zur Navigation zum Inhalt
© Med Uni Graz
Horst und Andrea Olschewski entwickelten das erste nicht-invasive Diagnoseverfahren für Lungenhochdruck.
 
Pulmologie 13. März 2013

Früherkennung ohne Herzkatheter

Grazer Forscher entwickeln erstes nicht-invasives Diagnoseverfahren für Lungenhochdruck.

Im Rahmen von routinemäßigen Computertomographie-Untersuchungen kann mit dem neuen Verfahren „nebenbei“ auch nach Lungenhochdruck gefahndet werden.

Lungenhochdruck ist eine lebensgefährliche Erkrankung mit schleichendem Krankheitsverlauf. Da die Symptome dieser Krankheit nicht eindeutig sind und eine Früherkennung im Rahmen von Routineuntersuchungen bisher nicht möglich war, erfolgt die Diagnose meist erst in einem fortgeschrittenen Krankheitszustand. Außerdem gibt es eine hohe Dunkelziffer an Erkrankten.

Nun ist es einem Forscherteam um Prof. DDr. Andrea Olschewski, Leiterin des Ludwig Boltzmann Instituts für Lungengefäßforschung (LBI LVR) gelungen, eine Methode zu entwickeln, mit der der Lungenhochdruck mittels einer Computertomographie-Untersuchung erstmals nicht-invasiv erkannt werden kann.

Schonende Untersuchung, für Screening geeignet

Bisher musste für eine eindeutige Diagnose ein Herzkatheter gelegt werden, indem operativ ein Katheter durch die rechte Herzkammer in die Lungenarterie eingeführt wurde – eine Belastung für den Patienten und ungeeignet für Routineuntersuchungen an der breiten Bevölkerung.

„Unsere neue Methode erfasst den Blutfluss in der Lungenarterie im Rahmen von Computertomographie-Untersuchungen, welche häufig aus anderen Gründen durchgeführt werden. Unser Verfahren benötigt nur eine geringe zusätzliche Röntgendosis“ erläutert Dr. Zoltán Bálint, Programmlinienleiter im LBI für Lungengefäßforschung.

Prof. Dr. Horst Olschewski, Leiter der Pulmonologie an der Medizinischen Universität/LKH Graz: „Dieses neue Diagnoseverfahren, das im Rahmen einer Routineuntersuchung angewandt wird, hilft uns, den Lungenhochdruck in einer breiteren Bevölkerung zu erkennen und den Betroffenen die Chance auf eine frühere Therapie dieser gefährlichen Krankheit zu geben.“

Zum Patent angemeldet

Das neue bildgebende Verfahren ist für Patienten sehr angenehm, da es keinen wesentlichen zusätzlichen Aufwand bedeutet und der Lungenhochdruck quasi als Nebenbefund erhoben werden kann. Ob dadurch zukünftig die belastende Katheter-Untersuchung ersetzt wird, müssen jetzt die weiteren Untersuchungen zeigen. Zudem ist die Computertomographie Untersuchung im Vergleich zur Katheter-Untersuchung auch weniger personalintensiv und kann kostengünstiger durchgeführt werden. Die neue Methode wurde aktuell zum Patent angemeldet. Bei erfolgreicher Etablierung stellt dieses Verfahren eine geeignete Methode zur Früherkennung des Lungenhochdrucks im Rahmen von Routineuntersuchungen dar.

Die Ergebnisse der neuen Methode wurden am europäischen Radiologiekongress ECR 2013, der vom 7. bis 11. März in Wien stattfand, präsentiert.

Gefährliche Erkrankung mit schleichendem Verlauf

Lungenhochdruck ist eine seltene und komplexe Erkrankung, deren Diagnostik und Therapie hoch spezialisierte Untersuchungen und individuelle Behandlungsformen erfordern. Unerkannt kann ein schwerer Lungenhochdruck schon nach wenigen Jahren tödlich enden. Die Betroffenen kämpfen nicht nur mit starker funktioneller Einschränkung, auch ihre Psyche und das soziale Leben sind stark beeinträchtigt. Da als häufigstes Symptom Atemnot bei körperlicher Belastung genannt wird, geschieht die Diagnose von Lungenhochdruck meist erst in einem fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung.

Über das LBI für Lungengefäßforschung

Das Ludwig Boltzmann Institut für Lungengefäßforschung (Leitung: Prof. DDr. Andrea Olschewski) verbindet präklinische Forschung und klinische Medizin in einem Forschungsinstitut. Das LBI LVR befindet sich an der Med Uni Graz und beschäftigt ein Team aus Grundlagenforschern und klinischen Ärzten, das sich mit der Erforschung der Funktion und Erkrankungen der Lungengefäße, die sämtliches Blut des Körpers im Minutentakt durch die Lunge transportieren, befasst. Wenn diese Gefäße erkrankt sind, kann sich zum Beispiel Lungenhochdruck entwickeln. Die Früherkennung dieser Krankheit und die Erforschung neuer Signalwege, die zu innovativen Medikamenten führen können, stehen im Fokus.

Das LBI Lungengefäßforschung ist ein Institut der Ludwig Boltzmann Gesellschaft (LBG), einer außeruniversitären Forschungsorganisation mit Sitz in Wien. Das LBI LVR wurde 2010 durch die LBG gegründet und arbeitet mit seinen Partnern, der Medizinischen Universität Graz, Bayer HealthCare (Deutschland) und NEBU-TEC (Deutschland) an einem gemeinsamen Forschungsprogramm.

Med Uni Graz, Ärzte Woche 11/2013

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben