zur Navigation zum Inhalt
Foto: Privat

Prim. Dr. Norbert Vetter

Foto: Privat

Prim. Prof. Dr. Wolfgang Popp

 
Pulmologie 11. November 2009

Ignorierte Atemnot

Drei von vier COPD- und viele Asthma-Patienten haben keine Diagnose.

Die Zahl der an Atemwegserkrankungen wie COPD oder Asthma Leidenden hat in den vergangenen Jahren rasant zugenommen. Allergien spielen speziell bei Asthma eine wichtige Rolle, werden aber häufig nicht oder nur sehr spät diagnostiziert. Vor allem Präventionsmaßnahmen wie Rauch-Stopp wären sinnvoll – immerhin sind vier von fünf COPD-Patienten Raucher.

Allergien spielen bei der Entwicklung von Asthma eine Schlüsselrolle: Europaweit und auch in Österreich leiden ca. 25 Prozent der Menschen an einer Allergie. Prognosen gehen davon aus, dass sich die Zahl der Allergiker bis 2015 auf die Hälfte der Bevölkerung erstrecken wird. Dabei sind nur zehn Prozent der Allergien genetisch bedingt, der Rest ist unklarer Ursache oder wird auf Umwelteinflüsse zurückgeführt. Immerhin 30 bis 50 Prozent der Allergiker entwickeln ein Asthma, zwölf Prozent der Österreicher (mit beträchtlicher Dunkelziffer) sind davon betroffen. Speziell die Dunkelziffer gibt Probleme auf, da internationale Richtlinien davon ausgehen, dass die Erkrankungen annähernd aller Asthmatiker durch medikamentöse Maßnahmen kontrolliert werden könnten – dies aber nur bei annähernd 20 Prozent der Asthmapatienten tatsächlich geschieht. „Ich würde mir wünschen, dass jeder Österreicher über seinen Allergie-Status Bescheid weiß und dass ein ‚Awareness’ entsteht“, so Prim. Dr. Norbert Vetter, Leiter der 2. Internen Lungenabteilung, Pulmologisches Zentrum des Otto-Wagner-Spitals. Er wünscht sich, dass Patienten einen besseren Zugang zu Allergietests und Lungenfunktionsprüfungen haben sollten, als das aktuell der Fall ist. Laut Vetter wäre es auch wünschenswert, dass Schulungen für und Gespräche mit Patienten den gebührenden Stellenwert erhalten.

Mangel an Allergiediagnostik

Allergietests werden in manchen Gebieten Österreichs gar nicht angeboten. „Hier ist ein flächendeckendes Angebot – eine Allergie-Diagnostik für jeden – zu fordern“, betonte Vetter.

Dabei komme Selbsthilfegruppen ein besonderer Stellenwert zu (siehe Kasten), da durch das Zusammentreffen von Menschen mit oft identen Problemen und dem Erfahrungsaustausch ein guter Effekt erzielt werden könne.

Ähnlich besorgniserregend wie bei Allergien und Asthma sind die Prognosen bezüglich Chronisch obstruktiver Lungenerkrankungen (COPD): Während andere Zivilisationskrankheiten wie Koronare Herzkrankheit, Insult oder andere kardiovaskuläre Krankheiten in beachtlichem Maße, nämlich um einen zweistelligen Prozentbereich, zurückgegangen sind, hat COPD massiv zugenommen. COPD gilt heute bereits als die vierthäufigste Todesursache in den Industrieländern. Laut österreichischer Studie von Studnicka et al. hat jeder vierte Österreicher über 40 Jahren eine COPD, rund 75 Prozent der Patienten sind aber nicht diagnostiziert.

Neben der Früherkennung von Asthma und COPD gewährleisten vor allem medikamentöse Therapien eine gute Lebensqualität der Betroffenen. Prim. Prof. Dr. Wolfgang Popp ist Leiter der 11. Medizinischen Abteilung mit Lungenkrankheiten und Langzeitbeatmungszentrum im Geriatriezentrum am Wienerwald sowie Leiter des Ambulatoriums „Gesunde Lunge – Institut für Atemwegs- und Lungenkrankheiten“. Er sagte mit Verweis auf den im September in Wien abgehaltenen Kongress der European Respiratory Society (ERS), dass mehrere Studien die Wirksamkeit von langwirksamen Betamimetika in Kombination mit inhalativen Steroiden gezeigt hätten: „Diese Substanzgruppen haben sich sowohl bei COPD als auch bei Asthma bronchiale als Eckpfeiler der Therapie etabliert.“

Neue Therapieoption

Popp wies außerdem auf die CLIMB-Studie hin, bei der die Kombination von Formoterol/Budesonid zusätzlich zu Tiotropium zu einer rascheren Verbesserung der Lungenfunktion und der Symptome der behandelten Patienten führte.

Weitere Kongressbeiträge befassten sich auch mit praxisrelevanten Aspekten von Training, Fitness und Rehabilitation von COPD. Popp: „Es hat sich gezeigt, dass allein das Mittragen eines Schrittzählers die Fitness um rund 20 Prozent erhöht!“ Positive Trainings- oder Fitnesseffekte tragen dazu bei, Exazerbationen und die Prognose zu verbessern und Spitalsaufenthalte zu reduzieren.

Quelle: P-AIR-Presseclub

Kasten:
Die Österreichische Lungenunion

Die Österreichische Lungenunion (ÖLU) ist ein Selbsthilfe-Organ für COPD- und Asthma-Patienten.

Die ÖLU bietet …
• Aufklärung und Information über das Krankheitsbild,
• Information und Weiterbildung durch Vorträge und Diskussionsrunden mit Fachexperten zu relevanten Themen,
• funktionales Atem- und Stimmtraining,
• Sprechstunden für Eltern von atemwegserkrankten Kindern,
• Informationsmaterial für Betroffene

Die ÖLU fordert …
• seit längerem die Aufnahme der Spirometrie in das offizielle Vorsorgeuntersuchungs-Programm und deren Bezahlung für Allgemeinmediziner,
• einen schriftlichen Asthma/COPD Therapie- und Managementplan,
• mehr Forschungsanstrengungen bzgl. technischer Innovationen,
• eine konsequente Nichtraucherschutz-Politik.

Informationen: Tel: 01-330 42 86,
Mail: office@lungenunion.at, Web: www.lungenunion.at

 

Von Mag. Peter Bernthaler , Ärzte Woche 46 /2009

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben