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© Charles Gullung / imagesource
Ein neuer internationaler Konsensus definiert Empfehlungen für den bestmöglichen Umgang mit Kinder-Asthma.
 
Pulmologie 3. Juli 2012

Allergie im Fokus

Highlights vom 31. Kongress der European Academy of Allergy and Clinical Immunology.

Fast die Hälfte der atopischen Ekzeme bei Babys werden durch Stress in der Schwangerschaft ausgelöst, Pollen unterscheiden sich nach „Nationalität” in ihrer Aggressivität, und Asthma und Heuschnupfen belasten zunehmend die öffentliche Gesundheit in Europa.

 

Die neuesten Erkenntnisse über die Auswirkungen von Stress während der Schwangerschaft sowie zu Unterschieden bei der allergischen Wirkung von Pollen innerhalb Europas wurden zusammen mit weiteren neuen Forschungsergebnissen auf Europas führendem Allergie- und Immunologie-Kongress, dem Annual Meeting der EAACI, präsentiert. Weiters wurde in weltweiter Zusammenarbeit ein Konsensus zu Kinder-Asthma geschaffen und ebenfalls in Genf vorgestellt.

Ekzeme bei Babys

Stress und Ängste der Mutter während der Schwangerschaft erhöhen das Risiko, dass Neugeborene während der ersten sechs bis acht Monate nach der Geburt atopische Ekzeme (Neurodermitis) bekommen. Japanische Forscher am Nationalen Zentrum für Kindergesundheit und -entwicklung in Tokio sind zu diesem Ergebnis gekommen, nachdem sie 896 Mütter mit Kind untersucht haben.

„18,75 Prozent der untersuchten Mütter litten überdurchschnittlich an Stress und Angstzuständen, 62,39 Prozent zeigten moderate Stress-Symptome und 18,86 Prozent fielen in die Gruppe mit geringen Ängsten”, so Dr. Mana Hamaguchi. Im Durchschnitt traten atopische Ekzeme bei 46,76 Prozent der Neugeborenen auf. Tests belegten, dass die Kinder von Müttern, die überdurchschnittlich an Stress und Angstzuständen litten, häufiger Ekzeme bekamen.

Allergene Potenz von Pollen schwankt

Die neuesten Ergebnisse des Forschungsprojekt „Health Impacts of Airborne Allergen Information Network“ (HIALINE-Projekt) wurden ebenfalls auf dem EAACI-Kongress 2012 zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert. Forscher aus ganz Europa haben das allergene Potenzial von den Pollen untersucht, die die Top 3 unter den Verursachern von Heuschnupfen in Europa sind: Gras, Birke und Olivenbaum. „Überall in Europa fanden wir eine signifikante Korrelation zwischen der Menge der Allergene in der Luft und der Häufigkeit der Pollen. Doch die allergene Wirkung, vereinfacht gesagt die Aggressivität, unterschied sich sehr stark innerhalb Europas, je nach Tag, Jahr und Ort“, so Prof. Dr. Jeroen Buters, Toxikologe und Molekularbiologe an der Technischen Universität München und Mitglied der EAACI-Arbeitsgruppe Aerobiology & Pollution.

Beim Vergleich der Herkunft zeigten Graspollen die höchsten Schwankungen in der allergenen Wirkung: Graspollen aus Frankreich waren siebenmal stärker als die aus Portugal.

Die Wirkung von Birkenpollen ist innerhalb Europas im Vergleich relativ konstant und schwankt nur um das Zweifache. Pollen von Olivenbäumen schwankten in ihrer Wirkung um das Vierfache innerhalb von nur 400km. In Portugal zeigten Messungen, dass spanische Pollen sehr viel aggressiver waren als die einheimischen portugiesischen Pollen. In dem Fall war es so, dass spanische Pollen verantwortlich waren für die allergischen Reaktionen in Portugal.

Die Forscher kommen deshalb zu folgendem Schluss: Allergische Reaktionen wie Heuschnupfen hängen nicht einfach von Pollen ab, sondern von der Menge der Allergene, die diese Pollen transportieren, und die kann bis um das Zehnfache variieren, je nach Tag, Ort und Jahr. Die Ausbreitung von hochallergenen bzw. aggressiven Pollen in der Atmosphäre kann dazu führen, dass Allergien in Gegenden neu oder vermehrt auftreten, in denen diese Allergien vorher nicht oder kaum auftraten. Veränderungen in der atmosphärischen Ausbreitung oder ein Klimawandel allgemein könnten damit der Grund dafür sein, dass Menschen neu unter Allergien leiden, die vorher nicht davon betroffen waren.

