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Mittlerweile leiden bereits zehn Prozent der österreichischen Kinder im Volksschulalter an allergischem Asthma.
 
Pulmologie 3. Juni 2013

Etagenwechsel verhindern

Bedeutung von Allergien für die Entwicklung eines Asthma bronchiale.

In Österreich leiden rund 12 Prozent der Bevölkerung an Asthma, im Kindesalter stellt Asthma bereits die häufigste chronische Erkrankung dar. Zugenommen hat auch die Häufigkeit von Allergien, weltweit leiden 300 bis 500 Millionen Menschen an allergischem Schnupfen, davon 200 Millionen zusätzlich an allergischem Asthma. Umgekehrt leiden mehr als 80 Prozent der Patienten mit allergischem Asthma auch an einer allergischen Rhinitis, Tendenz steigend. Dieser „Etagenwechsel“ kann durch adäquate, rechtzeitige Therapie möglicherweise verhindert werden.

Allergien haben sich in den letzten Jahren rasch verbreitet. Rund 2,5 Millionen Österreicher leiden an Überempfindlichkeiten des Immunsystems gegen Eiweißstoffe in Pollen, Nahrungsmitteln oder im Fell von Haustieren. Bis zu 40 Prozent der nicht behandelten Patienten mit allergischem Schnupfen entwickeln innerhalb von fünf bis 15 Jahren Asthma.

„Viele Patienten nehmen allergische Reaktionen nach wie vor nicht ernst und suchen oft erst mit ausgeprägten Symptomen und bei starkem Leidensdruck einen Arzt auf. Eine exakte, ausführliche Diagnose der Allergie, bestehend aus gründlicher Anamnese, Prick-/Hauttest und Blutuntersuchung, ermöglicht ein optimales Management. Je früher eine Allergie diagnostiziert und adäquat behandelt wird, desto höher ist die Chance, einer Asthmaentwicklung vorzubeugen“, betonte Doz. Dr. Fritz Horak, Leiter des Allergie-Zentrum Wien-West, im Rahmen eines Pressegesprächs.

Bei rund 40 Prozent der Patienten weitet sich die allergische Erkrankung auf die unteren Atemwege aus und führt zu Asthma bronchiale, allerdings werden die entsprechenden Asthma-Symptome oft längere Zeit nicht als solche erkannt. Allergiker, die zusätzlich zu den Symptomen ihrer allergischen Rhinitis Husten, Atembeschwerden, pfeifende Geräusche beim Luftholen beobachten oder Druck auf der Lunge verspüren, sollten daher dringend in Hinblick auf Asthma untersucht werden.

Viele Beschwerden werden bereits im Kindesalter geäußert

Mittlerweile leiden bereits zehn Prozent der österreichischen Kinder im Volksschulalter an allergischem Asthma. Als Ursachen dafür steht einerseits eine frühe Sensibilisierung (im ersten Lebensjahr) gegen Nahrungsmittel im Vordergrund, die das Risiko einer chronischen Atemwegserkrankung wie Asthma vierfach erhöht. Andererseits wirken sich ganzjährige Allergene wie Hausstaubmilben und Tierhaare bei einer Sensibilisierung in den ersten drei Lebensjahren mit einer schlechteren Lungenfunktion im späteren Kindesalter aus. Die Disposition für Allergien ist auch genetisch bedingt: sind beide Eltern Allergiker, beträgt das Risiko für das Kind zwischen 60 und 80 Prozent, ist nur ein Elternteil allergisch, liegt das Risiko bei 20 bis 40 Prozent. Experten fordern systematische Diagnosen und konsequente Therapien insbesondere für Kinder mit Allergien und Asthma. Bei einem diagnostizierten Asthma ist eine frühzeitige entzündungshemmende Therapie für die Asthmakontrolle oft entscheidend. Während der Pollensaison ist daher eine erhöhte Wachsamkeit von Asthmapatienten und deren behandelnden Ärzten nötig, da manchmal eine zusätzliche Medikation notwendig ist.

Ungünstige Prognose – Asthma als Berufskrankheit

Beruf und Atemwegserkrankung stehen häufig in enger Wechselwirkung. Bei bereits bestehenden Beschwerden oder Erkrankungen ist es besonders wichtig, möglichst keinen Beruf zu wählen, der diesbezüglich negative Auswirkungen haben kann. Der ausgeübte Beruf bzw. das Berufsumfeld kann aber auch zum Auslöser von Asthma werden.

„Bei etwa 10 bis 15 Prozent der Erwachsenen liegt die Ursache des Asthmas in beruflich bedingten Einflüssen. In diesem Fall ist es wichtig, die Beschwerden medizinisch abzuklären und zu behandeln, um einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes entgegenzuwirken. Falls eine Veränderung der Arbeitstechniken und -stoffe möglich ist, sollte diese erfolgen“, erklärte Dr. Elisabeth Zehetner, Fachärztin für Lungen- und Bronchialheilkunde.

Typische Auslöser berufsbedingten Asthmas sind Mehlstauballergien, Pflegemittelallergien, Allergien gegen Farb- oder Lösungsmittel oder Holzstauballergien. Oft liegt dem berufsbedingten Asthma auch eine Reizung der Bronchien durch bestimmte chemische Stoffe wie Stickstoffdioxide, Schwefeldioxide, Metallsalze, Staub, Kunststoffe und Chemikalien zugrunde. Auch eine starke körperliche Beanspruchung kann je nach Schweregrad bedenklich sein.

Die Folgen einer ungeeigneten Berufswahl können die Zunahme der Beschwerden, ein erhöhter Bedarf an Medikamenten und möglicherweise auch gesundheitliche Schäden sein.

Die Prognose des Berufsasthmas ist oft ungünstig. Bei etwa 70 Prozent der Patienten kommt es weiterhin zu Beschwerden, obwohl sie nicht mehr dem verursachenden Stoff ausgesetzt sind. Vielfach bleibt eine unspezifische Atemwegsüberempfindlichkeit bestehen. In besonders schweren Fällen ist dann ein Berufswechsel unumgänglich, der aber oft eine große psychische, zeitliche und wirtschaftliche Belastung darstellt. Wichtig sind jedenfalls eine frühzeitige Diagnostik und die Begleitung durch Spezialisten. Erster Ansprechpartner ist der Lungenfacharzt mit allergologischer und arbeitsmedizinischer Orientierung.

Studie „Leben mit Asthma am Arbeitsplatz“

Die Österreichische Lungenunion startet daher in Kooperation mit Prof. Dr. Wolfgang Pohl, dem Leiter der Abteilung für Atmungs- und Lungenerkrankungen im KH Hietzing eine Untersuchung zum Thema „Situation von Menschen mit Asthma am Arbeitsplatz“. Link zur Studie: www.lungenunion.at. Der Zweck dieser Studie ist, mehr über die möglichen Auswirkungen dieser Erkrankung am Arbeitsplatz zu erfahren, um Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensqualität zu erarbeiten.

Quelle: 12. P-AIR Presseclub, 27. Mai 2013, Wien

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