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© Arteria Photography
COPD-Patienten sind keine einheitliche Gruppe von Erkrankten: es gibt verschiedene Typen.
 
Pulmologie 3. September 2012

Auf den Phänotyp kommt es an

Manche Kranke mit COPD erleiden mehr akute Phasen der Verschlechterung ihres Leidens als andere. Bei ihnen sind intensivierte Prävention und Therapie besonders wichtig.

Experten empfehlen die differenzierte Betrachtung von COPD-Patienten.

26,1 Prozent der Österreicher (25,7 Prozent der Frauen und 26,6 Prozent der Männer) leiden an COPD. 10,7 Prozent haben eine auf jeden Fall behandlungsbedürftige COPD, ein Prozent sind schwer krank. Nur bei 5,6 Prozent der Menschen in Österreich wurde die Diagnose durch den Arzt überhaupt gestellt. Während 20 Prozent der Niemals-Raucher Anzeichen eine COPD aufweisen, sind es fast 40 Prozent der Menschen, die 20 Jahre oder länger eine Packung Zigaretten pro Tag konsumiert haben.

Keine einheitliche Gruppe

Doch nicht alle Betroffenen sind gleich. Prof. Dr. Klaus Rabe, deutscher Experte und Präsident der European Respiratory Society (ERS): „COPD-Patienten sind keine einheitliche Gruppe von Erkrankten. Wir sprechen hier zunehmend von verschiedenen Phänotypen der Erkrankung.“ Ein Beispiel sind die Exazerbationen, also Phasen einer akuten Verschlechterung. Rabe: „Es gibt Patienten, die häufig solche Exazerbationen haben, andere wieder kaum.“

Das ist auch nicht unbedingt mit dem erreichten Schweregrad der Erkrankung verbunden, betont der COPD-Experte: Es gibt Patienten, die in einem noch recht frühen Stadium und bei noch relativ geringer Lungenfunktionseinschränkung solche Exazerbationen haben, andererseits gibt es auch Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung, die in dieser Beziehung noch unauffällig sind.

Patienten mit dem größten Exazerbationsrisiko identifizieren

Jedenfalls wäre es besonders wichtig, so Rabe, gerade die Personen mit dem größten Risiko unter den COPD-Patienten zu identifizieren: „Eine schwere Exazerbation bedeutet auch eine erhöhte Mortalität. Das bedeutet oft auch vermehrte Spitalsaufenthalte etc. Daher sollte man möglichst danach trachten, solche Episoden zu verhindern. Das geht über eine optimale medikamentöse Therapie, Fitness und Ernährung. Mit der Substanz Roflumilast haben wir übrigens jetzt ein neues Medikament, das zusätzlich zu entzündungshemmenden und Bronchien-erweiternden Medikamenten eingesetzt werden kann.“

Rabe und Co-Autoren haben in einer im britischen „Lancet“ Ende August 2009 erschienenen klinischen Studie nachweisen können, dass das neue Arzneimittel zu einer Verbesserung der Lungenfunktion bei COPD-Patienten führt, die bereits mit anderen etablierten Medikamenten behandelt werden.

Stationäre Behandlung

Handelt es sich um eine schwere Exazerbation bei einer COPD, ist eine Spitalsaufnahme unumgänglich. Rabe: „In den vergangenen Jahren wurde auch gezeigt, dass die nicht-invasive Sauerstofftherapie dieser Patienten im Krankenhaus die Mortalität senkt. Und dann setzen wir im Spital natürlich auf maximale Dilatation der Bronchien und auch auf injizierbares Cortison, um die Entzündung in den unteren Atemwegen in den Griff zu bekommen.“ Fest steht: Jeder „gut geführte“ COPD-Betroffenen außerhalb des Spitals ist einer von jenen Patienten, die nie oder deutlich seltener ins Krankenhaus müssen.

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