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Pulmologie 6. Juni 2012

COPD-Therapie neu

Die aktualisierte GOLD-Leitlinie vollzieht einen Paradigmenwechsel.

Nach der Ende des Vorjahres publizierten GOLD-Leitlinie sollen die Patienten nicht mehr strikt nach dem Ergebnis der Lungenfunktionsprüfung und der Symptome therapiert werden. An deren Stelle tritt neben der bisherigen FEV1-basierten Schweregradeinteilung auch die Beurteilung des Exazerbationsrisikos und die mittels Fragebögen zu erhebende Symptomenschwere in die Patientenbeurteilung.

 

The Global Initiative for Chronic Obstructive Lunge Disease, besser bekannt unter der Kurzform GOLD, überarbeitete seine aktuelle COPD-Leitlinie und publizierte sie auf seiner Webseite (siehe Linktipp).

Zunächst wird das Exazerbationsrisiko anhand der FEV1, vorangegangener Exazerbationsphasen und der subjektiven Selbsteinschätzung durch den Patienten, die mittels Fragebögen (z.B. CAT oder MRC) quantifiziert wird, eingeschätzt.

In Gruppe A zum Beispiel gehören Patienten mit niedrigem Risiko und wenigen Symptomen. Das sind Patienten mit höchstens einer Exazerbation pro Jahr und einem CAT-Test-Ergebnis < 10. Und nach der Spirometrie befinden sich die Patienten in dieser Gruppe im GOLD-Stadium I-II.

Der Gruppe D werden Patienten zugeteilt mit hohem Risiko und vermehrten Symptomen: Mindestens zwei Exazerbationen pro Jahr und CAT-Test ≥ 10. Die Spirometrie entspricht dem GOLD-Stadium III-IV.

Medikamenteneinsatz

Je nach Einschätzung (A bis D) ergibt sich die Empfehlung zur medikamentösen Therapie. Und hierfür gibt es jetzt Medikamente der ersten und zweiten Wahl sowie Alternativen.

Für Patienten der Gruppe A wird als Medikament der ersten Wahl ein kurzwirksames Anticholinergikum oder ein kurzwirksamer Beta-2-Agonist empfohlen. Zweite Wahl sind: langwirksames Anticholinergikum (LAMA) oder langwirksamer Beta-2-Agonist (LABA) oder kurzwirksames Anticholinergikum plus kurzwirksamer Beta-2-Agonist. Als Alternative dazu wird Theophyllin genannt.

Die Empfehlungen für Gruppe D: erste Wahl ist ein inhalatives Kortikosteroid (ICS) plus LABA oder LAMA. Zweite Wahl: ICS plus LAMA oder ICS plus LABA plus LAMA oder ICS plus LABA plus PDE-4-Hemmer oder LAMA plus LABA oder LAMA plus PDE-4-Hemmer. Als weitere Alternativen für diese Patientengruppe werden genannt: Carbocystein, kurz wirksamer Beta-2-Agonist und/oder kurzwirksames Anticholinergikum, Theophyllin.

 

Kommentar zu den Neuerungen der GOLD-COPD-Leitlinie von Prof. Dr. Adrian Gillissen, Direktor der Klinik für Lungen- und Bronchialmedizin, Klinikum Kassel: Ähnlich wie auch in der Asthmaleitlinie GINA (global initiative for asthma) unterscheidet jetzt auch GOLD zwischen der ersten, der zweiten und einer „alternativen“ Medikamentenwahl. Zwar wird diese neue Einteilung der Heterogenität der Erkrankung zweifelsfrei besser gerecht als ein starres, letztendlich willkürlich festgelegtes Schwergradschema, aber ob die Fülle der vielen auch überlappenden Therapiemöglichkeiten tatsächlich zu einer Verbesserung der Patientenversorgung führt, muss zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch offen bleiben. Ein kompliziertes Schema muss insbesondere für den Hausarzt, der das Gros der COPD–Patienten betreut und der als nicht-Facharzt auf eine simple Diagnosestellung und Therapieempfehlung angewiesen ist, nicht unbedingt besser sein als die bisherige Vorgehensweise. Ein weiteres Problem stellt die Zulassung von COPD-Medikamenten dar, die bei allen ausschließlich auf der alten Einteilung fußt.

 

Quelle: Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease, Chair R. Rodriguez Roisin, J. Vestbo

www.goldcopd.org  

springermedizin.de/IS, Ärzte Woche 23 /2012

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