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Pulmologie 20. Oktober 2009

Polysomnographie: „It’s all a mess“

Der Apnoe-Hypnoe-Index korreliert mit – Nichts.

Vergessen Sie die Polysomnographie. Oxymetrie, Anamnese und individuelle Zusatzparameter sind genug. Das war die zentrale Aussage des Vortrags „Sleep recording: Past, present and future“ von Prof. Dr. John R. Stradling, Oxford Centre for Respiratory Medicine, University Oxford, England, beim ERS-Kongress in Wien.

Schon 1992 stellte eine Arbeit im Lancet fest, dass die Polysomnographie (PSG) keinen Einfluss auf das Outcome des Patienten hat. Kingshott et al. fanden keine Korrelation zwischen dem Apnoe-Hypnoe-Index (AHI) von Patienten mit Obstructive Sleep Apnoe Syndrome (OSA) und Symptomen wie Tagesmüdigkeit, und zwar weder bei den Patienten noch bei den Partnern. Dieselbe Gruppe versuchte es wenig später erneut mit „objektiven“ Tests wie dem Multiple Wakeness Test (MWT) und dem Multiple Sleep Latency Test (MSLT), wiederum, ohne eine Korrelation zwischen diesen Tests und dem AHI feststellen zu können.

Young et al. fanden anhand von Fragebogen und PSG unter 352 Männern 82 mit einem AHI ≥ 5, 20 mit Tagesmüdigkeit, aber nur 15, bei denen beides aufeinander traf. Von den 250 Frauen in der Studie hatten je 24 einen AHI ≥ 5 oder Tagesmüdigkeit, aber nur sieben beides. Stradling: „Diese Überschneidung entspricht dem Zufall – es gibt viele asymptomatische Apnoiker.“ Den Grund dafür ortet er einmal in den höchst unterschiedlichen Reaktionen von Menschen auf zu wenig Schlaf, andererseits darin, dass bei manchen Patienten fast jedes Apnoe-Ereignis in der Nacht auch zu einem im EEG sichtbaren Arousal führt, bei anderen Patienten mit Apnoe das EEG aber unverändert bleibt.

Weniger ist mehr

Die Bedeutung der Symptomatik im Vergleich zur „objektiven“ PSG zeigt sich auch darin, dass die vom Patienten berichtete Tagesmüdigkeit wesentlich besser mit der Hypertonie korreliert als der AHI, und dass CPAP bei Patienten mit Symptomen einen deutliche Blutdrucksenkung in der 24-h-Messung bewirkt, nicht aber bei asymptomatischen. Auch in der Prognose der Wirkung einer CPAP versagt die PSG, wie Stradling mit weiteren Studien belegte, und schlussendlich ist sie noch nicht einmal reproduzierbar.

„It’s all a mess“, schloss Stradling und schlug statt des teuren Tests, der nichts bringt, eine ganz andere Herangehensweise vor. „Entweder man definiert, was man eigentlich wissen will, ob es bei diesem speziellen Patienten um die Somnolenz, die LVF, den Blutdruck oder was auch immer geht, und misst dann den besten Prädiktor für dieses Problem – wobei diese Prädiktoren noch zu finden sind. Oder man verwendet Oxymetrie plus einen oder zwei weitere Indikatoren, um das Problem festzustellen und einzugrenzen. Und schließlich müssen die Ergebnisse der Tests in das Gesamtbild des Patienten mit Anamnese, Begleiterkrankungen usw. integriert werden, wie es ja auch bei anderen Krankheiten üblich ist.“

Von Livia Rohrmoser, Ärzte Woche 43 /2009

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