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Foto: Quelle: www.organmodelle.de
Begehbare Lunge: 100 Millionen Liter Luft atmet das Organ im Lauf eines Menschenlebens. Das Modell veranschaulicht pneumologische Leiden.
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Prof. Dr. Otto C. Burghuber, Kongress-Präsident, Past-Präsident der ÖGP, Vorstand der 1. Lungenabteilung, Otto Wagner Spital, Wien

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Doz. Dr. Sylvia Hartl, 1. Interne Lungenabteilung am Otto Wagner Spital, Wien, Vizepräsidentin und designierte Präsidentin der ÖGP

 
OEGP 2011 13. September 2011

Lernen – forschen – behandeln

Erstmals soll eine langjährige epidemiologische Studie zur Lungengesundheit in Wien durchgeführt werden.

Wie gut ist die Behandlung von COPD-Patienten in heimischen Spitälern? Wie wirken sich Umwelt- und Lebensstilfaktoren auf die Entwicklung von Lungenkrankheiten aus? Fragen wie diese wollen die heimischen Lungenärzte nun endlich beantworten können. Die Beteiligung am COPD-Audit und die nun vom Ludwig-Boltzmann-Institut für Epidemiologie initiierte Langzeitstudie zur Lungengesundheit sollen zur Klärung beitragen. Die Versorgungsforschung, betonte die Österreichische Gesellschaft für Pneumologie anlässlich der diesjährigen Jahrestagung, wird zunehmend wichtiger.

 

„Für die Wiener Lungengesundheitsstudie werden rund 10.000 Menschen aller Altersstufen über zwölf Jahre lang begleitet werden“, sagte die designierte Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP), Doz. Dr. Sylvia Hartl von der 1. Internen Lungenabteilung am Otto Wagner Spital in Wien bei der Kongress-Pressekonferenz. Ein aufwändiges und teures Projekt, das in Österreich seinesgleichen sucht. Hartl: „Warum machen wir das? Weil wir zwar über die Einflüsse des Rauchens, der Schadstoffe und Abgase Bescheid wissen, aber wenig wissen über die Zusammenhänge mit Ernährung, genetischen Faktoren und Belastungen, die in der Kindheit oder schon im Mutterleib passieren.“ Die begehbare Lunge, die während der Tagung öffentlich zugänglich aufgestellt wurde, sollte die Wiener für das Thema sensibilisieren. „Wir sind darauf angewiesen, dass die Bevölkerung die Einladung, an einer solchen Studie zwölf Jahre lang freiwillig teilzunehmen, annimmt“, so die Lungenexpertin. „Sonst bekommen wir nicht genug auswertbare Daten.“

COPD-Audit

Erste Datenauswertungen aus Österreich gibt es auch vom europäischen Projekt COPD-Audit, an dem Hartl als Generalsekretärin der European Respiratory Society maßgeblich beteiligt ist. Diese Erhebung ermöglicht Aussagen über die Behandlungsqualität. Etwa über die Ausstattung der Abteilungen, die COPD-Patienten aufnehmen. Ein erstes Ergebnis: 50 Prozent der versorgenden Spitäler und Zentren verfügen über keine Geräte für die Messung der Lungenfunktion. Prof. Dr. Otto Burghuber, Kongress-Präsident der Jahrestagung, dazu: „Die nehmen Kranke mit COPD auf und haben keine Diagnose gestellt, weil es keine Messung der Lungenfunktion gibt.“ Nach den GOLD-Leitlinien richtet sich die Therapie der COPD nach den Stadien, die per Lungenfunktion festgestellt werden. Das Fehlen der Geräte in den Krankenhäusern bedeute, so Burghuber, dass „50 Prozent der aufgenommenen COPD-Patienten die richtige Therapie nur vielleicht bekommen. Denn wonach soll sich die Therapie richten?“

Eine weitere Zahl aus dem COPD-Audit in Österreich deutet auf dringenden Handlungsbedarf in der Versorgung von Patienten mit COPD hin: Demnach werden 40 Prozent der COPD-Patienten, die mit einer Exazerbation ins Spital müssen, binnen 90 Tagen wieder ins Krankenhaus aufgenommen. Hartl: „Das ist ein Hammer, die Versorgungsstruktur muss sich ändern. Wir sind zu sehr spezialisiert in Zentren. Es hilft nichts, wenn diese gut arbeiten, aber die betroffenen Patienten nicht in diese Zentren kommen. Wir brauchen auch den Hausarzt mit im Boot.“ Der Hausarzt sei bei der Diabetes-Versorgung mit im Boot, auch bei der Hypertonie, aber nicht beim Thema COPD. „Diese Erkenntnis müssen wir politisch umsetzen“, so Hartl.

Burghuber erinnerte in diesem Zusammenhang an die Forderung, dass die Spirometrie beim praktischen Arzt angesiedelt und diese Untersuchung von den Krankenkassen bezahlt werden sollte, um Frühstadien der COPD feststellen zu können. Aber bislang, so der Past-Präsident der ÖGP, sei das nicht durchsetzbar.

Das Ziel, so die beiden Experten unisono, müssten österreichische Versorgungsleitlinien sein. Es sei nötig, aus wissenschaftlichen Erkenntnissen und Studien zu lernen. Man habe nun aus dem COPD-Audit gelernt, dass die Versorgungsstruktur in Österreich sehr inhomogen sei, nun brauche es eine Lösung.

Von I. Smolek , Ärzte Woche 37 /2011

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