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Pulmologie 23. November 2010

Viel Spielraum für Verbesserung

Neue Medikamente und Rehabilitationsmaßnahmen werden COPD-Patienten von den Kassen nicht bezahlt.

Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung, unter der relativ neuen Bezeichnung COPD der Öffentlichkeit noch zu wenig bekannt, ist die vierthäufigste Todesursache – Tendenz steigend. Galt die Obstruktion der Atemwege bei dieser Erkrankung früher als irreversibel, ist es heute mit Medikamenten und körperlichem Training möglich, eine gewisse Reversibilität der Atmungseinschränkung zu erreichen. Der Zugang zur Therapie lässt aber zu wünschen übrig, mahnte die Österreichische Lungenunion anlässlich des Welt-COPD-Tages.

 

Mit geeigneter Behandlung könnten COPD-Patienten bei guter Lebensqualität lange im Erwerbsleben bleiben. „Unbehandelt schreitet COPD in der Regel fort, bis hin zur permanenten Atemnot auch in Ruhe und zur Sauerstoffpflicht“, betont der Sprecher der Österreichischen Lungenunion (ÖLU), Otto Spranger. „Doch die Realität steht in krassem Gegensatz zum öffentlichen Bewusstsein und zur Versorgungsrealität, die mit der COPD-Ausbreitung nicht schritthält und sogar immer weiter zurückgeschraubt wird.“ Die Kritikpunkte der Patientenorganisation sind:

  • Die Spirometrie wird Hausärzten nicht von den Kassen bezahlt und sie ist in der Vorsorgeuntersuchung nicht enthalten.
  • Die große Anzahl unterschiedlicher Inhalations-Systeme der Generika kann Patienten überfordern.
  • Sauerstoffpflichtigen Patienten wird statt leicht transportablen Flüssigsauerstoffs zunehmend nur ein Sauerstoff-Konzentrator gewährt und damit Bewegungsfreiheit und ein selbstbestimmtes Leben massiv eingeschränkt.
  • Nikotinsucht ist zwar eine anerkannte Erkrankung nach IDC-10, die Bezahlung der Entwöhnung wird dennoch von den Kassen nur in Ausnahmefällen bewilligt.

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass die wohnortnahe Rehabilitation in Österreich weder von den Krankenkassen noch von der Pensionsversicherung bezahlt wird. Dabei, so der Leiter des Instituts für Pulmologische Diagnostik und Rehabilitation in Wien, Prof. Dr. Hartmut Zwick, wirke Rehabilitation bei COPD nachweislich besser und nachhaltiger als jede andere Einzeltherapie: „Die Rehabilitation ist eine komplexe nichtmedizinische Beeinflussung und besteht bei an der Lunge chronisch Erkrankten aus Patientenschulung (Umgang mit Medikamenten und gegebenenfalls Sauerstoff, Raucherentwöhnung), Ausdauer-, Atemmuskel- und Krafttraining, Diätberatung und psychologischer Beratung zur Lebens- und Depressionsbewältigung. Die in vier Phasen ablaufende Rehabilitation bewirkt nachgewiesenermaßen, dass Patienten mit COPD weniger Medikamente benötigen, weniger Exazerbationen erleiden, weniger Krankenhausaufenthalte haben, bei höherer Lebensqualität leistungsfähiger bleiben und länger leben. Wer für seine Rehab nicht privat aufkommen kann, muss als COPD-Patient in Österreich auf die wirksamste aller therapeutischen Maßnahmen verzichten.“

Das Problem mit der Compliance

Ab Stadium II müssen COPD-Patienten regelmäßig Medikamente einnehmen. Bewährt haben sich vor allem Substanzen aus der Asthma-Therapie. „Die Therapietreue von COPD-Patienten lässt jedoch zu wünschen übrig. Unter Studienbedingungen erreicht sie zwar 70 bis 90 Prozent, im klinischen Alltag aber nur zwischen zehn und 40 Prozent“, so der Lungenspezialist Dr. Norbert Vetter, Sozialmedizinisches Zentrum Baumgartner Höhe. „Die Therapietreue ist generell umso größer, je seltener ein Mittel eingenommen werden muss. Am größten ist sie, wenn Patienten mit einer einzigen Gabe pro Tag auskommen können. Die pharmakologische Entwicklung geht daher in Richtung Einmalmedikation pro Tag.“ Bei COPD gebe es diesbezüglich zwei bedeutende Entwicklungen.

1 x tägliche Anwendung

Roflumilast ist zum einen ein neuer Einmal-täglich-Wirkstoff, der die Entzündungskomponente der COPD auf anderem Weg bekämpft als beispielsweise Kortison. Er hemmt das Enzym Phosphordiesterase IV, einen wichtigen Faktor in der biochemischen Signalkette der Entzündungsreaktion. Bisherige Daten zeigen, dass es nicht für alle COPD-Patienten geeignet ist, jedoch eine wichtige neue Chance für jene ist, bei denen die chronische Bronchitis im Vordergrund steht und traditionelle Medikamente zu wenig wirken.

Zum anderen ist Indacaterol das erste lang wirkende atemwegserweiternde Medikament (Beta-Sympathomimetikum) mit 24-Stunden-Wirkung und hat einen schnellen Wirkeintritt von weniger als fünf Minuten. Allein diese Tatsachen könnten zehntausende Patienten mehr in der Therapie halten. Die schnell einsetzende Erweiterung der Atemwege sorgt dafür, dass COPD-Patienten, die häufig verzweifelt nach Luft ringen, wieder leichter und besser atmen können. Indacaterol wird einmal pro Tag über einen Pulverinhalator inhaliert und kann als Monotherapie oder in Kombination mit anderen inhalativen Medikamenten (anticholinerge Bronchodilatatoren, inhalalative Kortikosteroide) angewendet werden. „Damit trägt es sehr zur Verbesserung der Compliance bei“, so Vetter.

 

Quelle: Pressekonferenz zum Welt-COPD-Tag am 15. November 2010.

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