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Rot eingefärbtes weißes Blutkörperchen „frisst“ gelbe Tuberkulosebakterien, indem es die Bakterien ins Innere zieht.
 
Pulmologie 27. Oktober 2010

Stopp der Tuberkulose

ERS, WHO und ECDC warnen vor den Gefahren der multiresistenten Tuberkulose.

Die Weltgesundheitsorganisation meldet für das laufende Jahr eine unerwartet hohe Prävalenz von multiresistenter Tuberkulose. Bei einer Pressekonferenz zum 20. Jahreskongress der European Respiratory Society haben Experten die wachsenden Herausforderungen beim Management der Tuberkulose in Erinnerung gerufen und vor allem auf den Anstieg bei den resistenten Bakterienstämmen hingewiesen.

 

In manchen Settings, so die Tuberkulosespezialisten, treten Spitzenwerte von 25 Prozent und mehr von resistenter Tuberkulose (TB) unter den neuen Erkrankungsfällen auf. Es wird geschätzt, dass sich etwa fünf Prozent der mehr als neun Millionen an Tuberkulose Erkrankten mit einem multiresistenten Tuberkulose-Erregerstamm (MDR-TB) infizieren, der mindestens gegen die zwei wirksamsten Tuberkulosemedikamente, die zurzeit zur Verfügung stehen – Isoniazid und Rifampicin – resistent ist.

„TB ist ein globales Problem, mit dem die internationale Gemeinschaft fertig werden muss“, sagt Prof. Dr. Giovanni Battista Migliori, Vorstand der ERS-Versammlung für Lungeninfektionen und Direktor des WHO-Collaborating Centre and Lung Disease in Tradate, Italien.

TB-NET ist eine von der ERS unterstützte Gemeinschaft zur klinischen Erforschung der Tuberkulose, die mit der WHO und dem Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) zusammenarbeitet. Der Fokus liegt dabei auf der Entwicklung von verbesserten Diagnosemethoden und neuen Medikamenten, aber auch auf der Prävention und der Kontrolle von resistenter TB.

„Eines der größten Probleme in den meisten europäischen Ländern ist die geringe Erfolgsrate bei der TB-Behandlung, die weit unter dem von der WHO festgelegten Zielwert von 85 Prozent liegt und so die Resistenzentwicklung fördert“, erklärt Dr. Davide Manissero, Leiter der Sektion Respiratory Tract Infections und Koordinator des Tuberkuloseprogramms der ECDC in Stockholm, Schweden.

„Ein Grund dafür ist die lange Behandlungsdauer der multiresistenten TB von bis zu 24 Monaten. Die verwendeten Medikamente sind weniger wirksam als die Erstlinienmedikamente für die Behandlung der Tuberkulose und sie verursachen deutlich mehr Nebenwirkungen“, betont Manissero.

Eine weitere Bedrohung ist die extrem multiresistente Form der Tuberkulose (XDR-TB). Diese ist definiert als MDR-TB, die zusätzlich auch gegenüber Fluoroquinolonen und alle drei injizierbaren Zweitlinien-Tuberkulosemedikamente Amikacin, Kanamycin und Capreomycin resistent ist. Die Bedrohung durch M/XDR-Tb ist zudem verschärft durch das schlechte Behandlungsergebnis bei dieser Patientengruppe. In einer Kohorte von 1.100 Patienten konnten in der EU und im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) nur 30,9 Prozent der Personen, die im Jahr 2006 eine Behandlung begonnen hatten, erfolgreich therapiert werden. Ein hoher Anteil von 13,2 Prozent dieser MDR-TB-Fälle hielt die Behandlung zudem nicht durch und erhöhte damit das XDR-TB-Risiko.

Warnung vor MDR-TB

Aktuelle Zahlen: 440.000 Fälle von MDR-TB mit 150.000 Todesfällen. XDR-TB wurde aus 58 Ländern gemeldet, so Prof. Dr. Mario Raviglione, Direktor der Abteilung „Stop der TB“ der WHO in Genf. „Von allen TB-Fällen waren über eine Million Menschen mit HIV-Aids betroffen. Ob HIV-Infektionen das Risiko für MDR-TB erhöht, ist unklar. Bekannte Risikofaktoren für die Resistenzförderung sind Malabsorption, Medikamentenintoleranz oder -interaktionen sowie Noncompliance bei intravenösem Drogenabusus.

Raviglione: „TB-Kontrolle auf der Basis von Früherkennung und adäquater Therapie bis zur Heilung muss überall installiert werden, um die Transmission unterbrechen zu können, Todesfälle zu vermeiden und MDR-TB vorzubeugen. Die ERS wie auch die WHO und das ECDC warnen vor den Gefahren der multiresistenten Tuberkulose.“

 

Quelle: Pressemeldung ERS-Kongress.

Tuberkulose- Überwachung
Die Daten aus dem Bericht Tuberculosis surveillance in Europe 2008 beziehen sich auf 50 Mitgliedstaaten der Europäischen Region der WHO (aus Österreich, Monaco und San Marino liegen keine Daten vor) sowie Liechtenstein.
Die 18 Hochprävalenzländer in der Europäischen Region sind: Armenien, Aserbaidschan, Belarus, Bulgarien, Estland, Georgien, Kasachstan, Kirgisistan, Lettland, Litauen, Republik Moldau, Rumänien, Russische Föderation,Tadschikistan, Türkei, Turkmenistan, Ukraine und Usbekistan. Fünf dieser Ländersind Mitgliedstaaten der EU.
Der Bericht Tuberculosis surveillance in Europe 2008 kann auf den Seiten der WHO und der ECDC heruntergeladen werden.

http://www.euro.who.int/de/home

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