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Foto: APA-Fotoservice /  Thomas Preiss

Prof. Dr. Michael Studnicka, Vorstand der Universitätsklinik für Pneumologie, PMU Salzburg

 
Pulmologie 17. Mai 2011

Fremdwort Exazerbation

POET zeigt deutliche Verbesserungen im COPD-Management und bei der Vorbeugung von akuten Verschlechterungen des Gesundheitszustands unter Tiotropium-Therapie.

Das langwirksame Anticholinergikum Tiotropium vermindert Exazerbationen von Patienten mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) effektiver als der langwirksame Beta-2-Agonist Salmeterol. Das war das Ergebnis der Head-to-head-Studie POET, einer der größten bisher durchgeführten Langzeituntersuchungen bei COPD.

 

„Der Begriff Exazerbation braucht noch ein wenig PR, um bekannt zu werden.“ Mit diesen Worten eröffnete der Leiter der POET-Studie (siehe Literatur), Prof. Dr. Claus Vogelmeier, Abteilung Pneumologie des Uniklinikums Marburg, seine Ausführungen bei der Vorstellung der POET-Ergebnisse. „Ich bin überzeugt davon: Wenn Sie Ärzte danach fragen, sieht es nicht viel besser aus.“ Es gebe ein kommunikatives Problem, an dem man arbeiten müsse, es gehöre erläutert, was damit gemeint sei. Auch der Begriff COPD sei ja erst seit relativ kurzer Zeit populär. „Eine Exazerbation ist eine akute Verschlechterung der chronischen Entzündung der Atemwege“, erklärte Prof. Dr. Michael Studnicka, Vorstand der Salzburger Uniklinik für Pneumologie. Im fortgeschrittenen Stadium gehe es dem davon betroffenen Patienten schlechter als zuvor. Daher gelte es, Exazerbationen zu vermeiden. Die Österreichische Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) fordert zudem, dass Patienten nach einer Exazerbation eine Rehabilitation bekommen. Studnicka: „Die Prognose einer Exazerbation ist durchaus vergleichbar mit der Diagnose eines Herzinfarkts.“ Entscheidend sei, dass eine COPD früh diagnostiziert wird. Nur dann könne sie auch frühzeitig behandelt werden.

Für das Stadium II nach GOLD (Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease) besteht Evidenz, dass die Bronchodilatation mit langwirksamen Anticholinergika und Betamimetika die Lungenfunktion verbessert (siehe Grafik). Studnicka betonte: „Wir haben in Österreich bei COPD eine Unterdiagnostik von 80 Prozent.“ So könne es passieren, dass der Patient von seiner Lungenkrankheit erst erfährt, wenn er nach einer Exazerbation ins Spital muss.

Exazerbationen vermeiden

Tiotropium gilt nach den Richtlinien des ÖGP seit 2004 als Mittel der ersten Wahl für die Behandlung der COPD im GOLD-Stadium II. In der vorgestellten POET-Studie wurden zwei auf gleicher Stufe stehende langwirksame Bronchodilatatoren, Tiotropium (Spiriva®) und Salmeterol verglichen, um festzustellen, welche Therapie Exazerbationen effektiver vermeiden hilft. Die Ergebnisse:

  • Tiotropium verlängerte signifikant die Zeit bis zur ersten Exazerbation verglichen mit Salmeterol (Risikoreduktion 17 %).
  • Tiotropium reduzierte das Risiko für schwere Exazerbationen signifikant um 28 Prozent.
  • Insgesamt traten unter Tiotropium signifikant weniger Exazerbationen auf als unter Salmeterol (jährliche Anzahl pro Patient –11 %)

44 Prozent der Patienten mit einer Exazerbation litten an einer mittelgradigen COPD (GOLD-Stadium II). Eine Dauertherapie bereits früh im Krankheitsverlauf ist ein wichtiges Ziel. Vogelmeier: „Tiotropium verhindert Exazerbationen effektiver als Salmeterol. Diese Daten rechtfertigen es, eine Präferenz auszusprechen.“

 

Literatur: Vogelmeier, C. et. al: N Engl J Med 2011; 364:1093-103

 

Quelle: Pressegespräche in Frankfurt (25. März) und Wien (15. April).

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