zur Navigation zum Inhalt
© 18percentgrey / fotolia.com
 
Pulmologie 2. September 2013

Chorsingen fördert die Atemtechnik von COPD-Patienten

Gesangsstunden in der Gruppe sind therapeutisch wirksamer als Filmabende mit anschließender Diskussion.

Trotz optimaler pharmakologischer Therapie und pulmonaler Rehabilitation sind viele COPD-Patienten durch ihre Erkrankung deutlich beeinträchtigt. Kein Wunder, dass auch zahlreiche alternativmedizinische und verhaltensorientierte Maßnahmen wie Lippenatmung, Yoga, Tai Chi und sogar eine Lachtherapie versucht wurden. Eine englische Arbeitsgruppe hat nun in einer randomisierten kontrollierten Studie einen neuen Weg aufgezeigt.

Patienten mit COPD wurden über acht Wochen hinweg entweder zum Besuch von zweimal pro Woche stattfindenden Gesangsstunden in der Gruppe oder einmal pro Woche zum Besuch von Filmabenden mit anschließender Diskussion in der Gruppe randomisiert. Die durchschnittliche Ausgangs-FEV1 der dreizehn Patienten in der Gesangsgruppe betrug 44,4 ± 14,4 %, in der Filmgruppe 63,5 ± 25,5 %. Auf ein exaktes lungenfunktionsanalytisches Follow-up wurde verzichtet, vielmehr überprüfte man das allgemeine Befinden der Patienten anhand des SF-36, der Belastungskapazität, der täglichen körperlichen Aktivität und anhand strukturierter Interviews durch einen klinischen Psychologen.

Ergebnisse

Am Ende der zweimonatigen Studienperiode war es in der Gesangsgruppe zu einem Anstieg der körperlichen Komponenten des SF-36 um 12,9 ± 19,0 Punkte im Vergleich zu -0,25 ± 11,9 in der Filmgruppe gekommen. Dieses Ergebnis ist umso bemerkenswerter, als weder in der mentalen Komponente noch bei den objektiven Daten zur Atemkontrolle, zur körperlichen Belastungsfähigkeit und zur täglichen körperlichen Aktivität Unterschiede in den beiden Gruppen feststellbar waren. Die qualitativen Elemente, insbesondere die positiven Effekte auf das Allgemeinbefinden waren nur in der Gesangsgruppe, nicht jedoch in der Filmgruppe feststellbar.

Einzelne Kommentare von den Mitgliedern der Gesangsgruppe zielen durchaus auf die Atemfunktion ab. Aussagen wie „… steigerte meine Fitness durch Verbesserung der Atemtechnik“, „… habe mehr Kontrolle über meine Atmung und kann den Atem besser nutzen“, „... habe durch das Singen gelernt, meinen Atem besser zu nutzen“, „… die Gesangsstunden veranlassten mich aus dem Haus zu gehen“ waren typisch für die Teilnehmer der Gesangsstunden. „Die Untersuchung weist auf einige wichtige therapeutische Komponenten hin, die in der derzeitigen medizinischen Versorgung von Patienten mit chronischen Erkrankungen vernachlässigt werden“, meint dazu Prof. Dr. Hermann Füeßl, Klinikum München Ost. „Bei chronischen Erkrankungen kommt es nicht nur auf einschlägige Messwerte an, vielmehr spielt auch die Krankheitsbewältigung eine große Rolle.“

Bei COPD erscheint dafür Singen in der Gruppe besonders geeignet: Es wird nicht nur der Sozialkontakt gefördert, sondern auch die Atemtechnik.

Take-home-Message: Schlagen Sie Ihrem COPD-Patienten vor, dass er sich einem Chor anschließt!

 

Originalpublikation: Lord VM et al.: Singing classes for chronic obstructive pulmonary disease: a randomized controlled trial; BMC Pulmonary Medicine 2012; 12: 69–75

springermedizin.de, Ärzte Woche 36/2013

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben