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Milbe
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Dr. Waltraud Emminger, Ärztliche Leiterin Allergie-Ambulatorium Rennweg, Wien

 
Pulmologie 5. November 2012

Hochsaison für Hausstaubmilben

Tipps zur Allergenvermeidung und neue Behandlungsmöglichkeiten.

Mit der Heizperiode startet auch die Hochsaison der Hausstaubmilben-Allergie. Morgendliche Niesattacken, tränende Augen, juckender Hautausschlag bis hin zu schwerer Atemnot begleiten viele Allergiker in der kalten Jahreszeit. Wer jedoch allergische Beschwerden rechtzeitig als solche erkennt und vom Facharzt behandeln lässt, kann sich entspannt auf Herbst und Winter freuen. Die Allergenvermeidung und die Gewöhnung des Immunsystems an die Allergie-Auslöser stehen dabei im Vordergrund.

Wichtig für eine erfolgreiche Therapie ist die konsequente Umsetzung der Maßnahmen. Die Patientenorganisation Interessensgemeinschaft Allergenvermeidung (IGAV) liefert nützliche Tipps für den allergischen Alltag und informiert über die erfolgreichen und inzwischen auch sehr patientenfreundlichen Möglichkeiten der Behandlung.

Kot wird aufgewirbelt

Milben sind die zweithäufigsten Verursacher von Allergien. Sie lieben feucht-warmes Klima und vermehren sich in der warmen Jahreszeit bis in den Oktober hinein. Wenn dann die Heizperiode beginnt und die Luftfeuchtigkeit abnimmt, sterben viele Tiere und landen im Hausstaub. Die Heizung wirbelt den Staub auf, die Milbenallergene verbinden sich mit der Atemluft und gelangen so auf die Schleimhäute von Augen und Nase, auf die Haut und werden eingeatmet. Ein Gramm Hausstaub enthält bis zu 100.000 der kleinen achtbeinigen Spinnentierchen bzw. deren hochallergenen Kotbällchen..

Heftige Niesattacken, eine verstopfte oder laufende Nase, juckende, tränende Augen, juckende Hautausschläge oder Atembeschwerden sind Folgen einer allergischen Reaktion. „Da Hausstaubmilben sich in unseren Betten am wohlsten fühlen, treten die Beschwerden typischerweise nachts oder morgens nach dem Aufwachen sowie beim Bettenmachen auf“, erklärt Dr. Waltraud Emminger, ärztliche Leiterin Allergie-Ambulatorium Rennweg, Wien.

Asthma aus Nachlässigkeit

Laut einer aktuellen Befragung von 4.000 Erwachsenen aus vier mitteleuropäischen Ländern fühlt sich die Mehrheit der betroffenen Allergiker in ihrer Lebensqualität stark bis sehr stark beeinträchtigt (Valovirta et al.: European Respiratory Disease 2012). Trotzdem denkt kaum jemand bei anhaltenden Erkältungssymptomen an eine Hausstaubmilbenallergie und lässt die Beschwerden vom Arzt abklären. In der zitierten Umfrage wurden nur 15 Prozent der allergischen Beschwerden durch einen Allergie-Spezialisten diagnostiziert. Eine andere Umfrage bestätigt die Sorglosigkeit vieler Allergiker: Fast zwei Drittel gehen erst zum Arzt, wenn die Beschwerden unerträglich werden (Maurer et Zuberbier: Allergy 2007). So kommt es, dass etwa jeder vierte Hausstaubmilben-Allergiker asthmakrank ist. „Bleibt der allergische Schnupfen unbehandelt, kann sich die Entzündung auf die unteren Atemwege ausbreiten und die gefürchtete chronische Erkrankung auslösen“, warnt Emminger. „Ist die Lunge einmal betroffen, kann es allmählich zu Umbauvorgängen in den Atemwegen kommen, die mit den besten Medikamenten nicht mehr völlig auszuheilen sind und ein Leben lang zum Teil massive Beschwerden mit sich bringen.“

Woran liegt’s, dass viele Allergiker ihre Allergie offenbar nicht ausreichend ernst nehmen? „Allergien werden nach wie vor leider unterschätzt und die Symptome ähneln einem harmlosen grippalen Infekt. Sie werden daher häufig mit einem, für die Jahreszeit typischen, Schnupfen verwechselt“, berichtet Emminger aus der täglichen Praxis. Ihr Tipp: „Dauert ein Schnupfen mehrere Wochen an, sollte auch an eine Allergie gedacht und ein allergologisch versierter Facharzt für HNO-, Kinder-, Haut- oder Lungenkrankheiten aufgesucht werden.“

Säulen der Allergietherapie

Neben der Symptomlinderung und der Entzündungsbehandlung stehen Allergenvermeidung und die Sanierung des Wohnraums sowie die Bekämpfung der Krankheitsursache mittels spezifischer Immuntherapie im Vordergrund. Für eine lang anhaltende Allergenreduktion sind konsequente und umfassende Maßnahmen, vor allem im Schlafbereich, wichtig. Damit kann auch der Bedarf an Medikamenten verringert werden.

Zur Linderung der Beschwerden und Entzündungsbehandlung gibt es bewährte Wirkstoffe wie Antihistaminika und Kortison, die die Symptome abschwächen. „Doch die einzige Möglichkeit um Beschwerden langfristig zu lindern, ist die spezifische Immuntherapie, auch als Hyposensibilisierung und Allergie-Impfung bekannt. Sie lindert nicht nur die Beschwerden, sondern bekämpft auch die Ursache“, so Emminger. „Dabei wird dem Körper über drei Jahre hinweg das Allergen anfangs in langsam steigender Konzentration zugeführt. Das Ziel ist die Gewöhnung an das Allergen.“ Je früher mit der Therapie in Spritzenform oder als Tropfen unter die Zunge begonnen wird, desto größer ist die Chance, die Allergiesymptome zu reduzieren oder bestenfalls sogar zu verlieren. Emminger: „Bei der Milbenallergie zeigt die Immuntherapie eine lang anhaltende Erfolgsrate von bis zu 80 Prozent.“

Patientenfreundlichkeit und Therapiekomfort werden in der Entwicklung neuer Präparate verfolgt. Präparate zur sublingualen Immuntherapie, also in Form von Tropfen zur täglichen Einnahme zuhause, vereinfachen die Anwendung für Patienten. Auch eine Therapie in Tablettenform, so wie sie bisher nur für Gräserpollenallergiker verfügbar ist, ist in Entwicklung. In der subkutanen Immuntherapie (Spritzenkur) bieten neue Präparate eine schnellere Aufdosierung, durch die weniger Arztbesuche notwendig werden.

Tipps zur Milbenreduktion

• Für Matratze, Tuchent und Polster gibt es spezielle milbendichte, jedoch Feuchtigkeit durchlässige Überzüge (Encasings). Achten Sie beim Kauf auf klinisch geprüfte Produkte, sie sind im medizinischen Fachhandel erhältlich.

• Waschen Sie Bettbezüge wöchentlich, Decken und Pölster alle zwei Wochen mit mindestens 60°C. Noch besser: eine halbe bis eine Stunde im trockenen Zustand in den Wäschetrockner. Waschen Sie auch Kleidung mit 60°C. Für empfindlichere Textilien gibt es Waschmittelkonzentrate, die Allergene schon bei niedrigeren Temperaturen beseitigen.

• Ziehen Sie Kleidung außerhalb von Schlaf- und Wohnzimmer aus, da menschliche Hautschuppen die Hauptnahrungsquelle von Milben sind.

• Staubsauger mit Allergenfilter halten den Staub im Sauger zurück, sodass dieser mit der Abluft nicht wieder ausgestoßen wird. Noch besser: feuchtes Aufwischen.

• Schaffen Sie ein ungemütliches Klima für die Milben, indem Sie die Wohnung drei- bis viermal täglich fünf bis zehn Minuten raumdiagonal stoßlüften, für eine Luftfeuchtigkeit von 40 bis 50 Prozent und eine Raumtemperatur von maximal 20°C sorgen.

• Reinigen Sie Heizkörper sorgfältig vor der Heizperiode. Auf ihnen sammelt sich Staub und darin der Milbenkot. Entfernen oder minimieren Sie Staubfänger, Teppiche, nicht waschbare Stoffvorhänge und Polstermöbel. Verbannen Sie Pflanzen und Tiere aus dem Schlafzimmer. Betroffene sollten während des Hausputzes Masken mit Allergenfilter tragen oder diese Arbeiten anderen überlassen.

Mehr Tipps gibt’s auf www.allergenvermeidung.org

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