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© Senta Vogel
 
Pulmologie 2. September 2013

Ausrotten wäre billiger

Eindämmung von Ragweed würde Allergiekosten senken.

Ragweed, auch Beifußambrosie genannt, hat sich in den letzten Jahren rapide in Europa ausgebreitet.

Wenn Ragweed im August und September blüht, sorgt der Pollen der Pflanze bei Allergikern für tränende Augen und Atembeschwerden – und zwar dann, wenn die Pollenbelästigung durch blühende Bäume und Gräser längst überstanden ist.

Ein interdisziplinäres Forscherteam aus Physikern und Biologen der Universität Wien gemeinsam mit Experten der Medizinischen Universität Wien und dem Umweltbundesamt hat in einer Simulation die Ausbreitung berechnet und daraus abgeleitet, wie die Pflanze am besten zu bekämpfen ist.

Die Beifußambrosie ist eine invasive Pflanze, die aus dem warmen Südwesten der USA unbeabsichtigt nach Europa eingeschleppt wurde. Die Gründe für die „Invasion“ sind mannigfaltig: Vor allem sind es die Vertragung der Samen durch Fahrzeuge entlang von Straßen und der Import von Saatgut und Vogelfutter, die mit Ragweed-Samen verunreinigt sind. Diese Ausbreitungsprozesse sind als „Diffusions“-Modelle in der Physik seit langem bekannt.

Robert Richter und Gero Vogl von der Fakultät für Physik der Universität Wien und Michael Leitner vom Physik-Department der TU München haben daher mit Methoden aus der Diffusionsphysik gemeinsam mit den Umweltbiologen Stefan Dullinger (Universität Wien) und Franz Essl (Umweltbundesamt) auf Grundlage der bisherigen Ausbreitung der Pflanze Prognosen für Österreich und Bayern für die Zeit bis 2050 erstellt. Dabei wurde der zu erwartende Klimawandel berücksichtigt, der die wärmeliebende Pflanze begünstigt.

Ziel der Arbeit war es, sowohl das optimale Management zur Bekämpfung dieser invasiven Pflanze herauszufinden als auch eine Kosten-Nutzen-Rechnung – sprich Bekämpfungskosten gegen Gesundheitskosten – vorzunehmen. Sie verglichen dazu den möglichen Aufwand, der aus einer genauen Beobachtung der Ausbreitung der Samen und einer allfälligen Ausrottung der Pflanze entsteht, mit jenen Kosten, die dem Gesundheitssystem resultieren, wenn Allergien und ihre Folgen behandelt werden müssen.

Zehnfache Ersparnis

Das Ergebnis ist eindeutig: Schon mit Bekämpfungsmaßnahmen im Ausmaß von jährlich 30 Millionen Euro könnten bis 2050 bis zu zwölf Milliarden Euro an Gesundheitskosten eingespart werden. Ein in die Ragweed-Bekämpfung investierter Euro würde die Behandlungs- und Folgekosten der Allergien um 10 Euro reduzieren. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass es wichtig wäre, frühzeitig und entschlossen die weitere Ausbreitung von Ragweed zu verhindern. Die dafür notwendigen Gelder stehen in keiner Relation zu den potenziell entstehenden Kosten für das Gesundheitssystem“, erklärt Robert Richter, Erstautor der Studie.

 

Originalpublikation: Richter R et al.: Journal of Applied Ecology 2013; doi: 10.1111/1365-2664.12156

Universität Wien, Ärzte Woche 36/2013

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