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Mit Belastung durch Beifuß ist in den Tieflagen des Ostens und entlang der großen Flusstäler zu rechnen, sowie überall dort, wo es verwahrloste Industrieflächen gibt.
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Noch ist der Westen Österreichs frei von Ragweed.

 
Pulmologie 25. August 2012

Letzte Pollen im Anflug

Die Blüte von Beifuß und Ragweed steht bevor. Was Allergiker heuer noch erwartet, hängt davon ab, wo sie wohnen und woher der Wind weht.

Keine Ruhe für Heuschnupfen-Geplagte: Die miteinander verwandten Pflanzen Beifuß und Ragweed haben bald Hochsaison. Ihre Pollen sind äußerst aggressiv und können schwere Allergie-Symptome und sehr oft auch Asthma auslösen. Laut Berechnungen des Österreichischen Pollenwarndienstes wird der heurige Beifußpollenflug vergleichbar mit dem im Vorjahr sein. Das von Allergikern besonders gefürchtete Unkraut Ragweed wird allerdings etwas stärker blühen.

Mit der Blüte von Beifuß und Ragweed (auch bekannt unter Ambrosia oder Traubenkraut) nähert sich das Ende der heurigen Pollensaison. Soweit die gute Nachricht. Die schlechte: Die beiden miteinander verwandten Kräuter sind äußerst aggressive Allergie-Auslöser und rufen bei Allergikern Beschwerden wie Fließschnupfen, rote, juckende Augen, Niesreiz, Atemnot etc. und sehr häufig auch Asthma hervor.

„Beide Pflanzen machen ihre Blühbereitschaft und -intensität nicht nur von der Temperatur, sondern auch von den Lichtstunden und der Regenmenge abhängig“, erklärt Uwe E. Berger, MBA, Leiter des Österreichischen Pollenwarndienstes sowie der Forschungsgruppe Aerobiologie und Polleninformation an der Wiener HNO-Klinik, die Voraussetzungen für die Stärke der Pollenbelastung. „Die Witterungsentwicklung der vergangenen Monate haben ein recht positives Klima sowohl für Beifuß als auch für Ragweed geschaffen.

Beifuß hat Hochsaison

Die Blüte der allergologisch sehr bedeutsamen Wildkräuterart Beifuß steht unmittelbar vor der Tür. „Der Beifuß erreicht Mitte August seine Hauptblüte. Die Belastungen dauern aber kaum länger als bis Ende des Monats“, so Berger. „In den Tieflagen des Ostens, aber auch entlang der großen Flusstäler (mit Ausnahme des Rheintals) und überall dort, wo verwahrloste Industrieflächen sind, ist mit starkem Pollenflug zu rechnen.“ Bereits geringste Mengen können örtlich zu starken allergischen Beschwerden führen. „Der Schwellenwert für Beschwerden liegt bei etwa 10 bis 15 Pollen pro Kubikmeter Luft, sensible Patienten reagieren bereits ab 3 Pollen pro Kubikmeter.“

„Etwa jeder zehnte Beifußpollen-Allergiker reagiert zusätzlich auch beim Verzehr von bestimmen Gewürzen wie z. B. Kümmel und Curry sowie Lebensmitteln wie vor allem Sellerie, Honig und Mango. Typische Symptome dieser Kreuzreaktion sind Kribbeln und Schwellungen von Zunge, Rachen oder Lippen, Übelkeit und Durchfall“, warnt Prof. Dr. Reinhart Jarisch, Floridsdorfer Allergiezentrum, Wien. „Diese Unverträglichkeitsreaktionen sind sehr unangenehm und können in Einzelfällen massive Beschwerden mit sich bringen. Sie sollten daher beim Allergietest mit abgeklärt werden.“

Ragweed blüht bis Oktober

Der Blütenstaub des Unkrauts Ragweed ist ein besonders aggressiver Allergie-Auslöser. Die sehr anpassungs- und widerstandsfähige Pflanze wurde ursprünglich durch Hilfslieferungen nach dem Krieg aus Nordamerika eingeschleppt und breitet sich vom Osten her auch in Österreich von Jahr zu Jahr weiter aus. Wien, Burgenland, Niederösterreich, Kärnten und die Steiermark sind demnach die Gebiete mit dem höchsten Ragweed-Vorkommen. Hat sich Ragweed in einer Gegend erst einmal etabliert, breitet es sich in Massen aus. „Hotspots“ sind die Straßenränder der Hauptverkehrsrouten. Aber auch in Gebieten mit Feldwirtschaft und bei Großbaustellen und Schutthalden sowie an Plätzen, wo Vögel im Winter gefüttert werden, tauchen die Pflanzen auf.

