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Foto: Regina Kaute / pixelio.de
Rauchern sollte klargemacht werden, dass ihr Raucherhusten kein harmloses Leiden ist. Eine Lungenfunktionsprüfung zeigt frühzeitig, ob bereits eine COPD vorliegt, die ärztlich behandelt werden muss.
 
Pulmologie 1. Dezember 2010

Die „Raucherlunge“ nicht verniedlichen

„Das bisschen Husten bringt mich nicht um!“ Bei einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung erweist sich diese Art der Banalisierung viel zu häufig als fataler Irrtum.

In Österreich leiden rund eine Million Menschen an der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung, COPD, umgangssprachlich auch als „Raucherlunge“ bekannt. Atemnot, Husten und Auswurf plagen die Betroffenen oft über mehrere Jahre, ohne dass sie von ihrer Erkrankung wissen. Zwei Erhebungen werden auf nationaler und internationaler Ebene die Schwachstellen im Management der Erkrankung aufzeigen.

 

„Eine Studie zeigt, dass rund elf Prozent der Österreicher eine behandlungsbedürftige COPD aufweisen, wobei nur fünf Prozent wissen, dass sie an einer COPD leiden“, so Prof. Dr. Horst Olschewski, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP). Da COPD im Anfangsstadium oft unerkannt bleibt, ist von einer noch höheren Dunkelziffer auszugehen. Auf internationaler Ebene zeigen Prognosen, dass COPD an die dritte Stelle der häufigsten Todesursachen vorrücken und im Jahr 2020 die fünftgrößte Krankheitsbelastung darstellen wird. Weltweit sind etwa 210 Millionen Menschen an einer COPD erkrankt.

Krankheitsschübe vermeiden

Neue Daten einer europäischen Studie (Survey Hidden Depths of COPD, Oral Presentation ERS Congress, September 2010) medizinischer Experten zeigen, dass mehr als drei Viertel der Patienten an Exazerbationen leiden. Oft haben diese Schübe einen unwiederbringlichen Verlust an Lungenfunktion zur Folge. Eines der Hauptziele bei der Behandlung von COPD ist die Vorbeugung dieser Krankheitsschübe. Außerdem stellte sich heraus, dass auch Experten die Häufigkeit und daher die Bedeutung von Exazerbationen für Patienten mit COPD unterschätzen.

Past-Präsident der ÖGP Prof. Dr. Otto Burghuber spricht sich für mehr Fairness im Zugang der COPD-Patienten zur medizinischen Versorgung aus: „Zentral ist eine verbesserte Früherkennung. Je früher wir Betroffene diagnostizieren und behandeln, desto geringer sind die psychischen, physischen und finanziellen Belastungen.“

Zwei Projekte sollen die Patientenversorgung voranbringen. Das Projekt der European Respiratory Society „ERS COPD Audit“ hat zum Ziel, den Therapiestandard und die Ausstattungsqualität der Spitäler für die Behandlung der COPD-Exazerbation innerhalb der EU zu vergleichen und die Folgen auf den Verlauf und die Mortalität der COPD zu evaluieren. Die Standards in den verschiedenen Ländern sind je nach Gesundheitssystem sehr unterschiedlich, sodass gleicher Zugang zu gleicher Behandlung trotz aller internationalen Empfehlungen nicht zu erwarten ist, so die Vize-Präsidentin der ÖGP, Dr. Sylvia Hartl. Dies soll durch das Audit-Projekt verbessert werden – optimale Behandlung durch Lernen voneinander.

Der „Österreichische Patientenbericht COPD“, das zweite ins Leben gerufene Projekt, ist eine nationale Patientenbefragung zu den Bedürfnissen und Wünschen bei COPD. Dieser ermittelt in einer landesweiten Umfrage das subjektive Erleben von Patienten mit dieser Erkrankung und schafft gegenüber dem Gesundheitswesen im Interesse der Betroffenen Transparenz.

Ziel ist es, den Anliegen der Patienten Gehör zu verschaffen, eine Vereinheitlichung der Versorgung der Betroffenen zu erreichen und dafür zu sorgen, dass sich der Patient gut versorgt und verstanden fühlt. Die Daten beider Studien werden Anfang nächsten Jahres erwartet.

 

welldone/IS, Ärzte Woche 48 /2010

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