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Gegen anhaltenden Hustenreiz ist nicht nur ein Kraut gewachsen. Auf Kontraindikationen und mögliche Nebenwirkungen ist aber zu achten.
 
Pulmologie 28. Jänner 2012

Was hilft natürlich gegen produktiven Husten?

Pflanzliche Hustenmittel haben vielfältige positive Wirkungen, die sich etwa durch Kombination mit pflanzlichen Antiphlogistika noch verstärken lassen.

Produktiver Husten kann mit pflanzlichen Hustenmitteln sehr gut therapiert werden. Daneben sollten Allgemeinmaßnahmen wie das Trinken von mindestens zwei Litern pro Tag, viel frische Luft sowie das Meiden von Unterkühlung und inhalativen Noxen nicht vernachlässigt werden.

 

Pflanzliche Hustenmittel wirken als Expektoranzien, die den Bronchialschleim verflüssigen (Mukolytika), die Produktion von dünnflüssigem Schleim fördern (Sekretolytika) und den Abtransport von zähflüssigem Schleim anregen (Sekretomotorika). Sie sollten nicht gleichzeitig mit Antitussiva verabreicht werden. Als Darreichungsformen eignen sich (mit Honig) gesüßte Tees und Hustentropfen. Für Kinder werden Hustentropfen und Frischpflanzensäfte empfohlen.

Als Expektoranzien wirken Heilpflanzen, die ätherische Öle oder Saponine enthalten. Ätherischölhaltig sind etwa Anisöl, Campher, Eukalyptusblätter und -öl, Fenchelfrüchte und -öl, Fichten- und Kiefernnadelöl, Minzöl, Pfefferminzöl und Thymiankraut. Ätherische Öle können äußerlich über Inhalationen, innerlich als Tropfen, Sirup oder als Weichgelatinekapseln angewendet werden.

Saponine sind beispielsweise in Efeublättern, Primelwurzeln, Schlüsselblumenblüten und Süßholzwurzel enthalten und werden nur innerlich angewendet.

Zur Wirkungsverstärkung können Saponine mit pflanzlichen Antiphlogistika wie etwa Efeublättern, Isländischem Moos, Spitzwegerichkraut und Süßholzwurzel kombiniert werden. Arzneipflanzen mit bakteriostatischer Wirkung können die Gefahr einer Superinfektion vermindern: z. B. Efeublätter, Kapuzinerkressekraut, Thymiankraut und Pelargonienwurzelextrakt.

Fertigarzneimittel mit Einzelstoffen zur inneren Anwendung sind z. B. Prospan® Hustensaft, Aspecton® DS Hustentropfen oder Bronchicum® Pastillen.

Kombinationsarzneimittel sind beispielsweise Bronchipret® Tropfen (Efeublätter, Primelwurzel, Thymiankraut), Bronchicum® Elixier (Primelwurzel, Thymianfluidextrakt), Bronchipret® Filmtabletten (Primelwurzel, Thymiankraut), Sinupret® forte Dragees (Primel-, Enzianwurzel, Holunderblüten, Ampfer-, Eisenkraut), Umckaloabo® Filmtabletten (Pelargonienwurzelextrakt), GeloMyrtol® magensaftresistente Weichkapseln (Myrtol).

Kombinationsarzneimittel zur äußerlichen Anwendung sind z. B. Bronchoforton® Salbe (Eukalyptus-, Kiefernnadel-, Fichtennadel-, Thymianöl), Pinimenthol® Erkältungssalbe (Eukalyptusöl, Kiefernnadelöl, Levomenthol) oder Tumarol® Creme (Eukalyptusöl, Campher, Levomenthol).

Kontraindikationen

Kontraindikationen sind bekannte Allergien auf die Inhaltsstoffe. Ätherische Öle dürfen bei Kindern unter zwei Jahren nicht in Gesichtsnähe angewendet werden, da Glottiskrämpfe beschrieben wurden (Kratschmer-Reflex).

Eukalyptusöl sollte innerlich bei entzündlichen Erkrankungen im Magen-Darmtrakt und der Gallenwege sowie bei schweren Lebererkrankungen nicht angewendet werden. Kontraindikationen für Minz- und Pfefferminzöl sind Erkrankungen der Gallenwege und schwere Lebererkrankungen. Bei gastrointestinalen Ulzera und entzündlichen Nierenerkrankungen sind Brunnen- und Kapuzinerkressekraut sowie Meerrettichwurzel, bei Asthma bronchiale und Keuchhusten Fichten- und Kiefernnadelöl kontraindiziert. Süßholzwurzel darf nicht bei cholestatischen Lebererkrankungen, Leberzirrhose, Hypertonie, Hypokaliämie, schwerer Niereninsuffizienz und Schwangerschaft eingenommen werden. Pelargonienwurzelextrakt ist bei Schwangerschaft, Stillzeit, erhöhter Blutungsneigung und schweren Leber- und Nierenerkrankungen kontraindiziert. Brunnen- und Kapuzinerkressekraut sollten bei Kindern unter vier Jahren nicht angewendet werden, Salbeiöl nicht bei Schwangerschaft. Campher darf nicht bei geschädigter Haut angewendet werden.

Nebenwirkungen ätherischer Öle sind allergische Erscheinungen. Eukalyptusöl führt in seltenen Fällen zu Übelkeit, Erbrechen und Diarrhö, Brunnen- und Kapuzinerkressekraut sowie Meerrettichwurzel selten zu Magen-Darm-Beschwerden. Pfefferminzöl, Primelwurzel und Schlüsselblumenblüten verursachen gelegentlich Magenbeschwerden, bei längerer Anwendung von Süßholzwurzel können sich mineralokortikoide Wirkungen ergeben. Campher kann Kontaktekzeme, Fichten- und Kiefernnadelöl Reizerscheinungen an Haut und Schleimhäuten auslösen.

Prof. Dr. Karin Kraft ist als Direktorin des Lehrstuhls für Naturheilkunde an der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin, MedUni Rostock, tätig.

 

Quelle: MMW-Fortschritte der Medizin 2011; 153 (44): 22

Von K. Kraft , Ärzte Woche 4 /2012

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