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Foto: Privat
Dr. Holger Flick, Klinische Abteilung für Lungenkrankheiten, UKIM-LKH Universitätsklinikum /MedUni Graz
 
Pulmologie 23. März 2012

Welt-Tuberkulosetag: Neue Leitlinien zur Früherkennung

Weltweit gibt es weniger Neuinfektionen und die Heilung bei multirestistenter Tuberkulose (MDR-TB) ist nur in 50-70 Prozent möglich. In Österreich bleibt die Anzahl der Neuinfektionen nahezu konstant. Neue Leitlinien erleichtern die Früherkennung.


Mit 8,8 Millionen Neuerkrankungen im Jahr 2010 und 1,45 Millionen Todesfällen bleibt TBC aber die weltweit am häufigsten zum Tode führende bakterielle Infektionskrankheit. Ca. 80 Prozent aller an TBC erkrankten Menschen stammen aus Afrika, Asien oder der Westpazifikregion, 32 Prozent aller an TBC Verstorbenen waren zusätzlich HIV positiv. Erste Anzeichen einer möglichen TBC-Erkrankung sind Husten, Fieber und Gewichtsverlust.


Österreich ist Niedrigprävalenzland


In Österreich bleibt die Zahl der Neuerkrankungen mit leicht fallender Tendenz auf niedrigem Niveau, erklärte heute in Graz der Leiter des Arbeitskreises ‚Infektiologie und Tuberkulose’ der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) Dr. Holger Flick, aus Anlass des Welt-Tuberkulosetages.


Im Vergleich zu 2008 erkrankten in Österreich im Jahr 2010 um 129 Menschen weniger an TBC (2008: 817 Neuerkrankungen, 2009: 697, 2010: 688, Quelle: Nationale Referenzzentrale für Tuberkulose). In 44 Prozent aller TBC-Fälle handelt es sich um Immigranten. Bei Personen mit nicht österreichischer Staatsangehörigkeit liegt die TBC-Inzidenz somit bei 33 Fällen pro 100.000 Einwohnern.


„In Österreich wird die Zahl der TBC-Erkrankungen stark durch die Migration aus TBC-Hochprävalenzländern bestimmt. Die Behandlung dieser Patienten stellt oft eine besondere Herausforderung dar und erfordert ein hohes Maß an Engagement aller Beteiligten“, so Flick.


Antibiotika-resistente TBC-Fälle


Bedeutsam auch für Österreich ist unverändert die Zahl der multiresistenten (MDR-TBC) und extrem resistenten Tuberkulose (XDR TBC). Vergleichbar mit den Jahren davor wurden 2010 wieder 15 multiresistente (MDR) Fälle behandelt, alle Betroffenen waren Migranten, in einem Fall wurde eine extrem resistente TBC (XDR) diagnostiziert.


„Die Therapie einer MDR-TBC oder XDR-TBC ist deutlich komplizierter, langwieriger und außerdem mit erheblichen Nebenwirkungen behaftet“, betonte Flick. „Darüber hinaus können die Therapiekosten bis zu 200-mal höher ausfallen, als bei der Therapie einer unkomplizierten TBC.“ Somit bedürfe die TBC in Österreich trotz relativ niedriger Fallzahlen weiterhin größter gesundheitspolitischer Aufmerksamkeit.


Flick wieß außerdem darauf hin, dass Diagnostik und Therapie der TBC in Österreich in spezialisierten und erfahrenen Zentren erfolgt: „Seit Jahren erfasst ein elektronisches Meldesystem alle TBC-Fälle, durch die enge Zusammenarbeit zwischen Ärzten, TBC-Fürsorgestellen, der TBC-Referenzzentrale und dem Gesundheitsministerium steht ein gut funktionierendes Netzwerk zur Verfügung, das trotz’ erhalten, gepflegt und weiter verbessert werden muss.“.


Wien: Neue Leitlinien zur Früherkennung


Da es sich bei der TBC um eine ansteckende Infektionskrankheit handelt, eine sorgfältige „Umgebungsuntersuchung“ enorm wichtig. „Mit modernen Interferon-gamma Release Assays (kurz IGRAs) können infizierte, aber noch nicht erkrankte Personen frühzeitig identifiziert und noch vor Ausbruch der TB behandelt werden“, betont Flick.


Basierend auf der Arbeit einer österreichischen Expertengruppe hat die Landessanitätsdirektion Wien im Vorjahr neue Empfehlungen erlassen, in denen die genannten modernen Untersuchungsmethoden zur Früherkennung i(IGRAs) integriert sind. Flick: „Die Umsetzung dieser Leitlinie in ganz Österreich wäre ein weiterer und wichtiger Schritt zur Bekämpfung der TBC in Österreich.

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