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COPD ist atemberaubend: Szenen aus den TV-Spots der ÖGP.

 
Pulmologie 19. April 2013

Atmen statt Husten

Mit TV-Spots und einem Selbsttest wollen heimische Lungenfachärzte die hohe Dunkelziffer bei COPD aufhellen.

Für viele Österreicher ist der Husten zum täglichen Begleiter geworden. Langsam hat er sich in ihr Leben geschlichen, zusammen mit Kurzatmigkeit, sodass beides als normal empfunden wird. „Husten ist das meistignorierte Symptom“, meint ÖGP-Präsidentin Dr. Sylvia Hartl. Dass dahinter bereits eine fortgeschrittene COPD stehen kann, ist den wenigsten bewusst. Mit Awareness-Initiativen und einer Selbsttest-Aktion will die ÖGP die Bevölkerung für die Anfangssymptome sensibilisieren.

Die Erkenntnisse des ersten COPD-Audits anno 2011 haben die Österreichische Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) auf den Plan gerufen. Zur Erinnerung: Damals wurde festgestellt, dass es sich bei mehr als einem Drittel aller Spitalseinweisungen wegen akuter Exazerbationen um bislang unerkannte COPD-Fälle handelte. Seither hat die ÖGP einige Maßnahmen gesetzt, um die Früherkennung von COPD zu fördern. Zuletzt wurde, zusammen mit dem Gesundheitsportal NetDoktor.at, die Aktion COPD-Selbsttest gestartet.

„Schon seit der BOLD-Studie 2005 wissen wir, dass COPD weitaus mehr Menschen betrifft als früher angenommen wurde“, erinnert ÖGP-Vizepräsident Prof. Dr. Michael Studnicka. Bei sage und schreibe 26 Prozent der Lungenfunktionsuntersuchungen, die dazumal stichprobenartig unter der erwachsenen österreichischen Bevölkerung durchgeführt wurden, lag eine COPD vor. „80 Prozent der Betroffenen wussten zu diesem Zeitpunkt nichts von ihrer Erkrankung, obwohl sie teilweise schon bis zu 50 Prozent ihrer Lungenfunktion eingebüßt hatten“, berichtet Studnicka. „In solchen Stadien ist eine Behandlung schon sehr schwierig.“

COPD-Selbsttest: Ignorierte Symptome

Früher erkennen, früher behandeln – lautet daher die Devise, um die Lungenfunktion der COPD-Patienten möglichst lange zu erhalten. Weil das Internet das Medium ist, mit dem man derzeit die meisten Personen erreicht, hat sich die ÖGP in ihren aktuellen Aktionen darauf konzentriert.

Für den COPD-Selbsttest wurden die 30 Fragen der BOLD-Studie evaluiert, um zu sehen, welche am besten dazu geeignet sind, pulmonale Obstruktionen aufzudecken. Sieben Fragen wurden ausgewählt, die auf www.netdoktor.at/teste-dich-selbst/copd_at beantwortet werden können. In Salzburg ist der Test bereits als Pilotprojekt gelaufen. Die Ergebnisse der 345 vollständig ausgefüllten Fragebögen sind alarmierend: 50 Prozent der Teilnehmer gaben an, regelmäßig zu husten. 65 Prozent hatten ein leicht erhöhtes und rund neun Prozent ein deutlich erhöhtes COPD-Risiko.

29 Prozent hatten mit ihrer Atmung bereits so große Probleme, dass sie nicht arbeiten konnten oder im Alltag stark eingeschränkt waren. Genau so viele gaben an, beim Stiegensteigen nicht mehr als ein Stockwerk bewältigen zu können ohne außer Atem zu geraten. Mehr als ein Drittel der Teilnehmer haben schon einmal beim Atmen ein Pfeifen der Lunge bemerkt.

Atemberaubende TV-Spots

Im Vergleich zu anderen Ländern herrscht in Österreich ein besonders großes Wissensdefizit, was COPD betrifft: „In den USA wissen 80 Prozent der Bevölkerung, was COPD ist; in Österreich sind es maximal 20 Prozent“, berichtet Studnicka. Der Begriff kommt zum Beispiel auch in Wörterbüchern nicht vor. „Im Duden ist zwar ‚AIDS‘ verzeichnet, zu ‚COPD‘ gibt es aber keinen Eintrag, obwohl COPD weitaus häufiger ist als AIDS.“

Mitte März starteten auch Werbespots im österreichischen TV, mit denen Zuschauer, die an Dauerhusten und Kurzatmigkeit leiden, darauf aufmerksam gemacht werden sollen, dass sie eventuell an COPD erkrankt sind (siehe auch www.atmenstatthusten.at ). Dass die ÖGP mit TV und Internet die richtigen medialen Transporter gewählt hat, zeigt sich daran, dass bereits nach der ersten Ausstrahlung des Spots 187 Besucher auf www.atmenstatthusten.at zu verzeichnen waren. Auf dieser Plattform findet man Informationen über COPD, Kontaktadressen zur Raucher-Therapie, Bücher, Videos und einen Link zum Selbsttest.

Mit Aktionen wie diesen hofft man, in Zukunft mehr Patienten im milden Stadium der COPD zu „erwischen“, um sie zu behandeln, bevor sie wegen Exazerbationen hospitalisiert werden müssen. „Ich will keine COPD-I-II-Patienten mehr im Spital sehen“, formuliert Hartl das langfristige Ziel. Zumindest aber will man bis zum nächsten COPD-Audit, das Ende 2014 starten soll, die Spitalsaufenthalte von COPD-I-II-Patienten um zehn Prozent reduziert haben.

„Wenn COPD-Patienten schon im Anfangsstadium entsprechend medizinisch betreut werden, ist ein fast normales Leben möglich“, betont Studnicka. Umso unverständlicher sei die „Maßnahmen-Resistenz“ der Gesundheitspolitik, die durch entsprechendes Handeln auch viel Geld einsparen könnte.

Mediengespräch „Österreichs Lungenfachärzte verstärken COPD-Aufklärung“, Wien, 13. März 2013

C. Lindengrün, Ärzte Woche 16/2013

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