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Pulmologie 25. Mai 2011

Rauchstopp mit Plastikröhrchen

Ganz ohne Nikotin gelingt mit einem „Zigarettenersatz“ die Entwöhnung.

Der Name der pastellfarbenen Röhrchen erinnert an eine Eissorte in den 1970er Jahren: Paipo®. Es klingt vorderhand wenig überzeugend: Ein Inhalator in Zigarettengröße, ausgestopft mit in ätherischen Ölen getränktem Wattebausch, hilft nachweislich einem Teil der Raucher bei der Entwöhnung. Das hat nun eine aktuelle Studie ergeben, die im European Respiratory Journal (siehe Quelle und Literatur) veröffentlicht wurde.

 

Die Inhalatoren sind seit Jahren frei im Internet zu bestellen. Es gibt sie in drei Geschmacksrichtungen: Spearmint, Grapefruit und Eucalyptus-Vanille. Jedes einzelne – gelbe, blaue oder grüne – wie ein kurzer Zigarettenspitz aussehendes Röhrchen ist in Plastik eingeschweißt. In einer zigarettenschachtelgroßen Packung sind drei solcher „Fake-Zigaretten“ enthalten und kosten sechs Euro.

Erstmals haben sich nun Wissenschaftler um Dr. Pasquale Caponnetto von der Universität Catania, Italien, in einer Studie dem Produkt angenommen, um herauszufinden, ob so eine Scheinzigarette, die kein Nikotin freisetzt, eine positive Wirkung beim Entwöhnungsprogramm hat.

Design der Untersuchung

120 gesunde Raucher nahmen an einem Entwöhnungsprogramm teil. Alle Patienten unterzogen sich einer pharmakologischen Behandlung mit hochdosiertem Nikotinpflaster sowie 300 mg Bupropion und wurden zusätzlich beraten. Die Forscher erhoben die soziodemografischen Faktoren der Studienprobanden, deren Rauchergeschichte, subjektive Einschätzung von Depressionen (Beck Depressions Inventar, BDI), körperliche Abhängigkeit (mittels Fagerström-Test für Nikotinabhängkeit, FTND), Verhaltensabhängigkeit (mit dem Glover-Nilsson Smoking Behavioral Questionnaire, GN-SBQ), und schließlich fragten sie nach der Motivation, mit dem Rauchen aufzuhören (mit dem Mondor Motivations Fragebogen).

Die Studienteilnehmer wurden in zwei Gruppen geteilt, wobei eine zum beschriebenen Entwöhnungsprogramm zusätzlich den nikotinfreien Inhalator verwenden sollte. Nach 24 Wochen wurden sie befragt, ob sie den Rauchstopp geschafft haben.

Süchtig nach dem Herumfingern

In der gesamten Gruppe (von den 120 Studienteilnehmern hielten 90 bzw. 85 bis zur Woche 24 durch und nahmen an der abschließenden Befragung teil) gab es keinen signifikanten Unterschied bei der Erfolgsquote. In der Paipo-Gruppe hatten 33,3 Prozent nach eigenen Aussagen den Rauchstopp geschafft, in der Kontrollgruppe 28,3 Prozent.

Dennoch fanden Caponnetto und Kollegen einen deutlichen Unterschied zwischen den beiden Gruppen: Die Rauchstopp-Rate in der Paipo-Gruppe von 66,7 Prozent während 24 Wochen war mehr als dreimal so hoch wie in der Referenzgruppe (19,2 Prozent bis zur Woche 24). Die Ergebnisse der durchgeführten logistischen Modellanalyse weisen darauf hin, dass ein hoher GN-SBQ-Wert ein starker unabhängiger Prädiktor für erfolgreichen Rauchstopp in der Woche 24 bei Paipo-Verwenden ist.

Die Ergebnisse zeigen: Nikotinfreie Inhalatoren könnten vorteilhaft wirken, wenn sie bei der Raucherentwöhnung eingesetzt werden. Insbesonders könnten Raucher profitieren, für die das Herumfingern mit den Zigaretten, Anzünd-Rituale und dergleichen ein wichtiger Bestandteil beim Rauchen sind, also mit großer Wahrscheinlichkeit eine starke Verhaltenskomponente der Tabakabhängkeit haben.

Quelle und Literatur:

P. Caponnetto et.al: „Effect of a nicotine free inhalator as part of a smoking cessation program“, European Respiratory Journal. Online 12. Mai 2011

DOI: 10.1183/09031936.0109610

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Von Inge Smolek, Ärzte Woche 21 /2011

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