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Foto: photos.com / Ärzte-Woche-Montage
Den Rauchschwaden allerorts ausweichen – ob selbst verursacht oder nicht – ist die Grundlage für eine erfolgreiche COPD-Therapie.
Foto: Archiv

Dr. Sylvia Hartl, 1. Interne Lungenabteilung, Otto Wagner Spital, Wien

 
Pulmologie 26. April 2011

ERS-COPD-Audit: Sensationelle Beteiligung

Die erste Phase des europäischen Pilotprojekts zur Erhebung des Ausstattungs- und Behandlungsstandards in den Krankenhäusern ist Mitte April zu Ende gegangen.

Die Schaffung eines internetbasierten COPD-Audit-Tools ist das Ziel eines Projekts, das unter Federführung der Europäischen Respiratorischen Gesellschaft (ERS) in 15 Ländern Europas durchgeführt wird. Nun ist die erste Frist – das 90-Tage-Follow-up – vorbei. Als zweiter Schritt folgt die Auswertung der aufschlussreichen Daten.

 

„Man kann jetzt schon sagen: Das COPD-Audit in Österreich ist ein Erfolg“, freut sich die Generalsekretärin der ERS, Dr. Sylvia Hartl, die federführend an dem internationalen Pilotprojekt mitarbeitet (die Ärzte Woche berichtete in der Ausgabe 44, im November 2010). „Wir sind stolz, dass wir bis auf einen einzigen Fall alle 880 Fälle ins Ziel gebracht haben.“

Nach der Auswertung des Datenmaterials werden Aussagen über die Behandlungsqualität für COPD-Patienten möglich sein. Hartl: „Wir sind als drittstärkster Partner ein Bigplayer in diesem Team gewesen, obwohl Österreich ein kleines Land ist.“ Erster und zweiter sind England und Spanien, die bereits längere Erfahrung mit COPD-Audits haben. „Die österreichischen Ärzte waren sensationell“, so Hartl, „es haben sich insgesamt 50 Krankenhäuser beteiligt.“ Mit den ersten Publikationen ist Anfang 2012 zu rechnen, aber schon zuvor werden Ergebnisse ausgearbeitet. Jede Nation wird einen eigenen Report bekommen, in dem alle Daten aufgelistet sind, wie viele Patienten erfasst wurden, welche Altersstruktur diese haben, wie viele davon Raucher sind.

Erste Eindrücke gibt es bereits. Hartl: „Wir sehen schon jetzt, dass diese Daten extrem alarmierend sind. Soweit man es aus den bereits gesichteten 8.500 Fällen (von insgesamt 19.000 im gesamten europäischen Pilotprojekt aufgenommenen Fällen) sieht, kann man schon sagen, dass die Schwankungsbreite in Europa beträchtlich ist. Auch in Österreich haben wir ein alarmierendes Ergebnis: 33 Prozent der schwer kranken COPD-Patienten, die in ein Krankenhaus kommen, sind immer noch aktive Raucher.“ Das sei ein erschütterndes Ergebnis, betont Hartl, denn es bedeute, dass Ärzte und Spitäler sich zu wenig engagieren, den Patienten bei der Raucherentwöhnung zu unterstützen. Nach den Behandlungsleitlinien der wichtigste Therapieschritt bei COPD. „Das sind Dinge, wo wir sehr viel lernen und wo wir Augenöffner dabei haben werden“, betont die Pneumologin. „Wir müssen uns fragen: Schöpfen wir unsere Optionen schon aus?“

Gesundheitspolitische Relevanz

Eine solch umfassende Erhebung der Versorgungs- und Behandlungsqualität für COPD-Patienten hat naturgemäß auch eine politische Dimension. Erstmals gibt es echte und prospektiv erhobene Daten für das Management eines Krankheitsbildes. Diese werden für die Planung der Spitäler wertvoll sein, weil sie Aufschluss darüber geben, ob die vorhandenen Strukturen passen, wie die einzelnen Krankenhäuser im Vergleich mit anderen stehen, aber auch im internationalen Vergleich. Schon jetzt könne man sagen, so Hartl, dass der Level der Krankenhäuser sehr unterschiedlich ist und dass heimische COPD-Patienten häufig außerhalb der Spezialzentren und in größerem Umfang in internistischen Abteilungen versorgt werden. Hartl: „Wir werden uns ansehen, ob Lungenabteilungen eher die schwerer erkrankten Patienten kriegen, zumindest im städtischen Setting. In Wien könnte es so sein, dass die Rettung die Möglichkeit hat, die Patienten entsprechend aufzuteilen.“ In den Bundesländern gibt es hingegen weniger Lungenabteilungen. „Das Ziel ist“, bekräftigt die Expertin, „dass die Patientenversorgung auf den höchstmöglichen Level, den wir haben können, angehoben wird und dass möglichst homogen behandelt wird.“

Von Inge Smolek, Ärzte Woche 17 /2011

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