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Pulmologie 3. April 2012

Adenokarzinome der Lunge neu definiert

Deutscher Krebskongress in Berlin: Manchem Patienten könnte durch neue Klassifizierung eine Operation erspart bleiben.

Im vergangenen Jahr wurden von den US-amerikanischen und den europäischen Fachgesellschaften die Adenokarzinome der Lunge neu klassifiziert. Das hat auch Konsequenzen für das therapeutische Handeln – zumindest aus Sicht des Pathologen.

 

Im Rahmen der Sitzung „Konventionelles und molekulares Tumorgrading“ beim Deutschen Krebskongress, der vor einem Monat in Berlin stattfand, fokussierte sich Prof. Dr. Iver Petersen, Direktor des Instituts für Pathologie am Universitätsklinikum Jena, Deutschland, auf das Adenokarzinom der Lunge, für das im vergangenen Jahr eine neue IASLC/ATC/ERS-Klassifikation, basierend auf morphologischen Kriterien, publiziert wurde.1

Genauere Differenzierung

In seiner Publikation vor einem halben Jahr im Deutschen Ärzteblatt hatte Petersen bereits gefordert, dass Lungentumoren nicht mehr nur in kleinzellig und nichtkleinzellig eingeteilt werden sollten, sondern dass künftig den komplexen morphologischen, molekularen und biologischen Phänotypen mit entsprechender Neuklassifikation Rechnung zu tragen sei.

Entscheidend in der neuen Klassifikation sei die Differenzierung zwischen präinvasiven (Adenocarcinoma in situ, AIS), minimal invasiven Tumoren (MIA) mit exzellenter Prognose und invasiven Tumoren. Aus Petersens Sicht habe dies auch therapeutische Konsequenzen. Manch einem Patienten könne dadurch eine Operation erspart werden. Ein wesentliches Kriterium bei der Neuklassifikation sei das so genannte „lepidische (schuppenartige) Wachstum“, erklärte Petersen. Dieser Ausdruck ersetze den Begriff bronchiolo-alveoläres Wachstum.

In der neuen Klassifikation sind folgende Lungentumoren mit lepidischem Wachstum verbunden: als präinvasive Läsionen sind es die atypische adenomatöse Hyperplasie (AAH) und das Adenocarcinoma in situ (AIS), des Weiteren das minimal invasive Adenokarzinom (MIA) sowie das invasive Adenokarzinom mit prädominant lepidischem Wachstum (LPA) und das invasive muzinöse Adenokarzinom (IMA).

Wachstum bestimmt Grading

Auch die Unterscheidung zwischen papillärem und mikropapillärem Wachstum spielt eine Rolle. Anhand des prädominanten Wachstums lässt sich ein Grading definieren: So zeichnen sich Grad-1-Tumoren prädominant durch lepidisches Wachstum aus, Grad-2-Tumoren wachsen papillär mucinös und Grad-3-Tumoren mikropapillär und solide.

Dass dieses neue Grading valide ist, zeigt unter anderem eine Arbeit aus dem Sloan Kettering Cancer Center in New York, NY/USA, (Modern Pathology 2011; 24: 653–664). Das krankheitsfreie 5-Jahres-Überleben korrelierte signifikant mit dem Tumorgrad. Bei Patienten mit Grad-1-Tumoren lag es bei 100 Prozent, bei Grad-2-Tumoren bei etwa 80 Prozent und bei Grad-3-Tumoren bei 62 bis 69 Prozent.

Dem Pathologen stehen zur Diagnostik die Zytologie und Histologie zur Verfügung. Letztlich, so Petersen, habe das histologische Wachstumsmuster die höhere prognostische Relevanz. Aber in der Tat scheint es so zu sein, dass die histologischen Grad-1-Tumoren auch die bessere Zytologie aufweisen.

Immunhistochemischer Marker

Ein aus Petersens Sicht sinnvoller immunhistochemischer Marker beim Adenokarzinom der Lunge ist TTF-1 (Thyroid Transcription Factor 1), der zudem prognostisch relevant sei, da TTF1-negative Tumoren eine schlechtere Prognose haben. Aber auch Ki67 und andere Marker haben beim Adenokarzinom der Lunge ihren Stellenwert.

Darüber hinaus machte Petersen nochmals auf das Phänomen der broncheogenen Aussaat aufmerksam. Lungentumoren mit Kontakt zum Bronchialstamm können über die Bronchien streuen. Eine solche Metastasierung über die Luftwege gilt in jedem Fall als invasiv wachsend.

Ein weiteres Phänomen: Ein Lungenkarzinom kann im Verlauf seiner Progression seine Karzinom-Eigenschaften vollständig verlieren und stellt sich dann als undifferenziertes Sarkom dar. 

 

1 International association for the study of lung cancer/american thoracic society/european respiratory society international multidisciplinary classification of lung adenocarcinoma; J Thorac Oncol. 2011; 6(2): 244–85)

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