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Pulmologie 6. März 2012

COPD-Betreuung: Mängel in Österreichs Krankenhäusern

Europaweites COPD-Audit belegt: Versorgungslage für heimische Patienten mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung liegt unter europäischem Durchschnitt.

Eine europaweite Umfrage unter Spitälern zeigt auf, dass in Österreich Spirometrie-Befunde fehlen. 800.000 Österreicher – zehn Prozent der Bevölkerung – leiden an der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) mit sich langfristig verschlechternder Atmungsfunktion. Ein nicht unbeträchtlicher Teil von ihnen, so zeigt sich, ist medizinisch nicht optimal versorgt.

 

Anlässlich der Veröffentlichung der Ergebnisse des ersten europaweiten COPD-Audits der European Respiratory Society (ERS) wurden die Österreich-spezifischen Daten von der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) präsentiert. Demnach liegt die Betreuung heimischer COPD-Patienten in einigen Bereichen klar hinter dem Durchschnitt in der Europäischen Union.

Europaweit haben 422 Spitalsabteilungen aus 13 Ländern am Audit teilgenommen, in Österreich waren es 49 Abteilungen, das ist nach England und Spanien die dritthöchste Teilnehmerzahl. Insgesamt flossen die Daten von 15.819 COPD-Patienten ein, die wegen einer akuten Verschlechterung ihrer Symptome ins Spital aufgenommen worden waren. In Österreich wurden demnach 823 Patienten erfasst, die von der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung betroffen sind.

Prof. Dr. Burghuber, Leiter des Ludwig-Boltzmann-Instituts für COPD und pneumologische Epidemiologie in Wien zur Konzeption der Umfrage: „Ein Audit ist die Analyse eines medizinischen Prozesses, wobei der Vergleich mit einem Standard angestellt wird.“

Die Audit-Methode

Europaweit wurde nun erstmals mittels AUDIT die Betreuung von COPD-Patienten bei stationärer (Not)Aufnahme, während des Spitalsaufenthaltes, bei Entlassung und danach erhoben und die Unterschiede in den teilnehmenden 13 europäischen Ländern analysiert. „Damit wissen wir nun endlich Bescheid, wie Österreich bei COPD im Vergleich zu anderen europäischen Ländern liegt und ob bzw. welchen Handlungsbedarf es gibt“, so Burghuber. Und weiter zum Ziel des Audits: „Es gilt Verbesserungspotenziale zu identifizieren und Therapiestandards zu verbessern.“ Eine Methode, die in Großbritannien und Spanien bereits seit vielen Jahren erfolgreich eingesetzt wird.

Die Auswertung der heimischen Daten zeigte keine optimalen Werte:

  • 21 Prozent der Spitalsaufnahmen erfolgten im Stadium 1 der Erkrankung, 14 Prozent im mittelschweren Stadium 2. Diese Patienten sollten wahrscheinlich am besten außerhalb der Krankenhäuser betreut werden (Stadium 3: 37 Prozent, Stadium 4: 28 Prozent der stationären Aufnahmen).
  • Bei Aufnahme ins Spital lagen nur bei 34 Prozent der Patienten Daten aus einer einfachen Lungenfunktionsprüfung vor (Europa-Durchschnitt: rund 60 Prozent). Hier spielt der Umstand, dass in Österreich die Krankenkassen beim Allgemeinmediziner eine solche Spirometrie nicht flächendeckend im Leistungskatalog haben, die wohl bedeutendste Rolle.
  • Mit zwölf Tagen liegen die österreichischen COPD-Patienten im Durchschnitt um einen Tag länger im Spital als im europäischen Durchschnitt.
  • Binnen 90 Tagen kommt es im europäischen Durchschnitt bei 35,1 Prozent der bereits einmal im Krankenhaus wegen akuter COPD-Symptome aufgenommenen Patienten zu einem neuerlichen Spitalsaufenthalt, in Österreich ist das bei gar 39,7 Prozent der Kranken der Fall.
  • Rehabilitationsprogramme sind nur für 18,4 Prozent der Betroffenen in Österreich zugänglich, im europäischen Durchschnitt hingegen für rund die Hälfte der Patienten.
  • 63 Prozent der Spitäler in Österreich berichteten von mangelnden Kapazitäten für die Beatmung schwerstkranker COPD-Patienten.

Burghuber: „Das ist ein gesundheitspolitischer Horror. Da sind die Kosten enorm. Das sollte die Gesundheitspolitik auf den Plan rufen.“

Exazerbationstherapie viel zu oft nicht up to date

Rund 40 Prozent der heimischen COPD-Patienten werden im Spital nach einer Exazerbation zudem noch mit intravenös zu verabreichenden Theophyllin-Präparaten behandelt, die nicht mehr dem modernen Standard entsprechen.

Zwar liegt Österreich bei einer Spitalsmortalität von 4,1 Prozent (Europa-Durchschnitt: 4,9 Prozent) recht gut, doch weisen die Daten auch auf andere offenbar gravierende Versorgungsmängel hin: So haben 5,3 Prozent der österreichischen COPD-Patienten Diabetes mit bereits dokumentierten schweren Langzeitschäden, im europäischen Durchschnitt sind es nur 1,9 Prozent.

„Das ist ein gesundheitspolitischer Horror. Das sollte die Gesundheitspolitik auf den Plan rufen.“

Dr. Sylvia Hartl, Präsidentin der ÖGP und Mitglied der Steering group des ERS-COPD-Audits, will die ÖGP sowie die Verantwortlichen in der Gesundheitspolitik und der Krankenhausträger mit den Daten im Einzelnen konfrontieren,um gemeinsam Möglichkeiten von Verbesserungen in der Gesundheitsversorgung heimischer COPD-Patienten zu überlegen.

Quelle: Mediengespräch am 28. Februar 2012.

APA/ÖGP/IS
, Ärzte Woche 10 /2012

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