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Foto: Therme Wien
COPD-Patienten trainieren unter Anleitung. Der Effekt: Atemmuskeltraining sowie Ausdauer- und Krafttraining bewirken eine signifikante Verbesserungen bei Patienten mit einer chronischen Lungen- oder Atemwegserkrankung.
Foto: Therme Wien

Dr. Ralf Harun Zwick, Ärztlicher Leiter des neuen pneumologischen Zentrums in Wien, Oberlaa

 
Pulmologie 10. April 2012

„Medikamente“ ohne Nebenwirkungen

Neues Zentrum für „Ambulante Pneumologische Rehabilitation“ in Wien eröffnet.

Vor einigen Wochen startete die Therme Wien Med ambulante Rehabilitationsprogramme für Lungen- und Atemwegserkrankungen. Neben der seit 35 Jahren etablierten Behandlung von Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates deckt das einzigartige Gesundheitszentrum in Wien Oberlaa nun auch einen bisher sträflich vernachlässigten Bereich ab, den der „Ambulanten Pneumologischen Rehabilitation“.

 

Es gibt tatsächlich ein Medikament, auf das die alte Weisheit der Pharmakologen „Es besteht der begründete Verdacht, dass ein Medikament, das keine Nebenwirkungen hat, auch keine Wirkung hat“ nicht zutrifft: die medizinische Trainingstherapie (MTT). Höchst wirkungsvoll ist sie bei Patienten mit Erkrankungen der Lunge und der Atemwege. „Studien haben ergeben, dass Atemmuskeltraining sowie Ausdauer- und Krafttraining signifikante Verbesserungen bei Patienten mit chronischen Lungen- oder Atemwegserkrankung bewirken“, betont Dr. Ralf Harun Zwick, Ärztlicher Leiter des neuen pneumologischen Zentrums in Oberlaa. „Daher ist neben der medikamentösen Behandlung bei einer chronischen Lungenerkrankung immer auch eine pneumologische Rehabilitation angebracht.“

Schwerpunkte der pneumologischen Rehabilitation

Die Behandlungsschwerpunkte im Rahmen der pneumologischen Rehabilitation in der Therme Wien Med liegen auf chronischer Bronchitis, COPD, Emphysem, Asthma bronchiale und Bronchiektasien. Lungengerüsterkrankungen wie Lungenfibrose, Sarkoidose oder Farmerlunge, pulmonale Hypertonie und Vor- oder Nachbehandlungen bei Operationen am Brustkorb können hier ebenso fachkundig behandelt werden. Ein interdisziplinäres Team von Ärzten, Atemphysiotherapeuten, Sportwissenschaftern, Ernährungsberatern und Psychologen betreut die Patienten nach einem Therapieplan, der sich an den internationalen Richtlinien für Rehabilitation bei Lungen- und Atemwegserkrankungen orientiert. Die drei Säulen der hier angebotenen Medizinischen Trainingstherapie sind Atemmuskel-, Kraft- und Ausdauertraining. Nebenwirkungslose, aber höchst effektive „Medikamente“, die nicht nur die Dyspnoe verringern, sondern ganz allgemein Ausdauer und Leistungsfähigkeit steigern, um damit den durch die Atemnot ausgelösten Verlust der Fitness bis zur Immobilität und die mit Sicherheit in den Abgrund führende Spirale der Inaktivität zu durchbrechen.

Spitalsaufenthalte verringern

Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung ist bereits heute eine der weltweit häufigsten Erkrankungen. Die steigende Zahl an Lungen- und Atemwegserkrankungen stellt auch das österreichische Gesundheitssystem vor neue Herausforderungen. Doz. Dr. Georg-Christian Funk, Generalsekretär der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie, sieht in Österreich vor allem Defizite im Bereich der Versorgung von COPD-Patienten nach stationären Aufenthalten: „Ambulante pneumologische Reha-Einrichtungen wie die in der Therme Wien Med können wesentlich dazu beitragen, dass die Zahl der Patienten, die aufgrund einer akuten Verschlechterung ihrer Erkrankung wiederholt stationär in einem Spital behandelt werden müssen, reduziert wird. Somit wird auch das Gesundheitssystem entlastet.“ Argumente, die es offensichtlich noch immer nicht bis in die Köpfe einiger wichtiger Kostenträger geschafft haben. Die Kosten stationärer, kurmäßiger Rehabilitationstherapien werden zwar meist von den Kassen übernommen, ein flächendeckendes Angebot für die ambulate pneumologische Rehabilitation gibt es aber in Österreich – noch – nicht.

Therapien fortsetzen – aber wo?

Einmal begonnene Therapien sollten, so die Meinung vieler hochkarätiger Fachleute, auch nach der primären Rehabilitation fortgesetzt werden. Aber wo? In „normalen“ Fitnessstudios ist das für Patienten, die bei Belastung inhalativen Sauerstoff benötigen praktisch unmöglich, auch dann, wenn sie das entsprechende Geräte selbst mitbringen. Kein Betreiber eines dieser Studios übernimmt hier die Verantwortung. Kann er auch gar nicht. Geeignet dafür wären etwa die Gesundheitszentren der Gebietskrankenkassen. Privates Training zu Hause mit Hanteln, Theraband und Ergometer sind natürlich meist möglich, aber ohne Kontrolle letztlich doch etwas gefährlich. Ganz abgesehen vom vielzitierten Schweinehund, der, wie der Schreiber dieser Zeilen bezeugen kann, tatsächlich ein gar übler Bursche ist.

Die Kosten der Ambulanten Pneumologischen Rehabilitation in der Therme Wien Med werden bisher nur von der Pensionsversicherungsanstalt (PVA) und der Sozialversicherungsanstalt der Gewerblichen Wirtschaft (SVA) übernommen.

 

Patienten können direkt mit der Therme Wien Med Kontakt aufnehmen oder über ihren behandelnden Arzt in die Ambulante Pneumologische Rehabilitation der Therme Wien Med zugewiesen werden.

Therme Wien Med

Kurbadstr. 14

1100 Wien, Austria

Tel.: 01 68009-9400

Fax: 0168009-9488

 

www.thermewienmed.at

 

Von W. Regal , Ärzte Woche 15 /2012

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