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Foto: PhotoDisc
Exazerbationen können auf Patienten besonders ängstigend wirken.
 
Pulmologie 26. April 2011

Akute Verschlechterungen in höheren Stadien verhindern

Mit Roflumilast weniger COPD-Exazerbationen.

Die chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD) ist auch eine entzündliche Erkrankung. Roflumilast senkt bei schwerer COPD und chronischer Bronchitis die Exazerbationsrate.

Mit Roflumilast steht Pneumologen seit Kurzem ein explizit antientzündliches Medikament zur Verfügung, das die bronchodilatative Therapie bei Patienten mit schwerer COPD ergänzen kann. Von der noch laufenden REACT-Studie werden weitere Daten erwartet.

Inflammatorische Erkrankung

„Wir haben heute klare Evidenz dafür, dass die COPD auch eine inflammatorische Lungenerkrankung ist“, sagte Prof. Dr. Tobias Welte, Direktor der Klinik für Pneumologie der Medizinischen Hochschule Hannover, Deutschland. Dass diese lokalen Entzündungsprozesse in der Lunge auch Konsequenzen für andere Organe haben könnten, die COPD also als systemische entzündliche Erkrankung angesehen werden könne, sei zumindest denkbar, so der Experte beim 52. Kongress der DGP in Dresden.

Mit Roflumilast gibt es ein neues antiinflammatorisches Therapieprinzip für COPD-Patienten in den Gold-Stadien III und IV (FEV1 < 50 Prozent). Die Substanz hemmt das Enzym Phosphodiesterase 4 und damit den Abbau von zyklischem Adenosinmonophosphat. Als Folge dieser Hemmung werden schließlich andere Abbauwege eingeschlagen, die antiinflammatorische Wirkungen haben.

„Roflumilast kann bei Patienten mit schwerer COPD und chronischer Bronchitis Exazerbationen verhindern und die Lungenfunktion verbessern“, betonte Prof. Dr. Roland Buhl, Schwerpunkt Pneumologie III., Medizinische Klinik Universitätsklinikum Mainz. Entsprechende Daten haben unter anderem die Studien AURA und HERMES geliefert, in denen die Exazerbationsrate im Vergleich zu Placebo über einem Zeitraum von einem Jahr um 17 Prozent gesenkt wurde.

Das forcierte Einsekundenvolumen stieg im Median um 50 Milliliter. Etwa die Hälfte der Patienten nahm eine Basistherapie mit langwirksamen Betamimetika (LABA) ein.

Schema für Polymedikation offen

Ähnliche Daten gebe es aus einer kleineren Studie für die Kombination mit Tiotropium, so Buhl. Was noch fehle, seien Daten für die Behandlung mit Roflumilast in einem Polymedikationsschema, bei dem LABA und inhalatives Kortikosteroid (ICS) sowie gegebenenfalls ein Anticholinergikum gegeben wird. „Dieses Szenario untersucht derzeit die REACT-Studie bei 2.000 COPD-Patienten in den Stadien III und IV“, so Buhl.

Für den Alltag der Patienten hatte Buhl beim Kongress in Dresden einige Tipps parat, die den Umgang mit der neuen Therapieoption erleichtern können. So sollten Ärzte ihre Patienten jedenfalls darauf hinweisen, dass sie nicht erwarten dürften, die Wirkung von Roflumilast sofort zu spüren. Um die Verträglichkeit zu verbessern, könne es auch hilfreich sein, das Medikament anfangs nur alle zwei Tage zu geben, bevor auf die definitive Dosis von 500 µg täglich gesteigert wird. Bei der Einnahme ist Roflumilast für die Betroffenen unkompliziert: Es kann zu jeder Tageszeit mit oder ohne Nahrung eingenommen werden.

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