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Pulmologie 2. März 2010

Wasserpfeifende Sportler

US-amerikanische Collegestudenten erliegen der Fehlinformation und dem Reiz der Exotik.

Während Zigarettenrauchen vor allem in den USA an Popularität verloren hat – nicht zuletzt aufgrund massiver gesetzlicher Einschränkungen –, erfreut sich das Rauchen der Wasserpfeife einer steigenden Anhängerschaft. Exotik und vermeintlich „gesundes Rauchen“ sind Gründe dafür.

 

Unter amerikanischen College-Studenten wurde eine (gerade für nordamerikanische Verhältnisse) beachtliche Prävalenz von 20 bis 40 Prozent für das Wasserpfeife-Rauchen erhoben. Offenbar sind die durchaus mit dem konventionellen Rauchen vergleichbaren Risiken nicht bekannt oder sie werden unterschätzt. Aufgrund der längeren Nutzungsdauer der Wasserpfeife kommt es in manchen Bereichen sogar zu einer wesentlich höheren Belastung als beim konventionellen Zigarettenrauchen. Dieses Nichtwissen im Verein mit dem Aufstieg zur regelrechten Modeerscheinung dürfte auch der Grund für die relativ hohe Verwendung von Wasserpfeifen unter sportlich aktiven Collegestudenten sein, fand eine Studie von Primack et al. Verglichen mit den sportlich nicht aktiven Studienkollegen, ist der Konsum hier wesentlich höher. Ausnahme: die Mitglieder des jeweiligen College/Universitätsteams (varsity). Das mag, so schreiben die Autoren, einerseits am Zeitaufwand liegen – eine Wasserpfeife raucht man schließlich nicht einfach „zwischendurch“ – als auch an der geringeren Bereitschaft von Wettkampfathleten, ein Risiko für ihre Gesundheit im Hinblick auf ihre sportliche Aktivität einzugehen. Darüberhinaus gibt es durch die College-Vereinigung sehr strenge Verbote jeglichen Tabakkonsums während des Trainings und Wettkampfs für Sportler und Betreuer.

Wasserpfeife auf Probe

Oft ist es ja auch nur ein Ausprobieren. So berichteten 29,5 Prozent der insgesamt 8.745 Befragten, jemals Wasserpfeife geraucht zu haben, 7,2 Prozent hatten innerhalb der vorangegangenen 30 Tage Wasserpfeife geraucht. Von diesen wiederum hatten etwas mehr als ein Sechstel drei- bis fünfmal dem Shisha-oder Arghile-Rauchen (Shisha – in Ägypten gebräuchliche Bezeichnung, Arghile – in Syrien) gefrönt. Nur 0,8 Prozent taten dies jeden Tag. Analysiert nach persönlichen Merkmalen, zeigt sich, dass jene, die jemals Wasserpfeife geraucht haben, jünger, männlich und keine Afroamerikaner waren und häufiger als Nicht-Wasserpfeifenraucher in einem College-Sport-Club oder einer anderen sportlichen Collegevereinigung aktiv waren – wie gesagt: nicht im Wettbewerbssport. Jedenfalls lässt sich laut den Autoren feststellen, dass jene, die sich beim Nikotin-Genuss abstinent zeigen, sehr wohl eine lebenslange Nikotinabhängigkeit durch Wasserpfeife-Rauchen entwickeln können. Überrascht waren die Autoren von dem hohem Anteil sportlich Aktiver unter den Wasserpfeife-Rauchern. Heißt es doch in den USA allgemein, dass sportliche Aktivität vor dem Nikotin-Missbrauch schützt. Die Botschaft speziell an diese Gruppe müsse daher sein: Tabak ist Tabak!

Quelle: Brian A. Primack, Carl I Fertman, Kristen R. Rice, Anna M Adachi-Mejia und Michael J. Fine: Waterpipe and Cigarette Smoking Among College Athletes in the Unites States, in: Journal of Adolescent Health 46 (2010): 45-51

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