlinien-Konformität an den Behandlungszentren. Studnicka: "Wir werden deshalb unter Teilnahme von rund 30 Kliniken in Österreich auf freiwilliger Basis rund 1.000 Lungenkrebspatienten in einen 'Audit' einschließen." Alle Daten, Diagnose- und Therapieschritte in ihrem Ablauf etc. sollen gesammelt und dann analysiert werden. Vor rund zwei Jahren hat die ÖGP mit eine solchen Umfrage-Studie zum Thema der chronisch obstruktive Lungenerkrankung eine ähnliche Analyse in ganz Österreich durchgeführt.

Unter- und Übergewicht schlecht für Lungenkranke 


Sowohl Übergewicht als auch Untergewicht sind ausgesprochen schlechte Rahmenbedingungen für Personen mit chronischen Lungenerkrankungen, zum Beispiel bei der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD). Einerseits begünstigt Adipositas das Entstehen solcher Leiden bzw. verschlechtert sie, andererseits kann mit ihrem Fortschreiten durch Abnahme der körperlichen Aktivität eine zusätzliche Problematik entstehen. Patienten mit schwerer COPD sind wiederum eher untergewichtig, was ihr Mortalitätsrisiko erhöht.

Die Problematik mit Untergewicht und chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) als typisches Raucherleiden, so Sylvia Hartl, Präsidentin der Gesellschaft in den vergangenen beiden Jahren: "Nur zwei Prozent der Österreicher sind untergewichtig. Aber rund 25 Prozent der COPD-Patienten entwickeln Untergewicht - und Untergewichtige mit dieser Erkrankung sterben zu 50 Prozent etwa zwei Jahre früher." Verminderter Appetit, Muskelschwund infolge von Inaktivität und die chronische Entzündung im Verlauf der COPD sind hier bestimmende Faktoren. Durch den zunehmenden Lungenfunktionsverlust kann es geschehen, dass 80 Prozent des durch vermehrte Atmung aufgenommenen Sauerstoffs schon allein von der Atemmuskulatur verbraucht werden.

Übergewicht bei COPD


Auf der anderen Seite der sprichwörtlichen Medaille befinden sich Übergewicht und Adipositas. Marie Breyer vom Ludwig Boltzmann Institut für Pneumologie: "25 Prozent der COPD-Patienten sind untergewichtig, aber 50 Prozent sind übergewichtig. Bei Adipositas und einem BMI größer als 30 verlieren Betroffene vier Jahre ihrer Lebenserwartung, bei einem BMI über 40 bis zu zehn Jahre." Wenn nur 18 Prozent der Europäer (Allgemeinbevölkerung) im Durchschnitt 30 Minuten am Tag mäßig körperlich aktiv seien (z.B. flottes Gehen), zeige sich ein enormes Problem, das bei chronisch Lungenkranken nur noch größer sein könne.

Eine Studie mit 60 COPD-Patienten in Österreich und einem drei Monate dauernden Nordic-Walking-Trainingsprogramm zeigte, dass selbst noch nach neun Monaten ein Effekt mit besserer Lebensqualität, mehr körperlicher Aktivität und somit auch mehr Leistungsvermögen gegeben war. Sylvia Hartl: "Wir kommen immer mehr zu 'Fit for Life'-Konzepten. Rehabilitation im klassischen Sinn bedeutete ehemals die stationäre Aufnahme und die einmalige 'Wiederherstellung'. Bei chronischen Erkrankungen verhält sich das etwas anders." Da müsse nach einem solchen Rehab-Aufenthalt eine langfristige und dauerhafte Aufrechterhaltung des Erreichten betrieben werden.

 

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