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Zwei Drittel der Patienten mit exazerbierter COPD haben eine arterielle Hypertonie.
 
Pulmologie 2. Mai 2013

Entzündungsbooster akute COPD

Der Blick aufs Herz ist obligat.

Die Prognose der COPD hängt wesentlich von kardiovaskulären Erkrankungen ab. Pneumologen kümmern sich deshalb immer intensiver ums Herz.

„In der Pneumologie waren wir lange der Auffassung, dass COPD-Patienten vor allem an respiratorischen Problemen versterben. Heute wissen wir, dass das so nicht stimmt“, sagte Prof. Dr. Michael Pfeifer, Klinik Donaustauf, auf dem DGIM-Kongress.

So habe die TORCH-Studie 2007 gezeigt, dass annähernd genauso viele COPD-Patienten an Herz-Kreislauf-Erkrankungen sterben wie an akuten Exazerbationen der COPD. Nach einer aktuellen spanischen Studie zu Komorbiditäten bei Patienten mit exazerbierter COPD braucht sich darüber niemand mehr zu wundern: Zwei Drittel dieser Patienten haben eine arterielle Hypertonie. Jeder dritte hat Diabetes. Genauso viele sind herzinsuffizient, und jeder fünfte leidet an Vorhofflimmern ( Almagro P et al.: Chest 2012; 142: 1126–33 ).

Keine Folge gemeinsamer Risikofaktoren

Wie kommt es zu diesem engen Zusammenhang zwischen Lunge und Herz? Pfeifer berichtete über neue Untersuchungen, die ein ganz neues Licht auf diese Frage werfen. Wurde bisher gedacht, dass die Komorbidität in erster Linie eine Folge gemeinsamer Risikofaktoren wie Zigarettenkonsum ist, so zeichnet sich mittlerweile ab, dass die Obstruktion per se das kardiovaskuläre Risiko erhöht. „Die Intima-Media-Dicke ist beispielsweise bei Rauchern mit Obstruktion signifikant größer als bei Rauchern ohne Obstruktion“, so Pfeifer. Die wahrscheinlichste Erklärung dafür sei, dass der chronische Entzündungsprozess der COPD eine systemische Entzündung zur Folge hat und so aufs Gefäßendothel schlägt.

Infarktrisiko nach Exazerbation

Besonders problematisch mit Blick auf das Herz sind die akuten Exazerbationen der COPD. Sie wirken wie eine Art Entzündungsbooster – mit gelegentlich fatalen Folgen. So konnte gezeigt werden, dass das Risiko eines akuten Myokardinfarkts in den ersten fünf Tagen nach Beginn einer akuten Exazerbation mehr als doppelt so hoch ist wie in der stabilen Phase der COPD.

Auch die Biochemie liefert Hinweise auf Herzschäden in der Phase der akuten Exazerbation: Die hoch sensitiv gemessenen Troponin-T-Werte steigen an, und zwar umso stärker je geringer das FEV1 ist ( Søyseth V et al.: Heart 2013; 99:122–26 ).

Und: Höhere TNT- und auch NT-proBNP-Werte in der akuten Exazerbation sind assoziiert mit einer höheren 30-Tage-Mortalität nach Infarkt ( Chang CL et a.: Thorax 2011; 66: 764–68 ).

Herz im Hinterkopf behalten

Was bedeuten all diese Erkenntnisse nun für die klinische Versorgung? Pfeifer wurde hier sehr deutlich: Wer bei einer COPD mit akuter Exazerbation keinen Gedanken ans Herz verschwendet, der handelt fahrlässig: „Bei Exazerbationen sollten Ärzte immer im Hinterkopf behalten, dass das Risiko für akute kardiovaskuläre Ereignisse erhöht ist.“

Konkret erhalten in Regensburg alle Patienten mit exazerbierter COPD bei Aufnahme ein EKG, und auch TNT und NT-proBNP werden gemessen. Zeigen sich Auffälligkeiten, wird der Patient genau beobachtet, um so rasch wie möglich reagieren zu können, wenn sich ein akutes Koronarsyndrom ankündigt.

 

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