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Bauernhofeffekt: Verantwortlich könnte das Zuckermolekül Arabinogalaktan sein.
 
Pulmologie 2. Mai 2012

Asthma: Abwehr modulieren

Stellschrauben der Immunantwort bei Asthma auf dem Prüfstand

Die Ansätze zur Modulation der Immunantwort sind vielfältiger geworden. Doch nicht alle Versuche, das Immunsystem bei allergischem Asthma spezifisch zu beeinflussen, waren in den letzten Jahren erfolgreich.

Eine Immunmodulation ohne Steroide wird es bei Asthma so schnell nicht geben. Prof. Dr. Christian Taube, Leiter der Pneumologie der Universitätsklinik Leiden (Holland) nahm zu Beginn seines Vortrags seinen Zuhörern gleich etwaige Illusionen.
Allerdings erhofft er sich von den bis 2018 vorzulegenden Zulassungsstudien zur spezifischen Immuntherapie (SIT) einen Zugewinn an Sicherheit bezüglich dieser Therapieform. Bisher zeigten Studien eine große Diversität hinsichtlich der verwendeten Extrakte, Allergene oder der Endpunkte.
Immerhin hatte im Jahr 2010 ein Cochrane-Review zur SIT bei allergischem Asthma nach Auswertung von 88 Publikationen festgestellt, dass Symptome und Medikamentenverbrauch, aber auch die bronchiale Hyperreagibilität durch eine SIT reduziert werden können [1]. Einen Effekt auf die Lungenfunktion hatte das aber nicht.

Schweres Asthma gezielt erreichen

Taube erinnerte daran, dass bei schwerem, also trotz Hochdosistherapie schlecht zu kontrollierenden Asthma immer zuerst die Compliance überprüft, Triggerfaktoren ausgeschaltet, Differentialdiagnosen ausgeschlossen und Komorbiditäten therapiert werden müssten.
Ist auch dann keine bessere Symptomkontrolle zu erreichen, sind spezifische Therapien, die gezielt einzelne molekulare Zielstrukturen angreifen, die Hoffnungsträger. Allerdings sind die nicht unbedingt breit bei allen Patienten einsetzbar.

Spezialist für eosinophiles Asthma

Der nach Taubes Aussage relativ kritiklos in Studien angewandter Anti-Interleukin(IL)-5-Antikörper Mepolizumab enttäuschte denn auch zunächst. Die experimentelle Therapie führte zwar zu weniger Eosinophilen, aber nicht zu einer Veränderung der allergischen Reaktion [2].
Immerhin senkte der Antikörper die Exaberationshäufigkeit speziell bei hypereosinophilem Asthma, was jetzt laut Taube zu einer Renaissance dieses Antikörpers führt. Bei den zielgerichteten Therapien kommt es eben auf die genaue Differenzierung der Patienten an, die von einer solchen Therapie profitieren können.

Th2-Antwort modulieren

Das gilt auch für die IL-13-Inhibition. Ein entsprechender Antikörper reduzierte in einer Studie bei schwerem allergischem Asthma zwar zunächst die Atemwegsüberempfindlichkeit, hatte aber wenig Effekte auf das entzündliche Filtrat, berichtet Taube.
Eine Posthoc-Analyse zeigte aber, dass Patienten mit einem Th2-Entzündungsmuster deutlich hinsichtlich des FEV1 profitieren [3]. Diese Patientengruppe kann inzwischen über das bei Th2-Entzündungsmuster besonders stark exprimierte Protein Periostin identifiziert werden, das im Serum per ELISA messbar ist.
Die Antagonisierung von CRHT2-Rezeptoren (Chemoattractant Receptor-homologous molecule expressed on T-Helper type 2 cells), die besonders stark auf Eosinophilen und T-Zellen exprimiert werden und eine Th2-Immunantwort fördern, könnte ebenfalls ein interessantes, spezifisches Therapieprinzip sein.
Mehrere solcher Antagonisten werden derzeit getestet. Eine Studie zeigte einen günstigen Effekt sowohl auf FEV1 als auch auf die Sputum-Eosinophilie [4]. Allerdings werfen placebokontrolliertes Studiendesign und initiale Unterschiede in den Studienarmen der in Russland durchgeführten Studien laut Taube einige Fragen hinsichtlich Ethik und Generalisierbarkeit auf.

Schutz aus dem Staub
Auch bei der Modulation der Immunantwort zum Schutz vor Allergien tut sich etwas. Die Isolation besonders wirksamer Antigene aus Stallstaub lässt auf eine quasi-natürliche Immunmodulation hoffen analog derer bei den viel zitierten Bauernkindern.
Favorit ist derzeit laut Taube ein Arabinogalaktan, das aus Kuhstallstaub isoliert wurde und zumindest Mäuse vor der allergische Atemwegsentzündung und Sensibilisierung schützt [5].


LIteratur:
[1] Abramson MJ et al. Cochrane Database Syst Rev 2010 (8) CD001186
[2] Leckie et al. Lancet 2000 (9248); 356: 2144-8.
[3] Corren J et al. N Engl J Med 2011; 365 (12): 1088-1098
[4] Barnes N et al. Clin Exp Allergy 2012; 42 (1):38-48
[5] Peters M J Allegy Clin Allergy Immunol 2010; 126 (3): 648-56

 

Quelle:

Symposium „Molekulare Targets zur zielgerichteten Therapie von Lungenerkrankungen“. 53. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie, Nürnberg, 31. März 2012

 

 

springermedizin/fk, springermedizin.at

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