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Pulmologie 11. Jänner 2011

Ist es an der Zeit für ein Lungenkrebs-Screening?

Aktuelle klinische Studie weist erstmals nach: Lungenkrebsmortalität ist durch gezielte Früherkennung mit Niedrigdosis-CT um 20 Prozent reduzierbar.

Die vor Kurzem veröffentlichten Ergebnisse des National Lung Screening Trial (NLST), einer in den Vereinigten Staaten vom National Cancer Institut (NCI) durchgeführten klinischen Langzeitstudie, zeigen, dass durch frühzeitiges Erkennen eines Lungenkarzinoms durch Niedrigdosis-CT die Todesrate um 20 Prozent verringert werden kann. Diese CT-Technik weist mit rund 1,5 mSv Effektivdosis nur 25 Prozent der Strahlendosis einer Standard-Lungen-CT auf. In Österreich könnten damit jährlich etwa 740 Todesfälle durch Lungenkrebs vermieden werden. Deshalb fordern die Österreichische Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) und die Österreichische Röntgengesellschaft (ÖRG) von der Politik die Einführung einer Lungenkrebs-Vorsorgeaktion.

Lungenkrebs ist das tödlichste Karzinom. Europaweit sterben jedes Jahr mehr Menschen an Lungenkrebs als an Darm-, Brust- und Prostatakrebs zusammen. In Österreich waren es im vergangenen Jahr insgesamt 3.681 Männer und Frauen, die am Lungenkarzinom starben. Bei Frauen haben sich die Todesfälle in den letzten Jahrzehnten deutlich erhöht. Verantwortlich dafür ist vor allem das Tabakrauchen beteiligt, neun von zehn Lungenkrebstodesfällen gehen auf es zurück.

Höchstes Risiko für 55- bis 74-jährige starke Raucher

Die in die randomisierte klinische Studie miteinbezogenen Probanden kamen aus der Hochrisiko-Population: 55 bis 74 Jahre alt, aktuell oder früher starke Raucher mit einem Zigarettenkonsum von täglich zumindest einer Packung über 30 Jahre hindurch oder täglich zwei Zigarettenpackungen während 15 Jahren.

Früherkennung mit Low-Dose-Computertomografie

Um Lungenkrebs frühzeitig zu erkennen, wurden in 33 Forschungszentren der USA 53.000 ausgewählte Probanden auf Lungenkrebs untersucht. Zum Nachweis des Lungentumors wurden zwei radiologische Techniken eingesetzt: Niedrigdosis-Spiral-CT und das konventionelle Lungenröntgen. Die Hälfte der Probanden wurde mit Niedrigdosis-CT untersucht. „Diese Computertomografie-Technik weist mit rund 1,5 mSv Effektivdosis nur 25 Prozent der Strahlendosis einer Standard-Lungen-CT auf, ihr breiter Einsatz ist daher für Probanden deutlich weniger belastend“, betont der neue Präsident der Österreichischen Röntgengesellschaft (ÖRG), Prof. Dr. Dimiter Tscholakoff, Vorstand des Zentralröntgeninstituts in der Krankenanstalt Rudolfstiftung der Stadt Wien.

Verringerung der Sterblichkeit mit Niedrigdosis-CT

Hoffnung für Lungenkrebs-Betroffene: In der Probanden-Gruppe, die mit Niedrigdosis-CT untersucht wurde, war die Lungenkrebs-Sterblichkeit um 20 Prozent niedriger als in der Kontrollgruppe mit konventionellem Lungenröntgen. „Dieses Ergebnis hat uns zwar nicht überrascht, weil schon länger die Bedeutung der Frühdiagnose bei Lungenkrebs für die Sterblichkeit vermutet wurde, nunmehr wurde dies in einer klinischen Langzeitstudie mit hohen Patientenzahlen erstmals auch klar nachgewiesen“, betont Prof. Dr. Otto Burghuber, Past President der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie und Vorstand der 1. Lungenabteilung am Otto Wagner Spital in Wien. „Dies muss Auswirkungen auf die Methode der Früherkennung haben“, so der Experte für Lungenkrankheiten.

Klar nachgewiesen wurde laut Prof. Dr. Gerhard Mostbeck, Leiter der ÖRG-Ausbildungsakademie und Vorstand der Institute für Radiologie am Wilhelminenspital und am Otto Wagner Spital der Stadt Wien, auch „die Bedeutung der Low-Dose-CT-Untersuchung für die Früherkennung des Lungenkrebs“. Es sei nunmehr ein Faktum, das einen dringenden Handlungsbedarf für die Gesundheitspolitik mit sich bringe. Denn mit der Niedrigdosis-CT sei ein Lungenkarzinom zu einem deutlich früheren Zeitpunkt zu erkennen als bei der herkömmlichen Durchleuchtung der Lunge. Mostbeck: „Und damit ist die Überlebenschance höher.“

740 weniger Lungenkrebs-Tote

Für Österreich bedeutet die nunmehr wissenschaftlich nachgewiesene Reduktion der Lungenkrebssterberate um ein Fünftel durch den Einsatz von Niedrigdosis-CT bei der Früherkennung, dass jährlich rund 740 Menschen (20 Prozent in der Hochrisikogruppe) weniger an Lungenkrebs versterben. „Dem kann die Gesundheitspolitik nicht tatenlos zusehen“, so unisono Tscholakoff, Mostbeck und Burghuber.

ÖGP und ÖRG stellen deshalb folgende Forderungen an die Politik:

  • Durchführung einer Lungenkrebs-Vorsorgeaktion nach Vorbild des National Lung Screening Trial (NLST),
  • Einsatz von Niedrigdosis-CT in der Früherkennung von Lungenkrebs bei Risikopersonen und
  • Finanzierung durch Zweckwidmung der Tabaksteuer oder zumindest der im Sparbudget vorgesehenen höheren Tabaksteuereinnahmen für diese Vorsorgeaktion in der Hochrisiko-Gruppe. Das sind starke Raucherinnen und Raucher im Alter von 55 bis 74 Jahren.

ÖGP und ÖRG, Bannert/IS, Ärzte Woche 2 /2011

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