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Foto: photos.com / Ärzte-Woche-Montage
CED-Patienten weisen primäre und sekundäre Lungenbeteiligungen auf.
 
Pulmologie 14. Dezember 2011

Kranker Darm schlägt sich auch auf die Lunge

Mitunter sind unerwünschte Nebenwirkungen die Ursache.

Lungenerkrankungen wie Bronchiektasien und chronische Bronchitis können Folge einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung sein. Betroffen sind vor allem Patienten mit Colitis ulcerosa.

 

Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) können gelegentlich eine Lungenbeteiligung aufweisen, die unbedingt als solche erkannt werden muss. Häufiger sind freilich sekundäre Lungenschäden als Folge der Therapie.

Die Häufigkeit einer primären Lungenbeteiligung bei CED-Patienten liege im Promillebereich, betont Prof. Dr. Stefan Brandt von der Medizinischen Klinik II der Universität München am Klinikum Großhadern. Vor allem Bronchiektasien und eine chronische Bronchitis können Folge der CED sein. Insgesamt sei das Risiko bei Patienten mit Colitis ulcerosa höher als bei Patienten mit Morbus Crohn.

Fall mit Schub und Bronchitis

Brandt berichtet von einer jungen, nicht optimal behandelten Colitis-Patientin, die nach zehnjähriger Krankheit einen Colitis-Schub und noch zusätzlich eine schwere Tracheobronchitis mit einem auf 50 Prozent des Normalwerts verringerten FEV1-Wert entwickelte. „Unter einer daraufhin initiierten adäquaten Colitis-Therapie mit einem Steroid und später Infliximab heilte nicht nur die Colitis ab, auch die Lungensymptome verschwanden vollständig“, so Brandt.

Gelegentlich kämen bei CED-Patienten auch mit der CED assoziierte Erkrankungen des Lungenparenchyms vor. „Diese Erkrankungen sind mit inhalativen Steroiden gut behandelbar. Nur bei schweren Verläufen werden orale Steroide nötig“, betont Brandt. Eine systemische Steroiddauertherapie sei bei CED mit Lungenbeteiligung dagegen in keinem Fall indiziert.

Sekundäre Lungenbeteiligung

Häufiger als die primäre Lungenbeteiligung bei CED seien sekundäre Lungenerkrankungen, die meist Folge der Medikation sind. So könne bei Therapie mit Sulfasalazin bei Colitis-Patienten eine fibrosierende Alveolitis entstehen. Methotrexat könne eine Hypersensitivitätspneumonitis verursachen. Und bei TNFα-Blockern gehöre eine Lupus-ähnliche Pleuritis zum Spektrum der unerwünschten Wirkungen.

Erhöhtes Thromboserisiko

Für die tägliche Praxis relevanter sei jedoch eine andere Variante der sekundären „Lungen“-Erkrankungen bei Patienten, nämlich Venenthrombosen und Lungenembolien. „Wir wissen, dass Patienten mit chronisch entzündlicher Darmerkrankung ein erhöhtes Risiko für Thrombose und Lungenembolie haben. Sie sollten deswegen bei stationären Aufenthalten immer eine Thromboseprophylaxe erhalten“, so Brandt.

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