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© Christine Lindengrün
© Christine Lindengrün © Hans Novak

Christian Redl, Weltrekordhalter im Apnoetauchen, zeigt, wozu die Lunge fähig ist. „Im Prinzip kann das jeder lernen“, meint er.

Der Gesundheitsratgeber Husten – Atemnot – COPD samt DVD ist um 19,90 Euro im Buchhandel oder direkt beim Verlag MedMedia erhältlich.

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Dr. Hans Jörg Schelling
Vorsitzender des Hauptverbands der österreichischen Sozialversicherungsträger

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Dr. Sylvia Hartl
Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie

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Eva Barnas
Lungentransplantierte COPD-Patientin

 
Pulmologie 13. Juni 2012

Die Lunge aus der Reserve locken

Um zu zeigen, wozu eine gesunde Lunge imstande ist, ging Apnoetaucher Christian Redl ins Wasser. Hintergrund dieser Aktion war, auf das Thema Lungengesundheit beziehungsweise -ungesundheit aufmerksam zu machen. Besonders was COPD anbelangt, herrscht in Österreich großer Nachholbedarf an Aufklärung.

Unterschätzt, verharmlost, vielfach sogar völlig unbekannt ist das Krankheitsbild COPD in der österreichischen Bevölkerung. Höchste Zeit, dass der Gesundheit der Lunge mehr Beachtung geschenkt wird, meinen die Österreichische Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) und der Hauptverband der Sozialversicherungsträger.

 

Eine gesunde Lunge hat Kapazitäten, die normalerweise gar nicht ausgeschöpft werden. Nur etwa 60 Prozent der Lunge werden vom Durchschnittsmenschen genutzt. Christian Redl, seines Zeichens Freitaucher, Stuntman, Schauspieler und Model, geht aber regelmäßig an die Grenzen des Machbaren und holt aus seiner Lunge berufsmäßig das Letzte heraus: Als Apnoetaucher verdient er sein Geld, indem er die Luft anhält. Hierin ist er mehrfacher Weltrekordhalter.

In 60 Meter Tiefe ohne Sauerstoffflasche muss er sich auf seine Lunge verlassen können; und das kann er auch. Nicht etwa, weil er von Natur aus mit einem besonderen Organ ausgestattet wäre, sondern weil er sie mit einem speziellen Atemtraining zu hundert Prozent nutzbar gemacht hat. Dies ist prinzipiell jedem gesunden Menschen möglich. „Jeder kann lernen, seine Lunge komplett zu nutzen“, erklärte Redl, bevor er sich im Rahmen einer Presseveranstaltung ins Haifischbecken des Wiener Haus des Meeres stürzte. „Apnoetauchen bedeutet in erster Linie, den Vorgang des Atmens in allen Facetten zu verstehen.“

Rauchen bis zur Lungentransplantation

Das andere Extrem hat Eva Barnas kennengelernt: eine Lunge am Ende ihrer Leistungsfähigkeit. Wie viele andere Raucher hat sie die ersten Symptome der COPD, chronischen Husten und eingeschränkte Leistungsfähigkeit, nicht ernst genug genommen. „Ich hatte allerdings auch keine Ahnung, was COPD ist“, erzählt sie. Mit Ende 30 erkrankte sie an chronischer Bronchitis. Atemnot beim schnelleren Gehen hat sie ignoriert. Auf einen akuten Erstickungsanfall folgte ein Spitalsaufenthalt, Diagnose: Bronchialasthma. „Ich hatte damals schon COPD III und wusste es noch immer nicht“, so Barnas. Als die Diagnose endlich gestellt wurde, im Stadium GOLD IV, war ihr allgemeiner Zustand bereits so schlecht, dass vorerst keine Lungentransplantation durchgeführt werden konnte. Dies war erst nach intensiver präoperativer Rehabilitation möglich. Heute meint Barnas: „Wenn ich mehr über COPD gewusst hätte, hätte ich früher mit dem Rauchen aufgehört.“

Alleine geht es nicht

Ein Krankheitsverlauf wie der von Frau Barnas ist leider kein Einzelfall. Schon 800.000 Österreicher leiden an COPD. „Zählt man die Patienten dazu, die sich noch im Frühstadium befinden, sind es wahrscheinlich sogar 1,2 Millionen“, berichtet ÖGP-Präsidentin Dr. Sylvia Hartl. Die große Mehrheit der Fälle wäre vermeidbar gewesen, aber nur jeder zehnte COPD-Patient kommt frühzeitig zum Arzt und erhält eine entsprechende Therapie.

