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Foto: ÖGP

Dr. Sylvia Hartl, ÖGP-Vizepräsidentin und ERS- Generalsekretärin, Oberärztin 1. Interne Lungenabteilung am Otto Wagner Spital, Wien.

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Prim. Prof. Dr. Horst Olschewski, ÖGP-Präsident, Vorstand der Klinischen Abteilung für Pulmonologie, Medizinische Universität Graz

 
Pulmologie 24. November 2009

Gefahr für die Lunge – jeder Atemzug zählt

Vorsorgeaktion der Österreichischen Pulmologen zeigt: Fast jeder fünfte Getestete über 40 kriegt zu wenig Luft.

Die heimischen Lungenfachärzte haben die Bevölkerung in diesem Jahr zum freiwilligen und kostenlosen Spirometrietest eingeladen. Nun liegen die Ergebnisse vor. Unter der eher als gesundheitsbewusst einzuschätzenden Bevölkerungsgruppe der Freiwilligen liegt der Anteil der Personen, die eine Einschränkung der Lungenfunktion aufwiesen, bei 17,8 Prozent.

„Es ist unfassbar, dass die Gesundheitspolitik zwar am Rauchkonsum von Kindern und Jugendlichen kräftig verdient, aber sonst tatenlos bleibt“, erklärte der Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) und Vorstand der Klinischen Abteilung für Pulmologie, MedUni Graz, zum Abschluss der Vorsorgeinitiative „Wie fit ist Ihre Lunge?“ bei einem Mediengespräch. Wenn Gesundheitsminister Alois Stöger wie kürzlich in der ORF-Pressestunde die Bevölkerung auffordere, selbst für den nötigen Druck auf die Lokalbesitzer zu sorgen, statt ein generelles Rauchverbot in der Gastronomie politisch durchzusetzen, sei das bedenklich.

Lungenfitnesstest

Die Empörung wird nachvollziehbar angesichts der Auswertung der Werte, die beim freiwilligen Spirometrietest in Salzburg, Ober- und Niederösterreich, in der Steiermark und im Burgenland sowie in Wien gemessen wurden. 6.736 Freiwillige bliesen im Lungenbus oder -zelt in ein kleines Gerät, um ihre Lungenfitness testen zu lassen.

Bei 17,8 Prozent der Freiwilligen ergab der Test einen auffälligen Befund im Sinn einer Obstruktion. Aufgeschlüsselt nach Geschlecht, wurde eine Obstruktion bei 16,2 Prozent der Frauen und bei 19,3 Prozent der Männer gefunden (bei fast gleicher Beteiligung von Frauen und Männern).

Mehr als die Hälfte der Getesteten bezeichneten sich als Raucher oder Nichtraucher – und das, obwohl auch Kinder an der Aktion teilnahmen. Nur 48,3 Prozent deklarierten sich als echte Nichtraucher. Unter den Männern waren fast 60 Prozent Raucher oder Ex-Raucher.

Natürlich könne die Auswertung nicht mit einer epidemiologischen Studie gleichgesetzt werden, betonte OA Dr. Sylvia Hartl, ÖGP-Vizepräsidentin und Generalsekretärin der European Respiratory Society (ERS). Dennoch: Dass sich 54 Prozent der Burschen und 39 Prozent der Mädchen zwischen zehn und 19 Jahren als Raucher sehen, könne nur als enormes Problem bezeichnet werden. Diese Zahlen deckten sich laut Olschewski auch mit Studien, die im europäischen Vergleich Österreich nach Grönland die zweithöchste Raucherprävalenz bei Jugendlichen bescheinigen, bei 15-jähigen Schülern hat Österreich sogar die höchste Raucherquote.

Lungenzüge und COPD

Ziel der Aktion, die der Past President der ÖGP, Prim. Prof. Dr. Otto C. Burghuber, Vorstand der 1. Internen Lungenabteilung am Otto Wagner Spital in Wien, initiiert hatte, ist die Sensibilisierung der Bevölkerung für erste Symptome einer Lungenerkrankung, insbesondere der COPD. Dabei sollten vor allem Personen erreicht werden, die noch nichts über ihre beginnende Lungenerkrankung wissen.

Hartl zu den Aktions-Testergebnissen: „Bei 21,1 Prozent zeigte sich eine bronchiale Obstruktion, wobei davon ausgegangen werden kann, dass bei diesen Betroffenen die Obstruktion auf einer COPD basiert.“ Bei den über 40-Jährigen mit bronchialer Obstruktion wiesen 92 Prozent eine nicht erkannte COPD auf, 37 Prozent von ihnen brauchen ärztliche Betreuung und Therapie. Von den über 40-Jährigen, bei denen der Test eine bronchiale Obstruktion ergab, zeigten mehr als die Hälfte (55 Prozent) eine leichte und 37 Prozent eine moderate COPD (Schweregrad 2). „Dies sind jene COPD-Stadien“, erläuterte Hartl, „die oftmals nicht erkannt werden und daher auch nicht diagnostiziert und ärztlich betreut sind.“ Klar gezeigt hat sich auch, dass der Anteil der Obstruktion im Lauf der Alters-Dezennien – vor allem ab 40 Jahren – deutlich zunimmt. Aber auch die Exraucher sind stärker betroffen als echte Nichtraucher, die aber ebenfalls durch Mitrauchen oder Belastungen der Lunge in der Landwirtschaft oder am Arbeitsplatz eine Verschlechterung der Lungenfunktion davontragen können (siehe Grafik). Auffällig ist der Knick der roten Kurve zwischen dem 70. und 80. Lebenjahr – er ist Ausdruck dafür, dass (zu) viele Raucher vor der Zeit sterben.

Jeder einzelne, so die Botschaft der Lungenfachärzte, sollte lebensbegleitend auf seine Lungengesundheit achten. Und angesichts der hohen Raucherzahlen richten die Experten Forderungen an die Politik: absolutes Raucherverbot in der Gastronomie; Verbot, Minderjährige in verrauchte Räumlichkeiten mitzunehmen; Abschaffung der Zigarettenautomaten und Finanzierung der altersentsprechenden Aufklärung über Lungengesundheit und die Gesundheitsgefahren des Rauchens.

Quelle: Mediengespräch zur ÖGP-Spirometrie-Initiative 2009.

Von Inge Smolek, Ärzte Woche 48 /2009

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