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© Deutsche Atemwegsliga/Ulrich Kuemmel
Schritt für Schritt wird der komplexe Inhalationsvorgang online vorgeführt.
 
Pulmologie 27. Mai 2013

Mit YouTube und Facebook richtig inhalieren

Filmsequenzen in Social Media unterstützen Patienten beim Erlernen der korrekten Inhalationstherapie.

Die Inhalation von Medikamenten gegen Asthma oder COPD ist ein komplexer Vorgang, der viele Fehlerquellen birgt. Vielleicht können online verfügbare Videos die Inhalationstechnik der Patienten verbessern.

Die meisten Medikamente zur Behandlung von Asthma und COPD werden inhalativ verabreicht. Die inhalative Applikation von Medikamenten sowie die unterschiedliche Funktionalität der verfügbaren Inhalationsgeräte führen in der Praxis aber häufig zu Anwendungsfehlern, die mit einem vollständigen Wirkverlust einhergehen können. „Die einmalige Einweisung durch den behandelnden Arzt oder ärztliches Fachpersonal reicht in der Regel nicht aus, Anwendungsfehlern nachhaltig vorzubeugen“, so Prof. Dr. Carl-Peter Criée, Vorsitzender der Deutschen Atemwegsliga.

Viele Fehlerquellen

„Nicht abgenommene Verschlusskappen, Mehrfachinhalationen ohne Mundschluss und die falsche Beladung von Pulverinhalationen sind nur ein paar wenige Highlights, die mir in meiner 13-jährigen Praxistätigkeit regelmäßig begegnet sind“, berichtet Dr. Roland Doepner, niedergelassener Pneumologe aus Dortmund. Dabei verursacht die ausbleibende Wirkung der Medikamente immense Kosten und führt zu Notsituationen sowie frustrierten Patienten und Therapeuten. Erschwerend komme hinzu, dass viele Patienten einer Dauertherapie grundsätzlich kritisch gegenüber stünden und schon deshalb eine schlechte Compliance zeigten. Doepner setzt deshalb auf wiederholte Kontrollen der Inhalation, um die häufig vorkommenden Fehler zu erkennen und zu eliminieren.

Alle gängigen Devices auf Video

Die Deutsche Atemwegsliga hat 2011 Anwendungsvideos zur korrekten Inhalation mit allen gängigen Inhalationsdevices produzieren lassen und bei YouTube und Facebook online gestellt. Heute umfasst die Videothek 21 Videosequenzen für alle gängigen Inhalationsgeräte, außerdem Informationsfilme zur Peak-Flow-Messung, Bodyplethysmografie und Spirometrie.

Die Videos erklären die korrekte Inhalationstechnik Schritt für Schritt in Kombination mit gesprochenem Text und eingeblendeten Zusatzinformationen. Sie zeigen alle Phasen, die für eine korrekte Anwendung des jeweiligen Devices notwendig sind. Dazu gehören auch die Vorbereitung des Gerätes, die Beendigung der Inhalation und falls notwendig, die Reinigung des Devices.

Bei der Erstellung der Videos wurde auf Produktneutralität und einen adäquaten Zeitrahmen der Sequenzen von weniger als drei Minuten geachtet.

Unbegrenzt verfügbar

Die Vorteile der Videos und ihre Verfügbarkeit in Sozialen Netzwerken liegen klar auf der Hand: Die Kombination aus gesprochenem Text mit synchronen Ablaufszenen und eingeblendeten Zusatzinformationen ist sehr einprägsam. Der komplexe Inhalationsvorgang ist durch die schrittweise Auflösung leicht nachvollziehbar. Die Videos sind rund um die Uhr an 365 Tagen des Jahren verfügbar, auch, wenn Arztpraxis und Apotheke geschlossen haben. Anhand der Videos kann die Inhalationstechnik beliebig oft kontrolliert werden. Außerdem können die Videos behandelnde Ärzte und Apotheker bei der Erklärung der Funktionsweise unterstützen. Durch die Bereitstellung der Videos in Sozialen Netzwerken hofft man, auch jüngere Zielgruppen zu bedienen, die über klassische Medien nicht erreichbar sind.

Für Prof. Dr. Wolfram Windisch von der Lungenklinik Köln-Merheim überwiegen die Vorteile der Internet-basierten Einweisung in die korrekte Inhalationstechnik bei weitem deren Nachteile, als da wären: das Fehlen einer Kontrolle der Inhalationstechnik und die Berücksichtigung individueller Fragen und Probleme von Patienten. Diese können durch eine Kombination aus Videoaufklärung und Einweisung durch ärztliches und medizinisches Fachpersonal ausgeglichen werden. Die Videos können bei vorhandenem Internetzugang auch zur Einweisung in der Arztpraxis oder Apotheke vorgeführt werden.

Auch Dr. Peter Kardos, Frankfurt, hält die Videos der Atemwegsliga für eine sinnvolle Ergänzung zur Schulung durch den Arzt oder Apotheker und für eine zusätzliche Hilfe zum Beipackzettel. „In der täglichen Praxis bedarf es einer harten Überzeugungsarbeit und Schulung, um eine akzeptable Langzeitadhärenz bei chronischen Erkrankungen wie Asthma oder COPD zu erreichen“, stellt Kardos fest. Dabei sei die fehlerhafte Anwendung der Inhalatoren in der Praxis fast die Regel.

Allein auf YouTube wurden die Videos bereits mehr als 90.000 mal abgerufen. Verlässliche Zahlen für Facebook liegen nicht vor. Inwieweit die Aufklärungsplattform der Deutschen Atemwegsliga die Einweisung durch den behandelnden Arzt oder das medizinische Fachpersonal ergänzen und zu einer Verbesserung der Inhalationstechnik beitragen kann, evaluiert derzeit eine Arbeitsgruppe an der Lungenklinik Köln-Merheim.

Die Videosequenzen der Deutschen Atemwegsliga sind abgelegt auf: www.youtube.com/user/Atemwegsliga www.facebook.com/atemwegsliga.de

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