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Foto: wikipedia/Nyaah
American Hairless Terrier: Selbst haarlose Hunde weisen ein beträchtliches allergenes Potenzial auf.
 
Pulmologie 27. Oktober 2010

Atemberaubende Katzen und Hunde

Spezifische Immuntherapie ist die einzige krankheitsmodifizierende Therapieoption bei Tierallergien.

Nicht jeder verträgt Hund, Katze oder Maus in seiner Wohnumgebung. Etwa 15 Prozent reagieren allergisch. Die Maßnahmen zur Verringerung der Allergenbelastung und medikamentöse Therapien ermöglichen es Tierfreuden, trotz ihrer Erkrankung mit ihren Lieblingen zu leben.

 

Hunde und Katzen sind des Menschen liebste Haustiere. Eine allergische Rhinitis oder Asthma, für deren Entstehung häufig Tierallergien verantwortlich sind, können die Freude am Zusammenleben mit diesen Lieblingen allerdings deutlich trüben. Wesentlichste Allergenverbreiter sind dabei die Katzen. So hat eine Untersuchung gezeigt, dass 72 Prozent von atopischen Patienten einen positiven Prick-Test auf Katzen hatten, wohingegen es auf Hunde nur 36 Prozent waren.

Allergene sind überall

Das wichtigste und am besten untersuchte Katzen-Allergen ist das Fel d1.1 Es wird über die Talgdrüse der Haut und den Speichel ausgeschieden und findet sich im Fell des Tieres. „Am höchsten sind die FEL d1-Konzentrationen bei nicht kastrierten Katern und Kastration der Tiere kann die Fel d1-Konzentration senken“, berichtet Prof. Dr. Dana Wallace, Nova Southeastern University, Davie, Florida, USA.

Von den 28 identifizierten Hundeallergenen scheinen fünf von klinischer Relevanz zu sein. Dabei steht Can f1, auf das bis zu 70 Prozent der Hunde-Allergiker sensibilisiert sind, an erster Stelle. Die meisten Hunde-Allergene finden sich im Speichel, an den Haaren und Hautschuppen. Wallace macht darauf aufmerksam, dass entgegen einer weit verbreiteten Meinung Kurzhaarrassen und selbst haarlose Hunde ein beträchtliches allergenes Potenzial aufweisen.

Haustierallergene sind in nahezu 90 Prozent der Haushalte und in den meisten öffentlichen Räumen anzutreffen.2 Bei den Hautschuppen handelt es sich um Partikel mit einer Größe zwischen 2,5 und zehn Mikrometer (µm), die etwa beim Staubsaugen oder Gehen über einen Teppich in die Luft gelangen, sich an Schuhen, in Kleidern und Haaren festsetzen und so auch in haustierlose Räume gelangen. So konnte etwa eine direkte Relation zwischen der Zahl an Schülern, die mit Katzen zusammenleben, und der Fel d1-Konzentration in den Klassenräumen nachgewiesen werden. Kinder mit Asthma und Katzenallergien entwickeln demgemäß häufiger Symptome, wenn sich unter den Schulkameraden viele Katzenbesitzer befinden.3 Wallace: „Besonders fällt die Symptomverschlechterung auf, wenn die Kinder aus den großen Ferien in die Schule zurückkommen.“

Verminderung der Allergenbelastung

Für die meisten Hunde- und Katzenbesitzer sind ihre Tiere Familienmitglieder. „Daher suchen nahezu alle Haustierbesitzer mit Tierallergien effektive Behandlungsmöglichkeiten, die es ihnen erlauben, das geliebte Tier zu behalten. Dass Allergenvermeidung die beste Therapie wäre, wollen diese Menschen nicht hören“, sagt Wallace.

Maßnahmen zur Reduktion der Allergenbelastung im Haushalt können dazu beitragen, allergische Rhinitis oder Asthma zu lindern oder zu verhindern. Allerdings existieren nur wenige evidenzbasierte Daten zu diesem Thema. So ist beispielsweise die von einem glatten Fußboden ausgehende Allergenbelastung 100 Mal geringer als die von Teppichböden.4 Häufiges Lüften, der Einsatz von Spezialfiltern und Klimaanlagen können die Allergenbelastung ebenfalls senken. Bei kurzfristiger Belastung mit Allergenen, wie sie etwa beim Ausleeren des Katzenkisterls oder dem Bürsten eines Hundes entsteht, können sich Allergiker mittels Masken schützen. Wäschewaschen mit zumindest 60°C Wassertemperatur, ein zweiter Spülgang oder der Einsatz einer speziellen Dampf-Waschmaschine reduzieren die Allergenkonzentration in der Kleidung.

Pharmakologische Therapie

Für Tierallergiker, die selbst kein Haustier haben, empfiehlt Wallace im Falle einer unerwarteten Exposition die Anwendung einer rasch wirksamen Medikation wie etwa eines topischen Antihistaminikums. Bei geplanten kürzeren Aufenthalten in Häusern mit Tieren können orale Antihistaminika der zweiten Generation, Leukotrien-Antagonisten oder intranasale Kortikosteroide hilfreich sein.

In der Behandlung der ganzjährigen Tierallergie besteht laut Wallace kein Unterschied zu anderen perennialen allergischen Rhinitiden. „Leukotrien-Antagonisten, topische Antihistaminika, intranasale Steroide können als Erstlinien-Therapeutika in Erwägung gezogen werden. Die Patienten müssen jedoch auf potenzielle Nebenwirkungen aufmerksam gemacht werden“, so Wallace.

Die einzige Therapie, die in der Lage ist, die Erkrankung zu modulieren, ist die spezielle Immuntherapie. So konnte nachgewiesen werden, dass die subkutane Immuntherapie (SIT) mit Fel d1 das Risiko, Asthma zu entwickeln, reduziert.5 Auch für die sublinguale Immuntherapie (SLIT) liegen Daten vor, wonach bei Katzenallergikern die Symptomatik deutlich reduziert werden konnte.6 „Derzeit laufende Studien mit niedrig dosierter intradermaler Immuntherapie sind vielversprechend und weisen auf eine effektive und sichere Behandlung hin“, schloss Wallace.

 

Referenzen:

1) Craig et al.: J Allergy Clin Immunol 2008;121:671-77

2) Eggleston: J Allergy Clin Immunol 2005;116:122-26

3)Almqvist et al.: Am J Respir Crit Care Med 2001;163:694-98

4) de Blay et al.: Am Rev Respir Dis 1991;143:1334-39

5) Cox et al.: J Allergy Clin Immunol 2007;120S25-S85

6) Alvarez-Cuesta et al.: Allergy 2007;62:810-17

 

Quelle: 29. Kongress der European Academy of Allergology and Clinical Immunology (EAACI) vom 5. bis 9. Juni 2010 in London

Von Mag. Harald Leitner , Ärzte Woche 43 /2010

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