Sowohl Prävention als auch Therapie der COPD verlangen dem Patienten ein hohes Maß an Selbstverantwortung ab: Er soll seinen Lebensstil ändern, sich das Rauchen abgewöhnen, seine Ernährung umstellen, mehr Bewegung machen und Medikamente einnehmen. Ärzte sind gefordert, dabei zu helfen. „Rauchen ist eine schwere Abhängigkeit“, sagt Hart. „Es genügt nicht zu sagen: Hören Sie mit dem Rauchen auf! Man muss konkrete Vereinbarungen treffen, Hilfe und Schulung anbieten.“ Als unterstützende Maßnahmen bieten sich z. B. das Rauchertelefon (0810 810 013) oder die App „Rauchfrei durchstarten“ an.

Auch Dr. Hans Jörg Schelling, Vorsitzender des Hauptverbands der österreichischen Sozialversicherungsträger, appelliert an die Vertreter der Gesundheitsberufe: „COPD-Patienten, die noch rauchen, sollen deutlich und mit persönlichem Bezug zum Rauchstopp motiviert werden. Das Rauchverhalten sollte bei jedem Kontakt mit dem Gesundheitssystem thematisiert werden.“

Das eigene Wunderwerk schätzen lernen

„Die Lunge ist ein Hochleistungsorgan“, sagt Hartl. „Sie atmet im Schnitt 10.000 Liter Luft pro Tag ein und aus; die Oberfläche der 400 Millionen Lungenbläschen ist so groß wie zehn Tischtennis-Tische. Die gesunde Lunge hat enorme Leistungsreserven und bekämpft Infektionen selbst.“ Aus all diesen Gründen sollte diesem Wunderwerk mehr Beachtung geschenkt werden: „Schon Kinder sollten lernen, ihre Lunge zu schätzen und auf ihre Lungengesundheit zu achten.“ Denn kein anderes Organ steht mit einer solch großen Oberfläche in ständigem Kontakt zu Umwelt wie die Lunge und ist daher Schadstoffen besonders ausgesetzt.

„Wissen ist Macht – und wer mehr weiß, macht auch mehr“, meint Hartl. Deswegen sollte jeder Mensch über den Zustand seiner eigenen Lunge Bescheid wissen und sein persönliches Risikoprofil kennen. So wie Blutdruck und Cholesterinwert sollte jedem auch sein Lungenvolumen bekannt sein. Hartl: „Oft wissen nicht einmal COPD-Patienten, die in Behandlung sind, in welchem Stadium der Erkrankung sie sich eigentlich befinden.“

Die Sozialversicherungsträger und die ÖGP möchten das Gesundheitsbewusstsein in der Bevölkerung so weit erhöhen, dass „die Menschen bereit sind, etwas für ihre Lungengesundheit zu tun“ und arbeitet daher an Lösungsansätzen zur Vermeidbarkeit. Unter diesen Aspekten entstand der Gesundheitsratgeber „Husten – Atemnot –COPD“.

Prävention beginnt mit Aufklärung

„Jeder weiß zwar, dass Rauchen ungesund ist, aber die Motivation zum Rauchstopp ist oft nicht hoch genug“, meint Schelling. Ganz besonders in Österreich: „In einer europäischen Vergleichsstudie zu ernsthaften Aufhörversuchen von Rauchern steht unser Land mit 38 Prozent an letzter Stelle.“

Das Krankheitsbild der COPD ist in der breiten Bevölkerung großteils unbekannt oder wird als „Raucherhusten“ verharmlost und unterschätzt. „Nur zehn Prozent der Österreicher wissen, was COPD ist“, bestätigt Hartl. In den USA sind es dagegen immerhin 70 Prozent. „Leider ist auch in vielen Gesundheitseinrichtungen das Wissen über COPD mangelhaft“, fügt Schelling hinzu.

Hier soll der neue Gesundheitsratgeber Husten – Atemnot –COPD Abhilfe schaffen. Nach „Herzinfarkt“ und „Rückenleiden“ beschäftigt sich der dritte Band der Serie „Gesund werden. Gesund bleiben“ mit der Lunge. „Wir wollen damit das Bewusstsein für und das Wissen über COPD stärken“ , so Schelling.

Ratgeber

Soeben erschienen, wird das Buch laut Schelling demnächst in Reha-Zentren und Selbsthilfegruppen aufliegen sowie auch im Buchhandel erhältlich sein. Der 256 Seiten starke Band informiert Betroffene, Angehörige und Interessierte über Symptome und Behandlung der COPD, Alltagsbewältigung und Selbsthilfe.

Die Informationen gehen sehr ins Detail, sind aber zusätzlich auch übersichtlich zusammengefasst. „Im Buch finden sich nicht nur allgemeine Informationen über COPD, sondern auch Tipps zur Vorbeugung und ein konkreter Fahrplan, um das Leiden in den Griff zu bekommen“, so Schelling. „Es ist praxisnah geschrieben und enthält alle wichtigen Adressen und Ansprechpartner.“ Die beigelegte DVD bietet Demonstrationsvideos zur richtigen Inhalationstechnik.

 

Quelle: Presseveranstaltung

„Österreich hält die Luft an“,

30. Mai 2012, Wien

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