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Die Adoleszenz ist eine sensible Zeit des Übergangs vom abhängigen Kind hin zum unabhängigen Erwachsenen. Eine chronische Erkrankung wie Asthma kann in diesem Lebensabschnitt eine enorme Last darstellen.
 
Pulmologie 27. Oktober 2010

Atemlos in der Pubertät

Zur Behandlung von Jugendlichen mit Asthma ist großes Einfühlungsvermögen in deren besondere physische, psychische und soziale Situation erforderlich.

In der Jugend neigen Menschen zu explorativem Verhalten, das heißt, sie sind anfällig für Alkohol und Nikotin. Das muss bei der Asthmatherapie mitbedacht werden.

 

Etwa jedes zehnte Kind entwickelt bis zum elften Lebensjahr ein Asthma bronchiale. Mit dem Älterwerden verändert sich auch die Einstellung der Heranwachsenden zu ihrer Erkrankung, was den betreuenden Arzt vor besondere Herausforderungen stellt. Denn die chronische Krankheit wird für die Kids in dieser Lebensphase eine enorme Last, die sich auf die Compliance und damit auch auf die Therapiequalität auswirken kann.

„Die Adoleszenz ist eine sensible Zeit des Übergangs vom abhängigen Kind hin zum unabhängigen Erwachsenen“, betonte Prof. Dr. Donald Payne von der Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde des Princess Margaret Hospital, Perth, Australien. In dieser Zeit kommt es zu physischen Veränderungen, zu kognitiver Entwicklung mit der Ausbildung der Fähigkeit zu komplexem und abstraktem Denken sowie zu psychosozialer Reifung. Junge Menschen durchlaufen in dieser Lebensphase einen Abnabelungsprozess vom Elternhaus, entwickeln eine eigenständige Persönlichkeit, schaffen ein neues persönliches Umfeld und gehen erste sexuelle Beziehungen ein.

Angst und Depression

Eine chronische Erkrankung wie Asthma kann für Jugendlichen in diesem Lebensabschnitt eine enorme Last darstellen. So sind junge Menschen mit Asthma häufig in ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit eingeschränkt, was gemeinsame Aktivitäten mit gleichaltrigen erschwert, und häufige Fehlzeiten können die schulischen Leistungen beeinträchtigen. Mit dem Heranwachsen stellen Jugendliche gewohnte Autoritäten in Frage und der Einfluss der Peer-Gruppe wird stärker. „Es ist auch das Alter, in dem Jugendliche ein exploratives Verhalten an den Tag legen und Nikotin, Alkohol oder andere Drogen probieren“, berichtete Payne. Verschiedene Untersuchungen haben gezeigt, dass der Anteil an Rauchern bei jugendlichen Asthma-Patienten zumindest genauso groß ist wie bei gesunden Gleichaltrigen. Allerdings, so Payne, sind die gesundheitlichen Schäden des Nikotinkonsums bei Patienten mit Asthma deutlich gravierender. So ist die Wirksamkeit von inhalativen Steroiden bei rauchenden Asthmapatienten reduziert.

Wie viele andere chronische Erkrankungen ist auch Asthma bei Jugendlichen mit einer erhöhten Inzidenz von Angststörungen und Depressionen verbunden, die einer gesunden Persönlichkeitsentwicklung im Wege stehen. Darüber hinaus sind Angst und Depression mit schlechter Therapieadhärenz assoziiert.

Qualitative Forschung hat ergeben, dass junge Asthmapatienten häufig Scham wegen ihrer Erkrankung empfinden, Angst vor Anfällen haben und im Vergleich zu gesunden Gleichaltrigen einen kleineren Freundeskreis haben. Innerfamiliär kann die chronische Erkrankung zu zusätzlichen Spannungen führen.

Vertrauen und Vertraulichkeit

In einer Befragung zur Therapieadhärenz unter jugendlichen Asthmapatienten zeigte sich, dass die Fähigkeit, an Aktivitäten der Freunde teilzunehmen, der Wunsch, Exazerbationen zu vermeiden, die Zufriedenheit mit dem Inhaler sowie der ungestörte Schlaf die am häufigsten genannten Motive für eine adäquate Medikamenteneinnahme waren. Auf der anderen Seite waren Vergesslichkeit, unwirksame Medikation, komplizierte Therapieschemata, Furcht vor Nebenwirkungen und Verdrängen der Krankheit die wesentlichsten Gründe für schlechte Compliance.

Von den behandelnden Ärzten wünschen sich Jugendliche, dass sie selbst als Personen ernst genommen werden und Gespräche nicht mit den Eltern, sondern mit ihnen, den Betroffenen, geführt werden. „Darüber hinaus wollen jugendliche Asthmapatienten als Gesamtpersönlichkeit und nicht nur in ihrer Krankheit verstanden werden, was auch das Ansprechen von emotionalen Themen erfordert“, so Payne. Nicht zuletzt müssen therapeutische Gespräche in einer den Jugendlichen vertrauten und verständlichen Sprache geführt werden.

Für die Praxis empfahl Payne, mit den jugendlichen Patienten alleine, ohne deren Eltern, zu sprechen und Vertraulichkeit zuzusichern. Vertrauen und Vertraulichkeit bilden die Basis, auch sensible Themen wie etwa Sexualität, Rauchen oder Alkoholkonsum anzusprechen, wobei dem Jugendlichen die Gesundheitsrelevanz dieser Themen vermittelt werden muss.

Entscheidend für das Gelingen einer jugendgerechten Asthmabetreuung ist laut Payne, dass auch sämtliche Mitarbeiter in der Ordination im Umgang mit Jugendlichen geschult werden.

 

Referenzen:

Callery et al.. Br J Gen Practice 2003;53:185-90

Cordina et al.: J Soc Admin Pharm 2002;5:162-9

Buston & Wood: Fam Practice 2000;17:134-8

Beresford & Sloper: J Adol Health 2003;33:172-9

 

Quelle: 29. Kongress der European Academy of Allergology and Clinical Immunology (EAACI) vom 5. bis 9. Juni 2010, London

Von Mag. Harald Leitner, Ärzte Woche 43 /2010

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