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Foto: StopTB.org

Dr. Holger Flick, Oberarzt an der Klinischen Abteilung für Lungenkrankheiten, UKIM-LKH Universitätsklinikum/Medizinische Universität Graz

 
Pulmologie 3. April 2012

Welttuberkulosetag: Weniger Neuinfektionen

TBC bleibt unverändert weltweit die gefährlichste bakterielle Infektion. Eine Heilung der multiresistenten TBC ist nur in 50 bis 70 Prozent möglich.

In Österreich ist die Zahl der Neuinfektionen konstant geblieben: 2010 erkrankten 688 Menschen an Tuberkulose (8,2 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner), im Jahr 2009 waren es österreichweit 697 Menschen. Knapp die Hälfte der Betroffenen weist einen Migrationshintergrund (33 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner) auf. Die Therapiekosten bei multiresistenter und extrem resistenter TBC sind bis zu 200 Mal höher als bei unkomplizierten Fällen. In Wien wurden neue Leitlinien zur systematischen TBC-Früherkennung formuliert.

 

Entsprechend dem Tuberkulose-WHO-Report von 2011 nimmt die Zahl an TBC-Neuerkrankungen und auch die TBC-Mortalitätsrate in den meisten WHO-Regionen unverändert leicht ab. Mit 8,8 Millionen Neuerkrankungen im Jahr 2010 und 1,45 Millionen Todesfällen bleibt TBC aber die weltweit am häufigsten zum Tode führende bakterielle Infektionskrankheit. Rund 80 Prozent aller an TBC erkrankten Menschen stammen aus Afrika, Asien oder der Westpazifikregion, 32 Prozent aller an TBC Verstorbenen waren zusätzlich HIV-positiv. Erste Anzeichen einer möglichen TBC-Erkrankung sind Husten, Fieber und Gewichtsverlust.

„Österreich ist ein TBC-Niedrigprävalenzland“

In Österreich bleibt die Zahl der Neuerkrankungen mit leicht fallender Tendenz auf niedrigem Niveau, erklärte zum Welttuberkulosetag der Leiter des Arbeitskreises „Infektiologie und Tuberkulose“ der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP), Dr. Holger Flick, Oberarzt an der Klinischen Abteilung für Lungenkrankheiten, UKIM-LKH Universitätsklinikum, Medizinische Universität Graz.

Im Vergleich zu 2008 erkrankten in Österreich im Jahr 2010 um 129 Personen weniger an TBC (2008 waren es 817 Neuerkrankungen gewesen, 2009: 697, 2010: 688, Quelle: Nationale Referenzzentrale für Tuberkulose). „Österreich ist“, so Flick, „mit 8,2 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner ein TBC-Niedrigprävalenzland.“ (Prävalenz = Krankheitshäufigkeit gesamt)

In 44 Prozent aller TBC-Fälle handelt es sich um Immigranten. Bei Personen mit nicht-österreichischer Staatsangehörigkeit liegt die TBC-Inzidenz somit bei 33 Fällen pro 100.000 Einwohner. Flick: „In Österreich wird die Zahl der TBC-Erkrankungen stark durch die Migration aus TBC-Hochprävalenzländern bestimmt. Die Behandlung dieser Patienten stellt oft eine besondere Herausforderung dar und erfordert ein hohes Maß an Engagement aller Beteiligten.“

Antibiotika-resistente TBC-Fälle

Bedeutsam auch für Österreich ist unverändert die Zahl der multiresistenten (MDR-TBC) und extrem resistenten Tuberkulose (XDR TBC). Vergleichbar mit den Jahren davor wurden 2010 wieder 15 multiresistente (MDR) Fälle behandelt, alle Betroffenen waren Migranten, in einem Fall wurde eine extrem resistente TBC (XDR) diagnostiziert. „Die Therapie einer MDR-TBC oder XDR-TBC ist im Vergleich deutlich komplizierter, langwieriger und außerdem mit erheblichen Nebenwirkungen behaftet“, betonte Flick. „Darüber hinaus können die Therapiekosten bis zu 200 Mal höher ausfallen als bei der Therapie einer unkomplizierten Tuberkulose.“ Somit bedürfe die TBC in Österreich trotz relativ niedriger Fallzahlen weiterhin größter gesundheitspolitischer Aufmerksamkeit.

Diagnostik und Therapie der TBC erfolgt In Österreich in spezialisierten und erfahrenen Zentren. „Seit Jahren erfasst ein elektronisches Meldesystem alle TBC-Fälle, durch die enge Zusammenarbeit zwischen Ärzten, TBC-Fürsorgestellen, der TBC-Referenzzentrale und dem Gesundheitsministerium steht ein gut funktionierendes Netzwerk zur Verfügung, das trotz Sparpaket erhalten, gepflegt und weiter verbessert werden muss“, forderte Flick.

Neue Leitlinien zur Früherkennung

Da es sich bei der TBC um eine ansteckende Infektionskrankheit handelt, ist eine sorgfältige „Umgebungsuntersuchung“ enorm wichtig. „Mit modernen Interferon-gamma Release Assays (kurz IGRAs) können infizierte, aber noch nicht erkrankte Personen frühzeitig identifiziert und ggf. noch vor Ausbruch der TB behandelt werden“, so Flick. Basierend auf der Arbeit einer österreichischen Expertengruppe hat die Landessanitätsdirektion Wien im Vorjahr neue Empfehlungen erlassen, in denen die genannten modernen Untersuchungsmethoden zur Früherkennung (IGRAs) integriert sind. Flick: „Die Umsetzung dieser Leitlinie in ganz Österreich wäre ein weiterer und wichtiger Schritt zur Bekämpfung der TBC in Österreich.“

 

Quelle: Österreichische Gesellschaft für Pneumologie

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