Windstille erwünscht

Aufgrund der heurigen Wetterentwicklung muss man mit einer erhöhten lokalen Produktion von Ragweedpollen rechnen. Laut Experten Berger sind erste Belastungen ab Mitte August im Osten, Süden und Norden Österreichs zu erwarten. Speziell in Kärnten sind die Gebiete entlang der Autobahn nach Slowenien betroffen. Im Wiener Raum gibt es zwei Belastungsspitzen pro Tag: „In den Vormittags- und Mittagsstunden ist die lokale Pollenausschüttung, die heuer etwas stärker als im Jahr zuvor ausfallen wird, für die Beschwerden verantwortlich“, erklärt Berger. „Die Belastungen, die am späten Nachmittag und Abend bis in die Nachtstunden auftreten werden, sind an die Winde aus Südost gebunden, die zusätzliche Pollen aus Ungarn einwehen. Die Intensität dieser Winde können wir ein Monat zuvor aber noch nicht voraussagen.“ Ab Ende August bis in die ersten Tage des Septembers hinein wird es also davon abhängen, wie oft und wie dauerhaft Südostwind bläst.

Davon betroffen sind praktisch nur die Gebiete des östlichen Flachlands inklusive des Wiener Beckens und des Marchfelds, teils aber bis hinein ins Waldviertel um die Region Litschau/ Allentsteig. Im Westen des Landes besteht auch heuer noch keine Gefahr. Die Ragweed-Blüte dauert je nach Wetterlage bis in den Oktober hinein.

Immer mehr Allergiker, immer höhere Kosten

Ragweed stellt aufgrund seiner hohen allergischen Potenz und seiner rasanten Ausbreitung ein zunehmend großes Gesundheitsproblem dar. „Mittlerweile reagieren bis zu 20 Prozent der Pollenallergiker mit starken Heuschnupfensymptomen auf Ragweed - viele entwickeln Asthma“, so Allergologe Jarisch. Anhaltende Erkältungssymptome von August bis Oktober können ein Indiz für eine Allergie gegen Ragweed-Pollen sein. Betroffene sollten dann einen allergologisch versierten Arzt aufsuchen, um die Beschwerden fachgerecht abklären zu lassen.

Mit der Häufigkeit der Allergien sind auch enorme volkswirtschaftliche Kosten verbunden: „Ein Allergiker verursacht pro Jahr Kosten in der Höhe von rund 700 Euro. Hochgerechnet ergibt das einen Betrag von rund 90 bis 100 Millionen Euro pro Jahr“, zitiert Berger eine Berechnung der Forschungsgruppe. Nicht zuletzt wegen dieser Kosten werden immer häufiger aktive Maßnahmen gegen die weitere Ausbreitung von Ragweed gesetzt.

Neues Prognosemodell

Der Pollenflug kann künftig noch genauer vorausgesagt werden. „Der Österreichische Pollenwarndienst entwickelte gemeinsam mit dem finnischen meteorologischen Institut ein neues Prognosemodell, das nun mit der Ambrosia-Blüte erstmals als Beta-Version startet“, freut sich Projektleiter Berger über die erfolgreiche Zusammenarbeit. „Ende der Saison werden die Vorhersagen evaluiert und mit Start der Pollensaison 2013 geht dann die neue Vorhersage als Vollversion in Betrieb.“ Bisher basierte die Vorhersage auf Vorort-Besichtigung der lokalen Pflanzenbestände, statistischen Methoden, Pollen- und den Wetterdaten. „All diese Daten sind im neuen Berechnungsmodell integriert. Da neu auch Windrichtung und Windgeschwindigkeit mit eingerechnet werden, kann die Entwicklung über ganz Europa beobachtet werden.“

Tipps für die Allergenvermeidung:

• • Mithilfe des Pollenwarndienstes lassen sich Freizeitaktivitäten im Freien vorausschauend planen: unter www.pollenwarndienst.at können Allergiker die aktuellen Pollenflugprognosen für Österreich und Europa und anhand von Pollen-Verbreitungskarten auch Ausweichmöglichkeiten abrufen.

• • Machen Sie nach Möglichkeit Urlaub in Gebieten über 700 bis 1.000 Metern Seehöhe.

• • Pflanze - am besten schon vor der Blüte - mitsamt der Wurzel ausreißen (Achtung, Handschuhe tragen) und in einem Plastiksack im Hausmüll entsorgen.

• • Kein billiges Vogelfutter kaufen (Ragweed-Samen sind häufig in schlecht gereinigtem Vogelfutter zu finden; z. B. aus Ungarn, Serbien oder Kroatien) IGAV

Linktipps & Services

• • www.pollenwarndienst.at  - Der österreichische Pollenwarndienst bietet nützliche Services für Pollenallergiker wie Prognose & tagesaktueller Pollenflug, Pollen-App, Pollen-Tagebuch etc.

• • www.allergenvermeidung.org  - Die Interessengemeinschaft Allergenvermeidung (IGAV) bietet Allergikern die Möglichkeit, sich über neue wissenschaftliche Erkenntnisse der Allergieforschung zu informieren, neue Methoden der Allergenvermeidung kennenzulernen und direkten Rat bei unabhängigen Experten einzuholen.

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