Belastung für die öffentliche Hand

Asthma und Heuschnupfen sind die unter Kinder am häufigsten verbreiteten chronischen Krankheiten in Europa. Jedes dritte Kind leidet mittlerweile darunter, bei 15 Prozent von ihnen handelt es sich um eine schwere Erkrankung. Die direkten und indirekten Kosten werden schon bald die 100 Milliarden Euro-Grenze überschreiten. Maßnahmen zur Eindämmung und Prävention von Allergien haben einen direkten Einfluss auf die Lebensqualität und öffentliche Gesundheit in Europa. Um die Bekämpfung allergischer Erkrankungen zu einer Priorität der europäischen Gesundheitspolitik zu machen, diskutierten auf dem EAACI-Kongress die Repräsentanten einer Reihe von Organisationen Maßnahmen gegen chronische Atemwegserkrankungen.

Allergie-Epidemie stoppen

Die EAACI forderte verstärkte Forschungsanstrengungen auf dem Gebiet chronischer Atemwegserkrankungen. EAACI-Präsident Prof. Cezmi Akdis rief zum Handeln auf: „Wenn wir die Allergie-Epidemie stoppen oder gar umkehren wollen, müssen wir systematisch und kontinuierlich forschen. Es ist wichtig, die Mechanismen der Krankheiten zu verstehen, aber eine genaue Erhebung von Daten über Allergie-Register würde uns zusätzlich wichtige Informationen verschaffen. Die neuesten Möglichkeiten zur Diagnose und neueste Immuntherapien sollten Patienten über große klinische Versuchsreihen näher gebracht werden.“

Weiters machte Akdis auf die Bedeutung der Forschung zur Präventition aufmerksam, „weil jedes Jahr zwei Millionen Menschen in Europa neu an Allergien erkranken“.

Komitee der Patientenorganisationen

Die EAACI unterstützt die Arbeit von Patientenorganisationen auf der ganzen Welt und hat deshalb ein Komitee der Patientenorganisationen gegründet. Mehr als 25 Länder Europas, Nord- und Südamerikas, des Nahen Ostens, Asiens, sowie Australien und Neuseeland sind darin vertreten. Das Komitee der Patientenorganisationen wird eng mit der EAACI zusammenarbeiten, um den Zugang zur Behandlung von Allergien zu erleichtern und das Leben von Allergiepatienten in allen Bereichen zu verbessern.

Konsensus Kinder-Asthma steht

In einigen Ländern leidet ein Drittel aller Kinder an Asthma, 80 Prozent von ihnen haben dazu noch weitere Allergien. Es gibt zwar viele Richtlinien für den Umgang mit der Krankheit, aber es mangelt an einheitlicher Umsetzung. Um die Gemeinsamkeiten der verschiedenen bestehenden Richtlinien zu ordnen und zusammenzufassen, wurde ein internationaler Konsensus (ICON) zu Kinder-Asthma erarbeitet und auf dem EAACI-Jahreskongress erstmals präsentiert. Er definiert Empfehlungen für den bestmöglichen Umgang mit Kinder-Asthma.

„Trotz wirksamer Behandlungsmethoden haben nur weniger als die Hälfte aller asthmatischen Kinder die Möglichkeit, die Symptome ihrer Krankheit wirksam zu bekämpfen“, sagt EAACI-Generalsekretär Prof. Dr. Nikos Papadopoulos. „Kinder-Asthma ist eine chronische Krankheit, die dauerhafter Behandlung bedarf. Mit diesem Konsensus wollen wir deutlich machen, dass Kinder-Asthma wirksam behandelt werden kann, vorausgesetzt, Patient und Arzt halten sich an einen individuell vereinbarten Behandlungsplan. Regelmäßige Untersuchungen sind nötig, um die Wirksamkeit der Maßnahmen zu erhöhen und die Behandlung so weit wie möglich an die Bedürfnisse des Patienten anzupassen.“

„Patienten werden dank des Kinder-Asthma-Konsensus insbesonders von phänotypspezifischen Empfehlungen profitieren”, meint Akdis. „Ein ganzheitlicher Ansatz ist nötig; er besteht unter anderem aus optimaler Behandlung, einschließlich Medikation, aus Aufklärung und dem frühen Erkennen von Allergieauslösern. Lokale Richtlinien müssen sich an den lokalen Anforderungen orientieren – der internationale Kinder-Asthma-Konsensus bildet die Grundlage dafür, solche lokalen Richtlinien zu entwickeln.“ Akdis betonte, dass der Konsensus auch viele Anforderungen definiert, die noch nicht erfüllt sind, und die weiterer Forschung und Forschungsgelder bedürfen, die knapp sind in Europa, obwohl die EU letztes Jahr Atemwegserkrankungen (insbesonders Asthma) als Gesundheitspriorität definiert hat.

Der Kinder-Asthma-Konsensus (Pediatric Asthma ICON) wird im Europäischen Journal für Allergie und Klinische Immunologie „Allergy“ veröffentlicht.

Quelle: Medienmitteilungen der EAACI

EAACI Headquarters/CL, Ärzte Woche 27/28/2012

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