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© © I. Weichenmeier/Zentrum für Allergie & Umwelt
Birkenpollen unter dem Elektronenmikroskop.
 
Pulmologie 23. Mai 2012

Pollen sind nicht gleich Pollen

Französische Gräser sind aggressiver als portugiesische.

Eine europaweite Studie untersuchte das allergische Potenzial von Birken, Gräsern und Oliven und fand dabei beträchtliche regionale und wetterabhängige Unterschiede.

Die Pollen von Birke, Gräsern und Oliven sind in Europa die wesentlichen Auslöser für allergische Rhinitis. Die allergische Reaktion gegen eine bestimmte Pollenart kann dabei höchst unterschiedlich ausfallen. Wie jetzt festgestellt wurde, variiert auch die Schlagkraft der Pollen: Abhängig von Zeit und Region produzieren sie verschieden große Mengen an Proteinen, die letztlich für die allergische Immunantwort verantwortlich sind.

Bislang wird die Belastung für die Patienten über die Pollenkonzentration in der Luft ermittelt. Diese Methode sagt jedoch wenig über die tatsächliche Aggressivität der Pollen aus. Denn abhängig von ihrem Reifungszustand stellen Pollen einer Pflanzenart nicht nur verschiedene Allergene her – auch die Menge der Allergie-auslösenden Proteine variiert. Die Wissenschaftler interessierten sich daher für den Zusammenhang zwischen Pollenzahl und Menge der freigesetzten Allergene. Dabei konzentrierte man sich auf das jeweils wichtigste Allergen der drei Pflanzenarten: Bet v 1 (Birke), Phl p 5 (Gräser), Ole e 1 (Olive).

Man fand eine hohe Übereinstimmung zwischen Pollenzahl und der Menge an Allergenen. Auf einzelne Tage und Messstationen bezogen, gab es jedoch teils eklatante Unterschiede, wie Studienleiter Prof. Dr. Jeroen Buters erklärt: „Das allergische Potenzial variierte um den Faktor 10, das heißt, an den starken Tagen wurden bis zu zehn Mal mehr Allergene freigesetzt als an anderen.“ Im Vergleich der europäischen Standorte beobachteten die Forscher bei den Gräserpollen die größten Schwankungen. Mit der Bildung der siebenfachen Menge an Phl p 5 waren die Gräserpollen in Frankreich deutlich aggressiver als in Portugal. Weniger auffällig waren die Unterschiede bei den Birkenpollen.

Migranten-Allergene

Interessanterweise scheint die geografische Entfernung nur eine untergeordnete Rolle zu spielen: Bei zwei Oliven-Messstationen im Abstand von nur 400 Kilometer stellten die Wissenschaftler fest, dass die Allergenlast um das Vierfache voneinander abwich.

Auch der Einfluss des Wetters wurde deutlich, wie Buters ausführt: „An der Messstation in Portugal konnten wir eine hohe Allergenbelastung durch Ole e 1 messen, obwohl an diesen Tagen kaum portugiesische Pollen unterwegs waren. Durch meteorologische Berechnungen fanden wir heraus, dass das Allergen aus Spanien eingeflogen war, wo die Pollen ein deutlich erhöhtes allergisches Potenzial haben.“

Die Ergebnisse der Studie weisen darauf hin, dass die Messung von Allergenen im Vergleich zum Pollenflug genauere Vorhersagen für Allergiker liefert. „Mit kombinierten Auswertungen von Allergen-Messungen, Pollenflug und Wetterdaten könnten wir bisherige Allergie-Modelle deutlich verbessern.“ Auch für die Behandlung von Allergikern sieht Buters neue Ansätze: „Die einzig echte Therapie gegen Allergien ist die Hyposensibilisierung, also die langsame Gewöhnung an das Allergen. Statt mit Pollen-Extrakten könnten die Ärzte künftig mit den allergenen Proteinen, den eigentlichen Allergie-Auslösern, impfen – die Behandlung verliefe damit deutlich gezielter.“

 

 

Buters JTM et al.: Atmospheric Environment, August 2012; 55: 496–505

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