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Pulmologie 16. März 2011

Ersehnte Frühlingslüfte tragen Pollen ins Land

Die Saison 2011 startet zwar später als sonst, aber Frühblüher und Birke bringen besonders große Belastungen für Heuschnupfenleidende.

An Allergiker richtet sich der Appell, die vorhandenen Behandlungsoptionen und Serviceangebote des Pollenwarndienstes zu nutzen und den Allergenkontakt zu minimieren. Zudem müssen die eventuell begonnenen langwierigen Therapien durchgehalten werden, um den Therapieerfolg, den Studien belegen, auch tatsächlich zu erreichen.

 

„Rund zwei Drittel aller Allergiker gehen erst dann zum Arzt, wenn ihre Beschwerden unerträglich werden, das heißt, wenn ihre Lebensqualität durch Schlafstörungen, Leistungsabfall in der Arbeit bzw. Schule oder bei Freizeitaktivitäten stark beeinträchtigt ist“, sagt Doz. Dr. Christof Ebner, Leiter des Allergieambulatoriums am Wiener Reumannplatz. „Das ist insofern problematisch, als bekannt ist, dass der allergische Schnupfen der wichtigste Wegbereiter und somit Risikofaktor für allergisches Asthma ist. Entscheidend ist daher, selbst leichte Formen der Allergie nicht zu unterschätzen.“

Leitliniengerechte Behandlung

Bei Heuschnupfen werden meist antiallergische Medikamente verschrieben, die die Entzündungen an den Schleimhäuten der Atemwege bekämpfen und so der Ausbreitung und Verschlechterung der Symptome entgegenwirken. Der in Leitlinien empfohlene Therapiestandard sieht die tägliche Einnahme über die gesamte Blüteperiode vor. Bei stärkeren Symptomen werden zusätzlich entzündungshemmende Nasensprays gegeben, die je nach Problematik Antihistamine oder Cortison enthalten. Die nächste Therapiestufe laut ARIA-Guidelines der WHO stellt die spezifische Immuntherapie (SIT) dar, die bei mittlerem bis hohem Leidensdruck indiziert ist. Sie lindert nicht nur Symptome, sondern bekämpft auch die Ursache der Allergie. Dafür wird in regelmäßigen Abständen die allergieauslösende Substanz injiziert bzw. unter die Zunge getropft, sodass das überempfindliche Immunsystem nicht mehr auf die Allergene reagiert. Für Gräserpollenallergiker steht die Allergie-Impfung inzwischen auch in Tablettenform zur Verfügung.

Durchhalteparolen

„Es ist nicht einfach, eine etablierte allergische Immunreaktion langfristig zu beeinflussen. Deshalb dauert die Immuntherapie in der Regel drei, manchmal sogar bis zu fünf Jahre“, so Allergologe Ebner. Hier heißt es durchhalten. Denn: „Nur wer das vorgeschriebene Behandlungsschema konsequent durchführt, hat den gesamten, durch unzählige Studien gesicherten Therapieerfolg zu erwarten.“ Dennoch brechen bis zu über 75 Prozent der Patienten ihre Therapie vorzeitig ab – die meisten bereits nach der ersten Verordnung bzw. innerhalb des ersten Jahres der Therapie.

Untersuchungen zeigen einen eindeutigen Zusammenhang zwischen dem Vertrauen, das der Patient in seinen Arzt hat, und seiner Compliance. Funktioniert die Zusammenarbeit, wirkt sich das unmittelbar positiv auf die Einhaltung festgelegter Therapieziele aus. Weitere wesentliche Parameter sind Maßnahmen zur Unterstützung des Patienten im Alltag sowie patientengerechte Aufklärung und die Möglichkeit, Antworten auf individuelle Fragen zu bekommen.

Unterstützende Maßnahmen sind beispielsweise Erinnerungshilfen, die Patienten per E-mail oder SMS erhalten, und Tools, die die Medikamenteneinnahme mit täglichen Routinehandlungen verknüpfen: etwa durch Tablettenspender oder Wochenplaner, die an den Badezimmerspiegel geklebt werden.

Compliance fördern

Projekte der Forschungs- und Serviceeinrichtung des Österreichischen Pollenwarndienstes an der Wiener HNO-Klinik machen national und europaweit Furore. Wie etwa das vor zwei Jahren ins Leben gerufene „Pollen-Tagebuch“, das Allergiker erstmals ganz einfach Zusammenhänge zwischen Beschwerden und Pollenflug erkennen lässt. Das Pollen-Tagebuch ist ein wichtiges Element eines innovativen Systems zur Patienten-Compliance, das vom unabhängigen Studiennetzwerk ANISNet (Academic Non-Interventional Study Net) der Sigmund Freud Privatuniversität Wien entwickelt wurde. Gemeinsam mit der TU Wien und der European Society for Quality in Healthcare (ESQH Vienna) wurde das neue Erinnerungs- und Informationssystem speziell auf den Allergiebereich zugeschnitten und geht ab der kommenden Gräserpollensaison im Mai im Rahmen einer Studie in die Testphase. In etwa einem Jahr soll der Service österreichweit Ärzten zur Verfügung stehen.

 

Quelle: Pressekonferenz „Start in die Pollensaison 2011“ am 3. März 2011.

 

www.pollenwarndienst.at

www.pollentagebuch.at

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